Holstein startet mit breiter Brust – Marcel Rapp vor dem Auftaktspiel gegen Paderborn

1.500 mitreisende Fans, ein klarer Anspruch und viele neue Gesichter: Holstein Kiel startet mit Rückenwind in die neue Zweitligasaison. Vor dem Auswärtsspiel beim SC Paderborn sprach Cheftrainer Marcel Rapp über die Zielsetzung, die Torwartfrage und das neue Selbstverständnis des Teams.

Der Gästeblock in Paderborn ist bereits ausverkauft. Rund 1.500 Holstein-Fans werden die Störche begleiten – ein starkes Zeichen. „Es ist toll zu sehen, dass wir wieder so einen tollen Support haben“, freute sich Marcel Rapp auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Auch abseits des Platzes ist die Vorfreude beim Coach spürbar: „Die Vorbereitungszeit ist die schönste Zeit im Jahr für einen Trainer. Man kann sich austoben, neue Spieler kennenlernen und seine Spielidee einbringen.“

Die Frage, wer am Samstag das Kieler Tor hüten wird, wird laut Rapp intern heute geklärt. „Wir werden uns heute entscheiden. Die Spieler werden es morgen erfahren.“ Zur Wahl stehen Neuzugang Jonas Krumrey und Timon Weiner, der nicht mehr im Kreise der potentiellen Kapitäne zu finden ist.

Mit dem SC Paderborn wartet zum Auftakt ein Gegner mit vielen Unbekannten. Das liegt auch am Trainerwechsel bei den Ostwestfalen. „Sie spielen intensiven Fußball, haben Bock zu spielen und rotieren viel. Es wird ein spannendes Spiel mit einigen neuen Gesichtern, die viel Potenzial haben“, so Rapp.

Leistungsträger Patrick Erras und Youngster Andu Kelati fallen weiterhin aus. Marco Komenda trainiert zwar wieder mit der Mannschaft, wird aber für Paderborn noch nicht zur Verfügung stehen. Hinter Neuzugang Stefan Schwab steht ein kleines Fragezeichen – ein Einsatz ist aber wahrscheinlich. Im Mittelfeld könnte Kasper Davidsen neben Schwab beginnen. Rapp nennt ihn einen „spannenden Spieler“, verweist aber auch auf andere Startelf-Kandidaten auf dieser Position.

Nach dem Bundesliga-Abstieg ist Holstein Kiel in der zweiten Liga plötzlich gefühlt Favorit. Rapp warnt jedoch vor einer falschen Erwartungshaltung: „Das ist der Fehler, wenn man so denkt. Wir sind ja nicht automatisch Favorit, nur weil wir mal in der Bundesliga waren.“ Es gebe Klubs in der Liga, die deutlich mehr investiert hätten – „das Mindset muss stimmen“.

Der Trainer zeigt sich aber selbstbewusst: „Unsere Brust ist in den letzten Jahren gewachsen. Wir haben ein gutes Umfeld und das Selbstvertrauen, talentierte Spieler weiterzuentwickeln. Unser Anspruch ist, in Paderborn zu gewinnen.“

Auf die Frage nach Saisonzielen gibt sich Rapp wie gewohnt sachlich. „Es gibt in der zweiten Liga zwei Ziele: Aufstieg oder nicht Abstieg. Dazwischen ist es langweilig.“ Der Fokus liegt darauf, die eigene Leistungsfähigkeit auszuschöpfen: „Nicht so viel reden, sondern machen.“ Im Team wachse das Verständnis füreinander, aber die Feinabstimmung brauche noch Zeit. Rapp: „Die Jungs lernen sich immer besser kennen.“

Zur neuen 8-Sekunden-Regel für Torhüter äußert sich Rapp positiv. „Wenn das konsequent umgesetzt wird, macht es das Spiel schneller.“ Ähnliche Regelungen wünscht er sich auch für Einwürfe. Grundsätzlich plädiert der Trainer für klare Linien: „Wenn Regeln nicht eingehalten werden, braucht man auch keine Regeln.“ Die neue Praxis, ab dem 9. Spieltag Entscheidungen über Stadionlautsprecher zu erklären, begrüßt Rapp ebenfalls: „Das nimmt Emotionen raus.“ Zudem regt er ein Austauschformat zwischen Schiedsrichtern und Trainern nach dem Spiel an – um Entscheidungen zu reflektieren.

Die Vorfreude auf den Start ist groß – auch bei Rapp selbst. „Ich bin Trainer, aber auch Fan. Ein Pflichtspiel hat immer eine besondere Stimmung.“ Einen hohen Stellenwert misst er auch dem Auftaktspiel bei. „Ein Sieg macht vieles leichter“, sagt er – weiß aber auch: „Es ist und bleibt nur ein Spiel.“

Bericht und Bild: Ole Jacobsen.