13 Tore in der Hinrunde, erst 47 Minuten bei Holstein: Warum Kjell Knaak noch auf seinen Durchbruch wartet
Kjell Knaak gehört weiterhin zu den auffälligsten Offensivspielern der laufenden Oberliga-Saison – zumindest statistisch. Mit 13 Treffern aus der Hinrunde für den MTSV Hohenwestedt steht der Angreifer noch immer auf Platz zwei der Torjägerliste. Doch seit seinem Wechsel zur U23 von Holstein Kiel in der Winterpause ist es ruhiger geworden um den Stürmer.
Gerade einmal 47 Einsatzminuten stehen bislang zu Buche, ein Tor im Holstein-Trikot fehlt noch. Ein Umstand, der Fragen aufwirft – und den Knaak selbst sehr reflektiert einordnet.
Schwieriger Start: Krankheit und fehlende Vorbereitung
Der Einstieg bei den Störchen verlief alles andere als optimal. Der Offensivspieler musste direkt zu Beginn einen Rückschlag hinnehmen. „Der Start war etwas durchwachsen, weil ich in der Vorbereitung drei Wochen krank war“, erklärt Knaak. „Zudem konnte ich aufgrund meines Kreuzbandrisses die Einheiten in der Soccerhalle nicht mitmachen. Dadurch habe ich leider einiges verpasst.“
Gerade in einer Phase, in der es darum geht, sich in ein neues Team zu integrieren, war das ein klarer Nachteil. Umso wichtiger war es für ihn, Schritt für Schritt zurückzukommen. „Mittlerweile komme ich aber immer besser rein und bin auch wieder voll im Training.“
Neue Realität: Mehr Konkurrenz, weniger Spielzeit
Der Wechsel von Hohenwestedt zu Holstein bedeutet für Knaak nicht nur einen sportlichen Schritt nach oben, sondern auch eine völlig neue Situation im Alltag. „Für mich hat sich vor allem die Tagesstruktur stark verändert. Es ist schwieriger geworden, mein Studium neben dem Trainingsbetrieb wahrzunehmen.“
Auch sportlich ist die Umstellung spürbar. Der Konkurrenzkampf ist deutlich intensiver als zuvor – und die Einsatzzeiten entsprechend begrenzt. „Der Konkurrenzkampf war mir von Anfang an bewusst“, sagt Knaak. „Ich sehe das aber positiv, weil er mich besser machen kann.“
Dass er aktuell noch nicht die gewünschte Rolle spielt, führt er vor allem auf seine verpasste Vorbereitung zurück. „Das hängt auch mit meiner schwierigen Vorbereitung zusammen. Das ist für mich in Ordnung – aber natürlich möchte ich der Mannschaft in Zukunft mehr helfen und hoffentlich auch Tore beisteuern.“
Körper, Belastung und Entwicklung im Fokus
Ein weiterer Faktor ist die veränderte Trainingsbelastung. Auch der Wechsel teilweise auf Kunstrasen bringt neue Herausforderungen mit sich. „Die Belastung ist noch einmal eine andere. Deshalb stehe ich in engem Austausch mit dem Trainerteam, um meinen Körper entsprechend anzupassen. Das steuern wir gemeinsam sehr gut.“ Diese bewusste Herangehensweise zeigt: Bei Knaak geht es aktuell nicht um kurzfristige Erfolge, sondern um nachhaltige Entwicklung.
Keine Zahlen, kein Druck – aber klare Ziele
Trotz seiner Torquote aus der Hinrunde verzichtet der Stürmer bewusst auf konkrete Zielvorgaben. „Ich setze mir keine festen Zahlen wie eine bestimmte Toranzahl. Am wichtigsten ist, gesund zu bleiben und gemeinsam mit dem Team erfolgreich zu sein.“ Eine Aussage, die für einen Spieler mit seiner bisherigen Trefferquote durchaus bemerkenswert ist – und gleichzeitig zeigt, wie realistisch Knaak, der als Kindheitsidole Mesut Özil und Miroslav Klose benennt, seine aktuelle Situation einschätzt.
Vom Torjäger zum Herausforderer
Noch vor wenigen Monaten war Knaak einer der dominantesten Offensivspieler der Oberliga. Jetzt befindet er sich in einer Rolle, die für viele junge Spieler ein entscheidender Entwicklungsschritt ist: vom Leistungsträger zum Herausforderer. Dass er diesen Weg bewusst annimmt, unterstreicht seine Haltung. „Ich möchte das Beste aus mir herausholen.“
Fazit: Geduld statt Druck
Kjell Knaak steht aktuell sinnbildlich für viele Winter-Neuzugänge: großes Potenzial, starke Vergangenheit – aber noch nicht vollständig angekommen im neuen Umfeld. Die Voraussetzungen sind da. Die Quote aus der Hinrunde spricht für sich. Jetzt geht es darum, sich Schritt für Schritt in der neuen Mannschaft festzuspielen. Oder anders gesagt: Der Torjäger wartet noch auf seinen Moment.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
