„Ich werde mich hier null verstellen“: Jonas Meffert im NordKick-Interview

Nach seinem Wechsel zurück an die Kieler Förde ist Jonas Meffert sofort mittendrin statt nur dabei. Der 31-jährige Mittelfeldstratege, der vom Hamburger SV zur KSV Holstein zurückgekehrt ist, stand nach dem Trainingslager in Spanien erstmals wieder beim öffentlichen Training auf dem Platz – und suchte dabei direkt den Ball, das Spiel und die Verantwortung. Im Gespräch mit NordKick spricht Meffert über sein Wiederankommen in Kiel, den Teamspirit, den Abstiegskampf und darüber, warum er sich hier nicht verstellen will, sondern einfach das tun möchte, was er am besten kann: Fußball spielen.

Jonas, du bist jetzt wieder zurück in Kiel und hast heute dein erstes öffentliches Training absolviert. Wie fühlt sich das für dich an?
Jonas Meffert: Es fühlt sich einfach richtig gut an. Ich bin sehr, sehr froh, wieder hier zu sein und wurde extrem herzlich empfangen. Man merkt sofort, dass das hier etwas Besonderes ist. Ich habe viele Dinge vermisst – die Anlage, das Umfeld, das Stadion. Es hat sich hier vieles weiterentwickelt, vor allem positiv, und ich bin wirklich glücklich, wieder Teil davon zu sein.

Du bist direkt aus dem Trainingslager in Spanien hierhergekommen. Wie hast du diese erste intensive Zeit mit der Mannschaft erlebt?
Jonas Meffert: Das Trainingslager hat uns allen sehr gutgetan. Für die Jungs war es eine Phase, in der sie sich weiter gefestigt haben, für mich war es die perfekte Möglichkeit, direkt reinzukommen. Ich hatte sehr viel Kontakt zu den Spielern, wir hatten zwei Testspiele – dadurch lernt man sich viel schneller kennen, auch spielerisch. Ich fand das Trainingslager sehr gelungen.

Am Wochenende geht es direkt mit einem schweren Heimspiel gegen Paderborn los. Was erwartest du von diesem Start?
Jonas Meffert: Wir wollen einfach sofort Gas geben. Am Sonntag hier im eigenen Stadion mit den Fans – das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Unser Ziel ist klar: Wir müssen so schnell wie möglich Punkte holen. Das ist das Wichtigste, alles andere kommt danach.

Im Training hast du auffällig häufig den Ball gefordert und wolltest immer anspielbar sein. Fühlst du dich schon so angekommen, dass du diese Rolle einnehmen kannst?
Jonas Meffert: Ich werde mich hier null verstellen oder versuchen, jemand anderes zu sein. Ich weiß, was ich kann und was meine Stärken sind. Ich bin ein Spieler, der Fußball spielen will, der den Ball haben möchte, der mit Übersicht und Ruhe lenkt – und der defensiv hilft, clever zu verteidigen. Ich bin keiner, der mit großen Gesten oder Emotionen führt. Ich führe über Spielintelligenz, über Positionierung, über Ballbesitz. Und wenn die Jungs mir den Ball geben, nehme ich diese Verantwortung natürlich an.

Wie lange hast du gebraucht, bis du alle Namen drauf hattest?
Jonas Meffert: (lacht) Ich bin da nicht der Beste im Namen merken, aber das Trainingslager hat definitiv geholfen. Wenn man so intensiv zusammen ist, geht das schneller.

Wie würdest du die Trainingsqualität hier im Vergleich zu deiner Zeit beim HSV beschreiben?
Jonas Meffert: Es ist sehr intensiv und ein bisschen anders. Hier geht es extrem viel darum, Fußball zu spielen, den Ball zu haben, Lösungen zu finden. Das macht mir riesig Spaß. Man merkt, dass hier der spielerische Ansatz im Vordergrund steht – und das passt sehr gut zu mir.

Du kommst in eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt. Ist diese Rolle für dich neu oder vielleicht sogar eine Motivation?
Jonas Meffert: Ich kenne solche Situationen ehrlich gesagt nicht so häufig aus meiner Karriere, mit Ausnahme des letzten halben Jahres. Man sollte das nicht dramatisieren. Die Situation ist, wie sie ist – wir müssen Punkte holen. Ich sehe eine sehr talentierte Mannschaft. Wenn das Selbstvertrauen zurückkommt, bin ich überzeugt, dass hier richtig viel möglich ist.

Viele Fans verbinden mit deiner Rückkehr große Erwartungen. Spürst du diesen Druck?
Jonas Meffert: Überhaupt nicht. Ich weiß genau, was ich kann. Ich bin ein Spieler, der zuverlässig ist. Ich mache nicht mehr, als ich kann – aber auch nicht weniger. Genau so gehe ich hier rein.

Du hast in Kiel auch privat noch viele Verbindungen. Wie sehr hat das deine Rückkehr beeinflusst?
Jonas Meffert: Natürlich habe ich hier noch Kontakte, auch aus meiner früheren Zeit – auch wenn viele nicht mehr im Verein sind. Aber Kiel ist einfach ein Ort, zu dem ich eine Verbindung habe. Deshalb fühlt sich diese Rückkehr auch so besonders an.

Artikel und Bilder: Ole Jacobsen.

Neuzugang Jonas Meffert ist zurück auf dem Kieler Trainingsplatz in Projensdorf