Holstein Kiel taumelt in Hannover – „So kann man in der 2. Liga kein Spiel gewinnen“

Dritte Niederlage binnen neun Tagen – und diesmal über weite Strecken ohne echte Gegenwehr. Beim 1:3 in Hannover zeigte Holstein Kiel eine der schwächsten Saisonleistungen und musste sich einem klar überlegenen Gegner beugen.

Hannover überrollt Kiel in der Anfangsphase

Von Beginn an war zu spüren, wer dieses Spiel diktieren wollte. Hannover lief aggressiv an, gewann nahezu jeden zweiten Ball – und ließ Kiel schlicht nicht atmen. Die Gastgeber belohnten sich früh und legten wenig später nach. Lange Bälle, Tempo über die Außen, konsequentes Nachgehen auf zweite Bälle: Kiel bekam keinen Zugriff.

Was besonders auffiel: Die sonstige Zweikampfhärte und Kompaktheit der Störche war wie weggeblasen. Viele Duelle wurden halbherzig geführt, Abstände stimmten nicht, die zweite Linie kam zu spät. Zur Pause war das 0:2 aus Kieler Sicht fast noch schmeichelhaft.

Harres weckt kurz Hoffnung – Kontrolle aber bleibt aus

Nach dem Seitenwechsel verwaltete Hannover zunächst, ohne das letzte Risiko zu gehen. Kiel wirkte zwar etwas stabiler, aber weiterhin ohne echte Spielkontrolle. Dann der Moment, der noch einmal Hoffnung brachte: Phil Harres traf sehenswert per Linksschuss aus der Distanz zum Anschluss.

Doch statt eines echten Bruchs im Spiel blieb Hannover tonangebend. Kiel schaffte es nicht, Druckphasen zu erzeugen oder das Spiel strukturiert in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Viel lief über Zufall, zweite Bälle oder Einzelaktionen. Das dritte Gegentor nach einem Konter war folgerichtig.

Rapp: „Verdient verloren“

Trainer Marcel Rapp sprach nach der Partie Klartext. Die Anfangsphase sei schlicht zu schwach gewesen, Hannover habe immer wieder kontern können, am Ende stehe eine absolut verdiente Niederlage. Entscheidend: Kiel fand über weite Strecken weder kämpferisch noch spielerisch in die Partie.

Auch Jonas Meffert wurde deutlich. Von einer „scheiß Woche“ sprach der Mittelfeldspieler und betonte, wie wichtig es jetzt sei, als Team zusammenzustehen und das Spiel klar aufzuarbeiten.

Zweikämpfe, Haltung, Basics – alles unter Normalniveau

Phil Harres brachte es auf den Punkt: Man habe viel zu viele Zweikämpfe verloren, obwohl klar gewesen sei, was einen in Hannover erwartet. Genau hier liegt der Kern des Problems. Nicht nur spielerisch, auch in den Grundtugenden – Aggressivität, Körpersprache, Widerstandsfähigkeit – blieb Kiel unter seinem Anspruch.

Torhüter Timon Weiner, der den erkrankten Jonas Krumrey vertreten durfte, sprach von einer Leistung, mit der man in dieser Liga kein Spiel gewinnen könne. Gerade für eine junge Mannschaft sei es nun wichtig, aus solchen Tagen zu lernen.

Jetzt geht es um Reaktion, nicht um Ausreden

Tabellarisch wird die Lage ungemütlicher, aber entscheidend ist etwas anderes: Kiel muss schnell wieder zu seiner Identität finden. Kompaktheit, Intensität, klare Abläufe gegen den Ball – das war lange die Basis. In Hannover war davon wenig zu sehen.

Diese Niederlage ist kein Betriebsunfall mehr, sondern ein Warnsignal. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Mannschaft die mentale Stabilität besitzt, sich aus dieser Phase herauszuarbeiten.

Artikel und Archivbild: Ole Jacobsen.