
Nach der 0:2-Niederlage von Holstein Kiel bei SV Darmstadt 98 versuchte Kiel-Trainer Tim Walter auf der Pressekonferenz am Böllenfalltor vor allem eines: Optimismus zu verbreiten. Und das mit einer Wortwahl, die durchaus für ein kleines Schmunzeln sorgen konnte.
Denn obwohl Walter erst rund anderthalb Wochen im Amt ist, formulierte er bereits sehr deutlich, wie er über seine Mannschaft denkt: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich meine Mannschaften liebe.“ Ein großes Wort – gerade für eine Beziehung, die sportlich betrachtet noch sehr jung ist.
„Wir haben es Darmstadt einfacher gemacht“
Sportlich gesehen war die Analyse des Kieler Trainers relativ klar. Die frühe Gelb-Rote Karte habe das Spiel maßgeblich beeinflusst. „Wir haben es euch ein bisschen einfacher gemacht, weil wir gedacht haben, wir spielen das Spiel heute zu zehnt“, sagte Walter mit einem Hauch Selbstironie in Richtung Darmstädter Trainer Florian Kohfeldt.
Bis zu diesem Zeitpunkt, so Walters Eindruck, sei Kiel sogar das bessere Team gewesen:
„Wir müssen eigentlich in Führung gehen. Danach war es dann einfach schwer – viel Arbeit, viel Verteidigen.“ Trotz der Niederlage stellte sich der Trainer demonstrativ vor seine Mannschaft: „Ich kann meiner Mannschaft gar keinen Vorwurf machen. Ich bin mit ihr sehr zufrieden – bis auf das Resultat.“
Chancen sind da – nur die Tore fehlen
Ein Problem begleitet Holstein allerdings weiterhin: die Chancenverwertung. Auch in Darmstadt ließ Kiel früh eine große Möglichkeit liegen. Walter sieht darin jedoch keinen strukturellen Makel: „Entscheidend ist, dass wir in diese Situationen kommen.
Dass seine Mannschaft sich Chancen erspielt, wertet er als Fortschritt. „Letzte Woche haben wir getroffen, diese Woche nicht.“ Der Rest sei eine Frage von Überzeugung – und vielleicht auch ein bisschen Glück.
Walter schützt seine Spieler
Auch nach dem Platzverweis stellte sich der Trainer demonstrativ hinter seinen Spieler Marcus Müller. „Fehler passieren. Emotionen gehören zum Fußball dazu“, erklärte Walter. Der Spieler habe sich intern entschuldigt. „Wir sind eine Mannschaft. Fußball ist kein Einzelsport.“
Fans, Frust und ein Trainer als Schutzschild
Nach dem Spiel gab es im Gästeblock unterschiedliche Reaktionen – viele Fans feierten die Mannschaft trotz Niederlage, einige äußerten auch deutlichen Frust. Walter reagierte darauf mit einer klaren Haltung: „Wenn ich sehe, dass meine Mannschaft alles dafür tut, stelle ich mich wie ein Löwe vor meine Herde.“ Kritik könne sich gern an ihn richten – nicht an die Spieler.
Tabelle? Interessiert Walter nur begrenzt
Holstein steckt weiterhin tief im Tabellenkeller der 2. Bundesliga. Doch Walter wollte davon auf der Pressekonferenz wenig wissen. „Wir haben noch genug Spiele.“ Wichtiger seien für ihn die Entwicklung und die Erkenntnisse aus den Spielen: aggressives Gegenpressing, kurze Abstände und der Wille, Fußball zu spielen.
Ob das im Abstiegskampf reicht, wird sich zeigen. Optimismus jedenfalls bringt der neue Kieler Trainer reichlich mit – und offenbar auch schon eine Menge Zuneigung für seine Mannschaft. Eine Frage bleibt: Kann es wirklich Liebe sein?
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
