Was für ein bitterer Abend für den Hamburger SV. Trotz einer überragenden ersten Halbzeit und einer verdienten 2:0-Führung musste sich der HSV am Ende bei Borussia Dortmund noch mit 2:3 geschlagen geben. Eine Partie mit zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten – und einem Ausgang, der aus Hamburger Sicht kaum schmerzhafter hätte sein können.
Eiskalter HSV nutzt Dortmunder Fehler
Die Anfangsphase gehörte zunächst den Gastgebern. Bereits in der 7. Minute tauchte Maximilian Beier nach einem Ballgewinn frei vor Daniel Heuer Fernandes auf, doch der HSV-Keeper rettete stark mit dem Fuß.
Danach übernahm der HSV zunehmend die Kontrolle – und schlug eiskalt zu. In der 19. Minute eroberte William Mikelbrencis auf der rechten Seite den Ball, schaltete blitzschnell um und bediente Philip Otele, der völlig frei zur 1:0-Führung vollendete. Es war bereits die fünfte Vorlage des rechten Außenverteidigers in dieser Saison.
Nur wenige Minuten später hätte Hamburg nachlegen müssen: Erst vergab Ransford-Yeboah Königsdörffer nach einem starken Umschaltmoment (24.), dann wurde ein weiterer Treffer wegen Abseits aberkannt (25.). Dortmund wirkte in dieser Phase völlig unsortiert – ungewöhnlich für die Mannschaft von Niko Kovač, der an der Seitenlinie sichtbar unzufrieden reagierte.
Sambi Lokonga erhöht – Dortmund wankt
Der HSV blieb dran und nutzte die nächste Unsicherheit der Dortmunder Defensive konsequent aus. In der 38. Minute traf Albert Sambi Lokonga nach einem erneuten Ballgewinn zum verdienten 2:0.
Kurz vor der Pause hatte Dortmund die große Chance zum Anschluss – doch Felix Nmecha vergab einen Elfmeter (44.), schoss links vorbei. Heuer Fernandes wäre ohnehin zur Stelle gewesen. Zur Halbzeit stand eine klare Erkenntnis: Der HSV führte hochverdient mit 2:0.
Dortmund erhöht den Druck
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild komplett. Dortmund kam mit deutlich mehr Tempo und Präsenz aus der Kabine. Nmecha (49.) scheiterte erneut an Heuer Fernandes, der mehrfach stark parierte. BVB-Trainer Niko Kovač stellte offensiv um, brachte zusätzliche Angreifer und erhöhte den Druck enorm. Der HSV hingegen zog sich zunehmend zurück und überließ den Gastgebern das Spiel – ein Fehler, wie sich noch herausstellen sollte.
Elfmeter bringen Dortmund zurück
In der 73. Minute fiel der Anschluss: Ramy Bensebaini verwandelte einen Foulelfmeter zum 1:2. Nur wenige Minuten später der nächste Rückschlag für den HSV. Nach einer wilden Szene im Strafraum traf Serhou Guirassy im Nachschuss zum 2:2 (78.). Dortmund war nun voll am Drücker – und der HSV fand kaum noch Entlastung.
Spiel kippt endgültig
In der 84. Minute dann die Entscheidung: Nach einem Handspiel von Miro Muheim zeigte der Schiedsrichter erneut auf den Punkt. Wieder trat Bensebaini an – und traf zum 3:2. Ein Spiel, das der HSV lange im Griff hatte, war komplett gedreht.
Heuer Fernandes verhindert Schlimmeres
In der Schlussphase verhinderte Heuer Fernandes mit mehreren starken Paraden sogar eine höhere Niederlage. Unter anderem entschärfte er in der Nachspielzeit eine Großchance von Guirassy. Die Statistik unterstreicht den Spielverlauf: Ein Expected-Goals-Wert von über 6 für Dortmund zeigt, wie groß der Druck im zweiten Durchgang war.
Fazit: Zwei Gesichter, ein bitteres Ende
Der HSV zeigte eine starke erste Halbzeit, nutzte Dortmunder Fehler konsequent und führte verdient. Doch nach der Pause fehlte die Entlastung, das konsequente Anlaufen, das Dortmund im ersten Abschnitt noch zu vielen langen Bällen zwang, statt zu einem kontrollieren, flachen und energischen Spielaufbau wie in der zweiten Halbzeit – und am Ende auch die Cleverness, da zwei der drei Elfmeter durch völlig unnötige Fouls in ungefährlichen Situationen zustande kamen.
Artikel und Archivbild: Ole Jacobsen.
