Holstein im Positionsspiel – Rapp fordert Balance zwischen Plan und Risiko

Nach der bitteren 2:1-Niederlage zum Saisonauftakt in Paderborn blickt Holstein Kiel-Cheftrainer Marcel Rapp mit realistischem Blick nach vorne – und betont im Gespräch: „Das Spiel ist abgehakt, wir haben es analysiert.“ Dabei sei deutlich geworden, dass sein Team zwar defensiv ordentlich gearbeitet habe, es jedoch in einigen Situationen an individueller Qualität und offensiver Durchschlagskraft gefehlt habe. „Wir hatten zu wenig Spieler in der Offensive, haben die Räume nicht gut genug besetzt und zu einseitig agiert“, so Rapp. Gegen Paderborn habe man fast ausschließlich auf tiefe Bälle gesetzt – „gegen Osnabrück zuvor war es genau umgekehrt“. Nun gelte es, die richtige Mischung zu finden.

Ein weiteres Thema war die enorme Nachspielzeit von knapp zehn Minuten. „Das war sehr überraschend“, räumt Rapp ein. Zwar sei bei der Regelschulung auf die neue Linie hingewiesen worden, doch das Ausmaß habe überrascht. Für ihn ist klar: „Wenn es überall so gehandhabt wird, begrüße ich das. Dann muss man aber auch anders wechseln – ein Spiel dauert jetzt eher 100 Minuten.“

Besonders kritisch sieht Rapp die eigene Chancenverwertung – oder vielmehr das Fehlen ebensolcher. „Es ist ein Problem, wenn wir kaum Torgelegenheiten herausspielen. Und das lag nicht an fehlenden Stürmern, sondern an schlechter Positionierung im Ballbesitz.“ Daran werde man diese Woche intensiv arbeiten, unter anderem mit Videoanalysen für die Offensivspieler. Auch Leidenschaft und Mut zum Risiko sieht Rapp als Faktoren: „Wir müssen mehr Zweikämpfe mit Ball führen, nicht nur gegen den Ball.“

Für die Torwartposition hat sich Rapp klar entschieden: Neuzugang Jonas Krumrey steht vorerst als Nummer eins zwischen den Pfosten. Timon Weiner wird vorerst nur die Reserviestenrolle bleiben und sich fügen müssen, da er bei Holstein unter Vertrag steht. Er wird offensichtlich als Teamplayer geschätzt. „Timon kennt beide Rollen und geht professionell damit um“, analysiert Rapp trocken.
Ebenso auffällig war, dass der letztjährige Bundesliga-Stammspieler Magnus Knudsen zunächst draußen blieb und zwei Neuzugänge auf seiner Position starteten. „Das hatte nichts mit seiner Trainingsleistung zu tun, die ist gut“, betont Rapp. Vielmehr sei es eine Frage der Passung gewesen – je nach Gegner, Mitspieler auf der Sechserposition und Spielidee. Dennoch scheint Knudsen ein Verlierer der Vorbereitung zu sein – wie auch Weiner.

Auch Stefan Schwab war gegen Paderborn noch nicht in Topform. „Er ist neu, muss sich noch an unser Spielsystem gewöhnen“, sagt Rapp und hofft, dass sein neuer Leader dem Holstein-Spiel bald mehr Input bringen wird. Die 1:5-Pleite der U23 bei Kilia Kiel sei ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. „Nach 60 Minuten stand es 1:1 – man muss ihnen Zeit geben.“ Dennoch hofft Rapp, dass die zweite Mannschaft zügig in Tritt kommt: „Wir unterstützen sie, aber langfristig wäre es gut, wenn sie wieder in der Regionalliga spielen.“ Die kommende Partie der Reservestörche gegen den PSV Neumünster wird sich Rapp vor Ort anschauen, auch weil höchstwahrscheinlich sein Abwehrspieler Marco Komenda Spielpraxis sammeln soll.

Mit Arminia Bielefeld wartet ein selbstbewusster Gegner. Rapp lobt deren Struktur, Offensivdrang und klare Abläufe. „Wir müssen auf unsere Positionierung achten, vor allem in der Umschaltbewegung.“ Dabei legt Rapp in dieser Woche auch besonderen Wert auf Standardsituationen, nachdem man zuletzt nach Ecken verwundbar war und der kommende Gegner gegen Düsseldorf zwei Mal nach Eckbällen erfolgreich war. „Die haben wirklich gute Ecken geschlagen. So gut hatte ich das gar nicht erwartet“, zeigt sich der Coach beeindruckt. Trotz des Drucks vor dem zweiten Spieltag bleibt Rapp ruhig: „Wir sind nicht in katastrophaler Verfassung. Aber wir müssen uns steigern. Gegen Bielefeld ist der richtige Zeitpunkt.“

Bericht und Bild: Ole Jacobsen.