
Drei Niederlagen binnen einer langen Woche – zweimal Liga, einmal Pokal. Für Holstein Kiel ist die Stimmungslage vor dem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 am Sonntag alles andere als entspannt. Während die Gäste zwar Tabellenzweiter der 2. Bundesliga sind, zuletzt aber ebenfalls fünf Spiele in Serie nicht gewinnen konnten, stehen die Störche vor einer richtungsweisenden Partie.
Schalke reist zudem mit reichlich Story im Gepäck an: Mit Finn Porath und Timo Becker kehren zwei Ex-Kieler an die Förde zurück. Und vorne wirbelt mit Edin Dzeko ein echter Hochkaräter, der mit 39 Jahren nichts von seiner Torgefahr verloren hat – drei Treffer in seinen ersten drei Spielen sprechen eine klare Sprache.
Angespannte Stimmung und klare Worte
Nach der Niederlage in Hannover war die Stimmung rund um die KSV angespannt. Marcel Rapp sprach von zwei „unschönen Tagen“, in denen das Spiel klar aufgearbeitet wurde. Klare Worte seien gefallen, ohne dabei das Maß zu verlieren. Für ihn sei entscheidend, den Spielern ehrlich zu spiegeln, was gut war – und was eben nicht.
Jetzt richtet sich der Fokus komplett auf Schalke. Rapp macht keinen Hehl daraus, dass die Mannschaft weiß, wie ernst die Lage ist. Die Trainingswoche soll intensiv genutzt werden, um die nötige Reaktion zu zeigen. Lautstärke und Engagement auf dem Platz wertet er als gutes Zeichen: Die Spieler seien bereit, sich der Situation zu stellen.
Zwischen Selbstkritik und Zusammenhalt
Die jüngsten Rückschläge ordnet Marcel Rapp differenziert ein. Das Pokalspiel gegen Stuttgart bewertet er weiterhin als ordentliche Leistung, die Ligaauftritte dagegen deutlich kritischer. Besonders die Partie gegen Fürth wirkt nach. „Das Fürth-Spiel hängt einfach nach, weil wir alle einen anderen Anspruch haben“, sagt der Trainer offen. Gegen Hannover sei die Leistung dann erneut nicht gut gewesen – das müsse man klar benennen.
Gegenwind sei für ihn jedoch Teil des Geschäfts. „Wenn man gewinnt, muss man bei sich bleiben. Wenn man verliert, muss man bei sich bleiben“, erklärt Rapp. Er nimmt die Verantwortung klar an: „Wenn wir es nicht hinkriegen, gut zu spielen, dann muss ich Dinge besser machen. So nehme ich meinen Job wahr.“
Ausreden will er keine gelten lassen. Die Situation sei schwierig, aber Jammern bringe nichts – entscheidend sei, Lösungen zu finden und als Mannschaft zusammen durch diese Phase zu gehen.
Offensive weiter Baustelle
Ein Thema begleitet die Störche weiterhin hartnäckig: die Chancenverwertung. Und ja – es nervt. „Natürlich nervt das“, sagt Rapp ehrlich. Trotzdem warnt er davor, alles über einen Kamm zu scheren: „Jedes Spiel ist unterschiedlich, jedes Spiel hat andere Herausforderungen.“
Klar sei aber auch: „Gegen Fürth und Hannover muss einfach mehr kommen.“ Die Erwartungen an die Offensivspieler seien intern deutlich formuliert worden, die Gespräche offen und selbstkritisch geführt. Rapp betont, dass er bei seinen Spielern trotz allem großen Willen sieht: „Die Jungs wollen Gas geben, die wollen gewinnen. Die sind enttäuscht, wenn es nicht so läuft.“
Durch die Ausfälle seiner erfahrensten Stürmer Steven Skrzybski und Alexander Bernhardsson rückt nun die junge Garde stärker in den Fokus. „Das ist natürlich ein herber Verlust, aber das bringt ja nichts, darüber zu klagen“, sagt Rapp. Stattdessen sieht er die Chance: „Jetzt ist es die Möglichkeit für die Jungs, sich zu zeigen.“ Potenzial sei vorhanden – nun gehe es darum, es auf den Platz zu bringen.
Torwartfrage offen, Fokus klar
Im Tor könnte es eine spannende Entscheidung geben. Beide Keeper hätten ihre Sache gut gemacht, Rapp wolle die Trainingswoche abwarten. Eine Grundsatzdiskussion sei es nicht – eher ein Zeichen, dass die KSV auf dieser Position solide besetzt ist. Fakt ist aber, dass Stammtorwart Jonas Krumrey seinen Magen-Darf-Infekt überstanden hat und wieder voll mit trainieren konnte. Sollte er bei hundert Prozent seiner Kraft sein, ist davon auszugehen, dass er ins Tor zurück kehren wird.
Emotionales Wiedersehen, sportliche Priorität
Das Wiedersehen mit Porath und Becker sieht Rapp sportlich. Nach dem Spiel sei vielleicht Zeit für ein paar Worte, während der Partie zähle nur der Wettbewerb. Beide seien im Guten gegangen – nun stehen sie auf der anderen Seite.
Alles auf Reaktion
Die Ausgangslage ist klar: Kiel braucht Punkte – und ein Signal. Gegen einen großen Namen, vor heimischer Kulisse. Rapp setzt auf Zusammenhalt, Klarheit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Oder anders gesagt: Es ist an der Zeit abzuliefern.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
