
Holstein Kiel kommt im Kellerduell der 2. Bundesliga weiter nicht vom Fleck. Beim 1:2 gegen den FC Schalke 04 kassierte die KSV vor 15.034 Zuschauern zwei Gegentreffer nach Standards, kämpfte sich nach der Pause zwar über den Elfmeter von David Zec zurück – ließ in der entscheidenden Phase aber zu viel liegen. Während Schalke mit dem ersten Sieg im Jahr 2026 zurück an die Spitze sprang, hängt Kiel nach der vierten Liga-Niederlage in Serie weiter tief im Tabellenkeller.
Schalke überrollt Kiel – und trifft zweimal nach Ecken
Schon die Anfangsminuten fühlten sich für die KSV wie ein Alarmzustand an. Schalke lief extrem hoch an, gewann früh Bälle, ließ Kiel in den ersten fünf, sechs Minuten kaum Luft zum Atmen. Kiel fand dann über John Tolkin kurz ins Spiel (8., Schuss, stark pariert) – doch die Druckwelle der Gäste blieb.
Die Führung war die logische Folge: Nach einer Ecke verlängerte Timo Becker per Kopf und Kapitän Kenan Karaman drückte das Ding über die Linie (16.). Schalke legte nach in der Folge nach: Wieder Ecke, wieder Chaos in der Kieler Box, diesmal verlängerte Edin Dzeko – und am zweiten Pfosten vollendete dieses Mal der aufgerückte Hasan Kurucay (29.). Zwei Standards, zwei Gegentore. Genau das, was Kiel in dieser Situation nicht gebrauchen konnte.
Nicht gegebenes Tor, verpasster Anschluss – Kiel wirkt verunsichert
Als Kiel endlich jubelte, war der Jubel schnell wieder eingefroren: Phil Harres traf per Kopf (31.), doch der Schiedsrichter nahm den Treffer zurück – wegen eines leichten Schubsers im Vorfeld. Eine Entscheidung, die im Stadion für ordentlich Wut sorgte. Sportchef Olaf Rebbe sprach später von einer „harten Entscheidung“ und betonte: „Das wäre schon wichtig gewesen in der ersten Halbzeit.“
Und trotzdem: Kiel wirkte in Durchgang eins in vielen Aktionen gehemmt, spielte auffällig oft lang, leistete sich ungewöhnlich viele technische Fehler. Jonas Meffert beschrieb es nach Abpfiff schonungslos: „Es ist auf jeden Fall ein scheiß Gefühl… viele sind extrem verunsichert.“ Gleichzeitig erklärte er, dass der Plan auch gewesen sei, „auf zweite Bälle zu gehen“ – weil der Druck nach den letzten Spielen spürbar war.
Marcel Rapp ordnete das ähnlich ein, ohne seine Mannschaft zu zerlegen: „Gegen Schalke ist es schwer, gepflegt hinten rauszuspielen. Die spielen sehr aggressiv nach vorne.“ Und doch blieb der Eindruck: Kiel kam mit Wucht und Rhythmus der Gäste lange nicht klar.
Der Elfmeter bringt Kiel zurück – plötzlich ist das Stadion da
Nach der Pause zunächst das gleiche Bild: Schalke kontrollierte den Ball, das Spiel lief viel in Richtung Kieler Hälfte. Dann aber der Wendepunkt: Jonas Therkelsen ging im Strafraum zu Boden, es gab Elfmeter – und David Zec verwandelte sicher zum 1:2 (55.).
Auf einmal war Stimmung im Stadion, auf einmal hatte Holstein Energie. Rapp sprach später davon, dass „mehr drin gewesen wäre“, weil Kiel „genug Chancen“ hatte, um mindestens auszugleichen. Und Kiel hatte sie tatsächlich: Jakubovics Abschluss aus der Distanz (58.), Karaman muss auf der anderen Seite eigentlich das 3:1 machen, scheitert aus kurzer Distanz am Kieler Keeper (64.), Harres frei im Strafraum, zieht am langen Pfosten vorbei (72.), Nekic nach Ecke per Kopf, doch Schalke klärt auf der Torlinie (74.)
In dieser Phase war Kiel dran. Nicht dauerhaft dominant, aber gefährlich genug, um das Spiel zu kippen. Genau deswegen fühlte sich die Niederlage so bitter an.
Standards und Details entscheiden – Kiel fehlt die letzte Klarheit
Unterm Strich blieb es das Spiel der Kleinigkeiten – und bei Kiel waren es erneut die großen Kleinigkeiten: Standards verteidigen, Chancen nutzen, Ruhe bewahren. Meffert sagte dazu: „Beim ersten Tor – wir wussten, dass sie gut sind bei Standard und beim zweiten passt es so ein bisschen zur Situation gerade.“
Rebbe wurde noch deutlicher: „Die Einschusschancen waren heute da, eigentlich einfach zu viele vergebene Chancen.“ Und: „Am Ende müssen die Elf das regeln. Das hätten sie heute machen können, haben sie aber nicht.“
Auch David Zec sprach von einem „anderen Gesicht“ als gegen Hannover – aber eben ohne Ertrag: „Wir haben heute ein anderes Gesicht gezeig, aber wir müssen aus den Chancen Tore machen.“ Er bestätigte zudem den Eindruck aus dem Stadion: „Die Mannschaft war sehr nervös, besonders in der ersten Halbzeit – sehr oft lange Bälle.“ Ein Faktor sei auch der Untergrund: „Der Platz war heute nicht gut. Es war schwer zu spielen.“
Rapp: „Deutlich bessere Mannschaft – aber das bringt nichts“
Rapp wollte nach dem Abpfiff genau dieses Spannungsfeld greifen: bessere Leistung, null Punkte. „Ich habe eine deutlich bessere Mannschaft gesehen als in den letzten zwei Spielen – aber trotzdem bringt’s nichts, weil wir verloren haben.“ Die Richtung stimme zumindest phasenweise, sagte er: „In der zweiten Halbzeit, desto länger, desto besser wurde es fußballerisch. Darauf können wir aufbauen.“
Meffert: „Wir müssen zusammenhalten“ – Fans geben Rückendeckung
In der Kurve gab es nach dem Spiel keine Abrechnung, sondern klare Botschaften. Meffert: „Sie haben ganz klar gesagt: zusammenhalten, kämpfen, Punkte holen.“ Auch Zec berichtete: „Die Ultras haben uns Unterstützung gegeben und gesagt: weitermachen.“
Was bleibt, ist eine Situation, die unangenehm ist – aber noch nicht endgültig. Kiel hat in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass es im Abstiegskampf nicht nur ums Überleben geht, sondern auch ums Spielen. Jetzt muss daraus endlich ein Ergebnis werden.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
