Holstein Kiel vor Darmstadt: Innenverteidigung steht – Torwartposition offen

Holstein Kiel steht vor dem ersten Auswärtsspiel unter Tim Walter – und die Aufgabe könnte größer kaum sein: Darmstadt ist zuhause noch ungeschlagen, körperlich brutal präsent und bei Standards brandgefährlich. Walter macht daraus kein Drama, sondern bleibt bei seiner Linie: weniger Nebengeräusche, mehr Fokus auf das, was Kiel beeinflussen kann. „Es geht nur darum, einfach erfolgreich zu sein“, sagt der neue Holstein-Coach. „Und die drei Punkte wollen wir auch in Darmstadt holen.“

Dass Darmstadt bei Ecken und Freistößen zu den gefährlichsten Teams zählt, ist für Walter kein Geheimnis – aber eben auch kein Grund, in Ehrfurcht zu erstarren. Sein Ansatz: erst gar nicht in diese Situationen kommen, und wenn doch, maximaler Einsatz. „Du wirst nicht alles wegverteidigen können“, betont Walter. „Aber wenn wir diesen absoluten Willen und diese absolute Bereitschaft aufbringen, dann haben wir eine Möglichkeit.“

Nach der ersten vollen Trainingswoche unter ihm erwartet Walter keine Wunder – aber konkrete Schritte. Der nächste Entwicklungspunkt sei klar: mehr Dynamik, mehr Reaktion, mehr Intensität in den entscheidenden Momenten. „Es geht um mehr Beschleunigung, mehr Abbremsbewegungen, schnellere Reaktionen“, so Walter. „Schneller in die Zweikämpfe kommen, schneller agieren, schneller umschalten.“

Und: Statistiken interessieren ihn dabei wenig. „Es geht nicht darum, mehr zu laufen als der Gegner. Es geht darum, richtig zu laufen – und den entscheidenden Zweikampf zu gewinnen.“

Auch organisatorisch bleibt Walter pragmatisch. Keine Show, keine künstlichen Maßnahmen, kein vorzeitiges Anreisen, wie beim letzten Störche-Auswärtsspiel – vielmehr Routine und Normalität bis kurz vor Abfahrt. „Wichtig ist, dass die Jungs in ihren Abläufen sind, dass sie so lange wie möglich in ihrem eigenen Bett schlafen“, erklärt er. „Es geht nicht darum, Sachen zu fabrizieren, die kontraproduktiv sind.“

Fehlen wird Marko Ivezic (Gelbsperre) – sein Ersatz steht für Walter schon fest: Er baut auf Marco Komenda. Bei der Torwartfrage bleibt er bewusst offen: Timon Weiner habe es „sehr gut gemacht“, Jonas Krumrey trainiere ebenfalls stark – ein Wechsel sei grundsätzlich möglich.

Walter behandelt die Torwartposition von der Entscheidungsfindung her genauso wie eine Feldspielerposition: „Warum soll man beim Torhüter differenziert alles betrachten? Er ist auch nur einer von elf“, sagt Walter. Entscheidend sei auch das Gefühl für die Abwehr – „eine gewisse Symbiose“ müsse passen.

Positive Nachricht: Phil Harres ist wieder im Training und „einsatzbereit“ für Samstag.

Ob Darmstadt Aufstiegskandidat ist, ob Kiel Außenseiter – Walter weicht solchen Etiketten aus. Er bewertet nur das Gegenwärtige. „Ich bewerte nur das Jetzt und Hier“, sagt er. „Und damit bin ich wirklich zufrieden.“

Bleibt die Aufgabe klar umrissen: Kiel muss die Wucht des Gegners einschränken, selbst mutig bleiben – und endlich Zählbares einsammeln. Walter bringt es auf den Punkt: „Wir versuchen, mehr Tore zu erzielen als der Gegner – weil dann haben wir drei Punkte.“

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.