John Tolkin setzt mit neuer Frisur auf frische Energie

Mit neuer Frisur, frischer Energie – und einem klaren Blick auf die Realität. Der smarte US-Nationalspieler John Tolkin präsentierte sich nach dem öffentlichen Training von Holstein Kiel gut gelaunt, aber auch sehr reflektiert über die aktuelle Situation des Zweitligisten.

Der sympathische Linksverteidiger sprach über den Trainerwechsel, die schwierige sportliche Lage – und über die Verantwortung innerhalb der Mannschaft.

Dass Tolkin mit einer neuen Frisur auf dem Trainingsplatz erschien, hatte durchaus Symbolcharakter. „Für viele Spieler ist ein neuer Haarschnitt auch so etwas wie ein kleiner Neustart“, sagte der US-Amerikaner schmunzelnd. „Man fühlt sich gut und bekommt neue positive Energie.“

Der 23-Jährige hatte seinen Look in der Vergangenheit häufiger verändert – auch abhängig von der sportlichen Situation. „Ich habe das meine ganze Karriere über gemacht. Vielleicht gefällt es euch, vielleicht auch nicht – aber ich bin bereit für die Woche“, sagte er mit einer Portion Humor.

Deutlich ernster wurde Tolkin, als es um die Veränderungen im Team seit der Ankunft von Trainer Tim Walter ging. „Tim hat viel neue, positive Energie gebracht“, erklärte Tolkin. „Wenn ein neuer Trainer kommt, passiert das oft automatisch.“ Besonders schätzt der US-Nationalspieler die offene Art des Coaches: „Er ist sehr direkt und ehrlich. Er kritisiert dich, aber er greift nie den Spieler als Person an. Er will dir helfen.“ Diese Klarheit komme in der Mannschaft gut an. „Ich glaube, jeder in der Gruppe schätzt diese Ehrlichkeit.“

Für Tolkin war die vergangene Trainingswoche auch aus einem anderen Grund besonders. Miguel D´Agostino (Co-Trainer der US-Nationalmannschaft) war vor Ort, um sich Training und Umfeld anzuschauen. „Es war schön, ein vertrautes Gesicht zu sehen“, sagte Tolkin. „Er hat sich das Training angeschaut, mit den Trainern gesprochen und ein paar Jungs aus der Mannschaft kennengelernt.“

Langfristig hat der Linksverteidiger ein klares Ziel vor Augen: die Teilnahme an der Fußball WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Doch aktuell denkt er vor allem an etwas anderes: „Mein erstes Ziel ist es, am kommenden Wochenende zu gewinnen.“

Die Situation bei Holstein Kiel beschreibt Tolkin offen – ohne Ausreden: „Die Realität ist, dass wir gewinnen müssen“, sagte er. „Man kann jetzt nicht an die Weltmeisterschaft im Juni denken.“

Gerade für Spieler mit internationalen Ambitionen sei die Lage nicht einfach. „Natürlich ist es schwierig, wenn du persönliche Ziele hast und die Mannschaft verliert. Aber wenn das Team gewinnt, profitieren alle Spieler individuell.“

Ein Thema war auch die Gelb-Rote Karte von Stürmer Marcus Müller am vergangenen Wochenende. Tolkin stellte sich demonstrativ hinter seinen Teamkollegen. „So etwas passiert im Fußball“, sagte er. „Niemand wird ihn dafür fertig machen.“

Gerade jetzt brauche die Mannschaft Zusammenhalt: „Wir brauchen ihn für den Rest der Saison. Wir legen alle den Arm um ihn.“ Müller selbst wisse, dass die Situation unglücklich gewesen sei: „Er weiß, dass es vielleicht nicht die klügste Aktion war. Aber er lernt daraus.“

Tolkin weiß, dass die aktuelle Situation auch für die Fans schwer zu ertragen ist. Trotzdem hofft er auf Unterstützung von den Rängen. „Wir Spieler sind unsere größten Kritiker selbst“, erklärte er. „Die Unterstützung hilft uns mehr als Negativität.“ Die Botschaft des US-Amerikaners ist klar: „Jetzt brauchen wir die Fans hinter uns, damit wir die Ziellinie gemeinsam erreichen.“

Auch taktisch hat sich für Tolkin unter dem neuen Trainer etwas verändert. Seine Rolle ist defensiver geworden. „Unter Tim ist meine Aufgabe etwas defensiver als zuvor“, erklärte er. „Das bedeutet für mich vor allem, meine defensiven Duelle zu gewinnen.“

Offensiv könne er weiterhin Akzente setzen – nur auf eine andere Art. „Jeder von uns muss jetzt seinen Teil beitragen“, sagte Tolkin. „Ich muss meine Verantwortung übernehmen und den Jungs neben mir helfen – und sie müssen das Gleiche tun.“

Eines ist dem US-Amerikaner dabei besonders wichtig: Die Mannschaft hat die Situation verstanden. Und sie weiß, was jetzt zählt.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.