Nach der energielosen 0:3 Heimpleite der KSV Holstein gegen den SV Werder Bremen scheint der Abstieg immer wahrscheinlicher zu werden. Dabei deutet nicht nur das Ergebnis auf die drohende Zweitklassigkeit hin, sondern auch die Leistung. Trainer Marcel Rapp überraschte vor dem Spiel mit einem Wechsel auf der Torwartposition. Für den bisherigen Stammkeeper Timon Weiner stand Thomas Dähne zwischen den Pfosten. Dieses soll auch in der kommenden Partie in Mainz der Fall sein, verriet Rapp bereits.
Kiel wirkt ideenlos – Ducksch mit Traumtor
Die Partie kam sehr langsam in Schwung und hatte in den ersten zwanzig Minuten nur einen nennenswerten Abschluss von Marvin Ducksch (5.) zu verzeichnen. Das Nordderby plätscherte vor sich hin. Bremen war um Kontrolle bemüht und Kiel versuchte zu Kontern. Wenn die Rapp-Schützlinge Mal im Ballbesitz waren, wirkte das Spiel von hinten herraus sehr langsam und ideenlos, ähnlich wie es schon in der ersten Halbzeit im Testspiel gegen Braunschweig zu beobachten war. Mitte der ersten Hälfte grätschte Nicolai Remberg nahe der Eckpfahne Roman Schmid unnötigerweise um. Der Schiedsrichter entschied auf Freistoß, obwohl „Rambo“ sogar den Ball getroffen hatte. Den folgenden Freistoß schlenzte der Ex-Kieler Ducksch aus nahezu unmöglichem Winken ins lange Eck zum 0:1 – ein Traumtor, wie sich alle einig waren.
Rapp wechselt bereits in der ersten Halbzeit dreifach
Marcel Rapp reagierte in der 35. Minute auf diese erschreckende Nicht-Leistung seiner Mannen und wechselte dreifach, was es bisher in der Bundesliga so früh im Spiel noch nie gab. Für die enttäuschenden Lasse Rosenboom, Marko Ivezic und Phil Harres kamen die Kapitäne Lewis Holtby und Timo Becker, sowie der länderspielreisende Shuto Machino in die Partie. Machino (42.) hatte dann Ende der Halbzeit auch eine dezente Torannäherung, aber wirklich energievoller wurde der Auftritt der Störche nicht. „Ich war nicht zufrieden mit unserem Spiel und ich habe versucht Einfluss aufs Spiel zu nehmen“, begründete KSV-Coach Marcel Rapp den Dreifachwechsel trocken. „Ich sollte Energie rein bringen, an den Ball und in die Räume kommen und versuchen das Spiel umzudrehen“, erklärte Lewis Holtby die Worte seines Trainers, die er mit auf den Weg bekam bei seiner Einwechslung.
Holsteins Pressing kontert Werder mit dem nächsten Traumtor
Nach dem Seitenwechsel versuchten die Platzherren die Bremer Hintermanschaft und ihren Keeper früher zu pressen. Dieses schien auch ein wenig Wirkung zu zeigen, aber ertragreiche Ballgewinne kamen dabei nicht heraus. Im Gegenteil dazu zeigten sich die Bremer brutal effektiv und sorgten mit dem nächsten Traumtor für das 0:2. Felix Agu (59.) hatte an der Strafraumgrenze zeit sich den Ball auf seinen starken Fuß zu legen und zirkelte das Spielgerät aus zwanzig Metern wunderschön in den Torwinkel.
Werder hatte in der Schlussphase leichtes Spiel
Die Köpfe der Kieler sanken zu boden und Werder hatte in der Schlussphase leichtes Spiel, obwohl Rapp nochmal alles versuchte und inzwischen sieben Offensivspieler, darunter fünf nominelle Stürmer auf dem Platz hatte. Während Justin Njinmah (76., 82.) die Vorentscheidung zwei Mal ausließ, vergab auf Kieler Seite Machino (88.) die Chance auf den Anschlusstreffer. In der Nachspielzeit konterten die Bremer dann doch zum 0:3 Endstand. Torschütze war der eingewechselte Marco Grüll. „Von Anfang bis Ende war es das Spiel, was wir uns vorgestellt haben. Wir haben sehr diszipliniert verteidigt. Kompliment an die Mannschaft. Es war ein verdienter Sieg“, fiel SVW-Trainer Ole Werners Fazit relativ klar und kurz aus. Steven Skrzybski brachte die Kieler Leistung auf den Punkt: „Das war heute einfach schlecht“. „Das Ergebnis gegen Heidenheim hat uns allen einen tiefen Schlag gegeben, es war ekelhaft. Wenn du so spielst, dann wird es schwierig die Klasse zu halten“, setzte Holtby dem Ganzen noch eins drauf.


