Großes Marcel Rapp Interview: „Wir haben eine spannende Mannschaft!“

Trainer Marcel Rapp guckt auf die Uhr. Ist es zu spät für die Wende? (Foto: Ole Jacobsen)

Nach der 0:3 Niederlage gegen den SV Werder Bremen, steht Holstein Kiel mit dem Rücken zur Wand. Der Rückstand auf den ersehnten Relegationsplatz beträgt inzwischen fünf Punkte. So groß war der Rückstand bisher in der Saison noch nie. Das ist um so bitterer, da nur noch sieben Spieltage ausstehen.

Dennoch bewahrt KSV-Coach Marcel Rapp die Ruhe und möchte nicht unfair seinen Spielern gegenüber werden. „Wir haben eine spannende Mannschaft, aber wir haben einen Kader zusammen gestellt, bei dem wir bei keinem Spieler sagen konnten, dass er zu 100 Prozent Bundesliga spielen kann. Lewis Holtby hat zwar über hundert Spiele absolviert, aber zuvor hat auch er sechs Jahre nicht mehr erste Bundesliga gespielt. Trotzdem haben wir die Hoffnung und den Glauben an die Jungs.“

Die Enttäuschungen, Reaktionen und Stimmung bei den Fans und im Kieler Umfeld befindet der Trainer als „der Situation angemessen“. „Wir haben uns gegen Bremen mehr ausgerechnet. Dennoch geben die Jungs ihr Bestes. Manchmal ist das gut, manchmal nicht so gut. Gegen Bremen müssen wir uns vorwerfen lassen, dass wir in den Zweikämpfen nicht gut waren“, so Rapp, dennoch will er keinem absprechen nicht gekämpft oder nicht sein persönlich Bestes versucht zu haben.

Grundsätzlich sieht Rapp den „Kieler Weg“ als alternativlos, auch wenn er persönlich sich zugetraut hätte die Klasse zu halten, wenn man den Kieler Etat den anderen Bundesligisten angepasst hätte. „Dafür hätten wir aber 20-25 Millionen investieren müssen. Das ist fernab sämtlicher Realität. Wer soll das bezahlen? Die Zuschauer haben sich jetzt schon beschwert, dass die Tickets teurer geworden sind. Und welcher Sponsor gibt uns so viel Geld?“, blickt der Coach ein bisschen wehmütig 80 Kilometer weiter nach Süden und fügt hinzu: „Man kann uns auch nicht mit dem HSV vergleichen. Wenn die aufsteigen, haben die einfach Mal 80 Millionen mehr. Da verdienen die Spieler jetzt schon wie in der Bundesliga.“

Und immer wieder nimmt der Übungsleiter den Druck von seinen Spielern und nimmt die Schuld auf sich: „Ich habe den Anspruch die Spieler besser zu machen. Dem bin ich nicht gerecht geworden, weil ich die Jungs nicht dahin gebracht habe, dass sie alle mitspielen können. Man sieht zwar, dass sie besser werden, aber es zahlt sich nicht in Punkten aus“, zeigt sich Rapp etwas geknickt. Zum Ende hin funkeln noch einmal seine Augen, als er über seinen aktuellen Arbeitgeber spricht: „Jeder macht Fehler, ich auch, aber das schätze ich auch an diesem Verein, dass jeder enttäuscht ist, mir inklusive, aber jeder dann auch nach Hause fährt und wiederkommt und sagt: Ja, OK, wir können es einschätzen.“