Der neue Denker – bisher ohne Wirkung: Schwab und Kiels ungelöste Führungsfrage

Als Holstein Kiel im Sommer Stefan Schwab verpflichtete, sollte der 34-jährige Österreicher die zentrale Figur im Mittelfeld werden: Führungsspieler, Taktgeber, Schaltzentrale. Gekommen von PAOK Saloniki, ausgestattet mit reichlich Erfahrung aus internationalen Spielen, war die Erwartung klar – Schwab sollte der Motor sein, der das Spiel der Störche in der 2. Bundesliga antreibt.
Zwei Ligaspiele später ist davon wenig zu sehen. Weder in den Testspielen, noch beim Saisonauftakt in Paderborn und schon gar nicht beim 0:2 gegen Bielefeld konnte der Routinier überzeugen. Gegen die Arminia war nach 45 Minuten Schluss – Rapp nahm ihn zur Pause vom Feld.

Im Zentrum, wo Schwab als ordnende Hand wirken sollte, kam Kiel in der ersten Halbzeit kaum zur Entfaltung. Statt das Spiel zu beschleunigen, wurde der Ball oft quer oder zurück gespielt – Passwege, die Bielefelds Pressing in die Karten spielten. Schwab selbst konnte nicht erklären, warum das Team so behäbig agierte: „Wir haben uns viel vorgenommen, wollten unbedingt punkten. Aber der Grundstein für Bielefeld war die erste Halbzeit mit dem 2:0. Wenn uns der Anschlusstreffer gelingt, geht vielleicht noch was – aber so war es einfach zu wenig.“

Besonders schwer wog, dass Kiel den bekannten Matchplan der Arminia – hohes Angriffspressing – nicht knackte. Schwab räumte ein: „Wir wussten, dass sie so spielen. Wir wollten flach lösen, den Ball in die letzte Linie bringen, dort sichern und nachrücken. Aber das haben wir nicht geschafft. Wir haben uns nicht schnell genug angepasst.“
Diese fehlende Anpassungsfähigkeit bezeichnete er als Kernproblem – und das nicht nur an diesem Nachmittag. Schon in Paderborn hatte Kiel lange gebraucht, um ins Spiel zu finden. Gegen Bielefeld kam die Reaktion erst nach der Pause – zu spät, um das Spiel zu drehen.

Die Rolle des „Lenkers“ im Mittelfeld bringt eine Erwartungshaltung mit sich: Ruhe ausstrahlen, die richtigen Pässe wählen, das Spiel lenken. Gegen Bielefeld gelang dies nicht. Schwab selbst machte keinen Hehl daraus, dass die Offensive zu harmlos war und gleichzeitig zu einfache Gegentore fielen: „Wenn wir vorne nicht gefährlich werden, dürfen wir uns hinten nicht so leicht ausspielen lassen. Dann bleibt ein Spiel länger offen.“
Doch statt die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu schließen, wirkte das Kieler Zentrum wie in einem permanenten Reaktionsmodus – getrieben vom Gegner, anstatt selbst das Tempo zu bestimmen.

Holstein Kiel steckt damit nicht nur im sportlichen Fehlstart, sondern auch in einer Personalfrage: Wer übernimmt in hitzigen Phasen die Verantwortung im Spielaufbau? Schwab hat noch nicht gezeigt, dass er diese Rolle in der 2. Liga sofort ausfüllen kann. Die Auswechslung zur Halbzeit gegen Bielefeld ist ein deutliches Signal – und macht das Pokalspiel in Homburg zur Bewährungsprobe.
Denn eins ist klar: Will Kiel die Balance im Mittelfeld finden, braucht es dort einen Motor, der nicht erst anspringt, wenn der Rückstand schon besteht – und seine eingewechselten Teamkollegen, aber auch Konkurrenten Jonas Therkelsen und Robert Wagner gehörten im zweiten Abschnitt zu den besten Holsteinern auf dem Platz. Wie wird sich Trainer Marcel Rapp in der nächsten Startaufstellung entscheiden?

Bericht und Bild: Ole Jacobsen.