Hamburgs Torwart spricht nach dem 1:1 gegen Köln über das zähe Spiel, die taktische Ausrichtung, Fabio Vieiras Traumtor und seine eigene Zukunft
Der Hamburger SV hat sich im Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln mit einem 1:1 begnügen müssen. Es war kein glanzvoller Auftritt der Rothosen, aber immerhin ein weiterer Punkt im Kampf um den Klassenerhalt. Einer, der das Geschehen wie gewohnt nüchtern und klar einordnete, war Torwart Daniel Heuer Fernandes.
Im Gespräch nach der Partie sprach der Schlussmann über das inhaltlich überschaubare Spiel, die kontrollierte Herangehensweise beider Mannschaften, das Zaubertor von Fabio Vieira – und auch über seine persönliche Zukunft.
Herr Heuer Fernandes, wie fällt Ihr Fazit nach dem 1:1 gegen Köln aus?
Daniel Heuer Fernandes: „Das Ergebnis ist okay. Es war inhaltlich nicht unsere beste Leistung, aber es ist wieder ein Punktgewinn, den wir so mitnehmen. Natürlich werden wir in den nächsten Tagen ein paar Dinge analysieren, gerade im Hinblick auf das Passtempo und die Positionierung. Aber letztlich halten wir den Gegner auf Abstand, und ich glaube, für beide Mannschaften war heute auch nicht viel mehr drin.“
War es aus Ihrer Sicht ein Spiel, in dem beide Teams vor allem darauf bedacht waren, keine Fehler zu machen?
Daniel Heuer Fernandes: „Ja, absolut. Es war von beiden Seiten ein sehr kontrolliertes Spiel. Viel Kampf auf beiden Seiten, keiner wollte das letzte Risiko gehen. Deshalb kommt dann auch so ein Spiel zustande. Es stand Topspiel drauf, aber es war sicherlich kein Topspiel. Es war eben eine Partie, in der beide wussten, worum es geht.“
Der HSV hat heute phasenweise in einer Art 5-3-2 verteidigt, mit kompaktem Zentrum. Hat dieser Plan gegen den Ball funktioniert, aber vielleicht etwas vom Offensivspiel gekostet?
Daniel Heuer Fernandes: „Klar, wir haben dadurch schon ein paar Dinge gut wegverteidigt. Köln konnte vor allem nicht so oft die Tiefe bedrohen, das haben wir ordentlich verhindert. Das ist etwas, was du aus so einem Spiel mitnehmen musst: dass du eine kompakte, robuste Struktur gegen den Ball hattest. Natürlich hat man auch gesehen, dass wir offensiv nicht unser bestes Spiel gemacht haben. Wir sind nicht genug in die Halbräume gekommen, haben wenig Tiefe bedroht und hatten insgesamt nicht genug Tempo in unseren Aktionen. Aber das Tor fällt genau aus so einer Situation – mit einem Ball in die Tiefe. Deshalb war der Plan nicht völlig falsch.“
Das Führungstor war ein echtes Highlight. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie so ein Tor von Fabio Vieira sehen?
Daniel Heuer Fernandes: „Fabio sieht Dinge, die sehr wenige Fußballer sehen. Er kann Mitspieler in Szene setzen, aber eben auch selbst Lösungen finden, die andere gar nicht auf dem Schirm haben. Dass er den Ball in dieser Situation so verarbeitet und dann noch mit dieser Technik ins Tor hebt – das ist einfach außergewöhnlich. Da kann man dem Torwart keinen Vorwurf machen. Da bin ich einfach froh, dass ich mit ihm in einer Mannschaft spiele.“
Ist das so ein Tor, das nur ganz wenige Spieler überhaupt versuchen würden?
Daniel Heuer Fernandes: „Ja, absolut. Viele sehen die Situation vielleicht, aber nur ganz wenige haben dann auch die Technik und die Ruhe, das so umzusetzen. Fabio hat diese Qualität. Das ist schon besonders.“
Am Ende steht trotzdem nur ein Punkt. Überwiegt eher die Zufriedenheit oder eher das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre?
Daniel Heuer Fernandes: „Ich glaube, wir nehmen den Punkt mit. Klar wünschst du dir zu Hause immer mehr, aber wenn du so ein Spiel über 90 Minuten betrachtest, dann ist das schon in Ordnung. Gerade weil es wenige Torchancen gab, musst du als Torwart auch immer konzentriert bleiben. Eine Aktion kann dann entscheidend sein. Das war heute so – auf beiden Seiten.“
In der Nachspielzeit hatte der HSV nach seiner ersten Ecke noch einmal eine gute Möglichkeit. War da sogar noch der Sieg drin?
Daniel Heuer Fernandes: „Ja, klar, am Ende kann so ein Standard dann noch mal kippen. Aber genauso hatte Köln auch seine Situationen. Deshalb ist das Unentschieden am Ende schon okay.“
Sie selbst werden in letzter Zeit wieder häufiger im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft diskutiert. Wie nehmen Sie das wahr?
Daniel Heuer Fernandes: „Das bedeutet mir natürlich schon viel, weil es zeigt, dass die Leistungen gesehen werden. Wenn sich Fachleute wie Stefan Effenberg so äußern, freut mich das. Aber ich weiß auch, dass das nur über harte Arbeit kommt. Ich werde mich darauf nicht ausruhen, sondern mich weiter auf meine Leistungen konzentrieren.“
Sie haben Ihren Berater gewechselt – werden dennoch Vertragsgespräche geführt?
Daniel Heuer Fernandes: „Natürlich wird man sich zusammensetzen und Gespräche führen, aber das ist jetzt nichts, was ich groß kommentieren muss. Mein Fokus liegt voll auf meinen Leistungen. Für die anderen Dinge sind Berater und Verein zuständig.“
Interview und Bild: Ole Jacobsen.
