Ausverkauftes Haus, gute Stimmung vor dem Anpfiff – doch am Ende verließen die Zuschauer das Holstein-Stadion mit hängenden Schultern. 0:2 gegen Arminia Bielefeld, null Punkte nach zwei Spielen, und vor allem: eine erste Halbzeit, die intern wie extern für Kopfschütteln sorgt.
Dabei war das Drumherum zunächst vielversprechend: Die Ticketpreise waren gesenkt worden, das Stadion – wie quasi immer – ausverkauft. Überschattet wurde das Heimdebüt allerdings vom Ärger um die teuren Caterer-Preise – zwei Ultra-Gruppen riefen vorab zum Boykott der Wurstbuden auf und verteilten Becher, mit denen sich die Fans in den Sanitäranlagen mit Leitungswasser versorgen konnten.
Früher Bruch im Spiel
Was sportlich folgte, war ein Abbild des Paderborn-Spiels – nur diesmal vor eigenem Publikum. Kiel kam in den ersten 20 Minuten kaum aus der eigenen Hälfte, wirkte im Anlaufen unsauber, im Zentrum passiv, in den Zweikämpfen unterlegen. Trainer Marcel Rapp brachte es später auf den Punkt: „Es hat sich einfach nicht so angefühlt, wie wir spielen wollen. Wir waren zu behäbig, haben versucht, das Spiel zu beruhigen, anstatt selbst aktiv zu werden.“
Bielefeld nutzte die Passivität konsequent aus, ging nach einem Steckpass und Nachsetzen durch Bazee in Führung (22.) und legte per perfekt getretenem Freistoß von Handwerker nach (45.). Holsteins Offensivbemühungen beschränkten sich bis zur Pause auf einen Pfostentreffer von Steven Skrzybski – viel zu wenig, um dem Spiel eine andere Richtung zu geben.
Plan bekannt, Umsetzung mangelhaft
Brisant: Der Matchplan der Arminia war längst kein Geheimnis. Das aggressive Angriffspressing der Gäste war erwartet worden – und Kiel hatte sich darauf vorbereitet. Umso ernüchternder, dass es erneut nicht gelang, Lösungen zu finden.
„Wir wussten, was kommt. Aber wir haben keine guten Wege gefunden, die Pressinglinien zu überspielen. Und wenn wir mal den freien Mann hatten, haben wir den Angriff nicht zu Ende und stattdessen wieder zurück gespielt“, erklärte Rapp. Auch Neu-Führungsspieler Stefan Schwab, der im Zentrum viel Verantwortung trägt, aber bei weitem noch nicht überzeugen konnte, musste zugeben: „Wir haben es nicht geschafft, uns im Spiel anzupassen. Das ist dann einfach zu wenig.“
Aufbäumen nach der Pause – ohne Ertrag
Nach der Pause stellte Rapp um und brachte frische Kräfte. Plötzlich war Kiel präsent, spielte mutiger und kam zu einer Reihe klarer Chancen – doch weder Skrzybski, noch Harres oder Bernhardsson fanden den Weg ins Tor.
Bielefeld wurde in dieser Phase weit zurückgedrängt, half sich aber mit Disziplin und einem gut aufgelegten Torwart. Die Gelb-Rote Karte gegen Arminia-Keeper Kersken (70.) führte zu einer Kieler Schlussoffensive, die jedoch ohne Treffer blieb. „Wir haben nach der Pause ein gutes Spiel gemacht – aber mit der Hypothek der ersten Halbzeit ist es dann schwer, noch zurückzukommen“, so Rapp.
Mentale Komponente und offene Fragen
Dass Kiel erst nach einem Rückstand zu druckvollem Offensivspiel findet, beschäftigt Mannschaft und Verantwortliche gleichermaßen. Geschäftsführer Sport Olaf Rebbe sprach von einer „ersten Halbzeit, die so nicht passieren darf“ und erinnerte daran, dass Bielefeld kein Gegner sei, der unerreichbar ist: „Wir wollten dominant auftreten und pressen – das haben wir in der ersten Halbzeit nicht umgesetzt.“
Im Raum steht auch die Frage nach der mentalen Frische: Ist die Mannschaft nach dem Abstieg in die 2. Liga bereits im vollen Selbstvertrauen angekommen? Die Antwort fällt derzeit ernüchternd aus.
Personalnotiz und Ausblick
Nicht im Kader stand Armin Gigovic, der sich in konkreten Gesprächen mit einem anderen Verein befindet. Sein Wechsel dürfte zeitnah offiziell werden.
Für Holstein geht es am kommenden Sonntag im DFB-Pokal zum Regionalligisten FC Homburg – auf dem Papier eine Pflichtaufgabe. Doch Rapp weiß, dass Auftritte wie in den ersten 20 Minuten gegen Bielefeld auch dort gefährlich werden können: „Wenn wir so spielen wie nach der Pause, wird es ein gutes Spiel. Wenn wir so auftreten wie in der ersten Halbzeit, nicht.“
Bericht und Bild: Ole Jacobsen.
