Samstag, 15.30 Uhr, ausverkauftes Volksparkstadion. Der Hamburger SV empfängt 1. FC Union Berlin – und mit den Berlinern kehrt ausgerechnet Steffen Baumgart nach Hamburg zurück. Der frühere HSV-Coach, der sich einst selbst als Fan der Rothosen bezeichnete und unbedingt Trainer im Volkspark werden wollte, kehrt nun erstmals in den Volkpark zurück.
Die sportliche Ausgangslage: Der HSV steht mit 22 Punkten auf Rang elf, Union im gesicherten Mittelfeld. Für die Rothosen geht es weiter um Stabilität im Kampf um den Klassenerhalt.
Baumgart reagiert gereizt auf HSV-Fragen
Auf der Pressekonferenz in Berlin drehten sich die ersten Fragen direkt um seine Rückkehr nach Hamburg. Ob er sich freue, ob er „Bammel“ habe? Baumgart wirkte hörbar genervt. „Bundesligaspiel, emotionales Stadion, ausverkauft. (…) Ob ich Bammel habe? Das ist jetzt eine Frage, die muss ich nicht beantworten.“
Auch zum Kontakt nach Hamburg fiel die Antwort knapp aus: „Nein, gibt es nicht.“ Ein Austausch mit seinem Nachfolger? Ebenfalls Fehlanzeige. Statt Nostalgie sprach Baumgart lieber über die sportliche Herausforderung. Der HSV habe „sehr gute Einzelspieler“ und sei im Umschaltspiel besonders gefährlich. Man sehe, „dass sie sich immer besser in die Bundesliga reinfinden“. Sein Team müsse genau darauf achten.
Polzin krank – Fave übernimmt die PK
Beim HSV fehlte Cheftrainer Merlin Polzin krankheitsbedingt (Erkältung). Co-Trainer Loic Fave leitete die Pressekonferenz und gab leichte Entwarnung: „Ich gehe davon aus, dass er am Samstag dabei sein wird.“
Fave betonte vor allem eines: Geduld gegen Union. „Es wird ein Geduldsspiel. Union steht sehr kompakt, verteidigt klar strukturiert. Wir werden viel Ballbesitz haben, aber nicht zu vielen Torchancen bekommen.“
Geduld, Intensität – und die richtige Balance
Union ist ligaweit eines der Teams mit den niedrigsten Ballbesitzwerten. Fave erwartet daher eine Partie, in der der HSV das Spiel machen muss. Entscheidend werde sein, Umschaltsituationen sauber auszuspielen – schneller, mutiger, klarer. „Schneller sein in allem, mehr Personal auf die letzte Linie bringen – das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir erfolgreich sind.“
Auch das Thema Laufleistung wurde angesprochen. Fave relativierte: Nicht die reine Distanz sei entscheidend, sondern Intensität und Kontext. Gegen Union werde es vor allem um saubere Laufwege mit Ball gehen.
Konkurrenzkampf als Chance
Mit mehreren Rückkehrern verschärft sich intern der Konkurrenzkampf. Für Fave ein klarer Vorteil: „Ich bin ein riesen Fan von Konkurrenzkampf. Das merkt man sofort im Training. Das ist eine riesen Chance für uns“, sagt der Co-Trainer mit einem breiten Grinsen.
Gerade im Offensivbereich stehen verschiedene Profile zur Verfügung – flexibel einsetzbar, je nach Spielphase.
Fokus bleibt: Klassenerhalt
Trotz zuletzt ordentlicher Auftritte – etwa beim Sieg in Heidenheim oder beim überragenden Remis zu Hause gegen den FC Bayern – will man sich im Volkspark nicht von Zwischenständen blenden lassen. Der Abstand zum Relegationsplatz beträgt nur drei Punkte. „Alles andere wäre vermessen. Unser Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt.“
Emotionen wird es am Samstag trotzdem geben. Ausverkauftes Haus, Rückkehr eines Ex-Trainers – und ein HSV, der zeigen will, dass er in der Bundesliga endgültig so richtig angekommen ist.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
