
Niklas Niehoff ist einer der sichtbaren Gewinner der jüngsten taktischen Anpassungen bei Holstein Kiel. Unter Trainer Marcel Rapp hat sich seine Rolle spürbar verändert – und damit auch seine Einsatzzeiten. In den letzten beiden Partien stand der 21-Jährige in der Startelf, zuletzt durfte er in Bielefeld sogar über die vollen 90 Minuten ran. Vor der Winterpause war er eher Herausforderer, nun ist er mittendrin. Und das ausgerechnet auf Kosten seines WG-Mitbewohners Lasse Rosenboom – zumindest zeitweise.
Offensivere Ausrichtung spielt ihm in die Karten
Beim öffentlichen Training sprach Niehoff offen über die Veränderungen. Dass ihm die Systemumstellung entgegenkommt, ist offensichtlich. „Ich habe ja vorher schon eher offensiv gespielt und gesagt, dass ich die Schienenposition offensiv ausleben will. Ich bin nicht der, der sich den Ball ständig hinten abholt – ich will vorne Aktionen haben.“
Die neue Interpretation der Rolle passt zu seinem Profil, dennoch bleibt Niehoff frei von Ansprüchen. Ob klassisch auf der Schiene oder etwas höher, ist für ihn zweitrangig: „Ist mir ehrlich gesagt egal, wo genau ich spiele. Beides liegt mir.“
Konkurrenzkampf in der WG – aber ohne Spannungen
Besondere Würze bekommt die Situation durch seine Wohnsituation: Niehoff teilt sich eine WG mit Lasse Rosenboom, der zuletzt auf der Bank Platz nahm. „Ich glaube, da muss schon einiges passieren, dass die Stimmung bei uns in der WG kippt. Das ist absolut harmonisch. Wir gönnen beide jeweils dem anderen alles.“
Der Konkurrenzkampf wird sogar positiv genutzt. „Wenn einer auf der Bank sitzt, sagt er dem anderen sogar noch, worauf er achten soll. Und wenn gewechselt wird, dann umgekehrt. Wir können uns beide alles sagen und gönnen uns gegenseitig Spielzeit.“ Am lieben wollen die beiden natürlich sogar zusammen auf dem Rasen stehen, wie zuletzt schon in Bielefeld für ein paar Minuten.
Auch Trainer Marcel Rapp bewertet das Miteinander als förderlich: „Die Zeiten sind vorbei, wo Konkurrenten sich im Training Blödsinn antun. Die verstehen sich super, sind befreundet. Jeder will spielen, jeder gibt Gas.“ Zudem lobt der Coach die Entwicklung Niehoffs.
Selbstkritik nach Bielefeld
Sportlich blickt Niehoff selbstkritisch auf das 2:2 in Bielefeld zurück. „Wir dürfen das Spiel eigentlich nie so aus der Hand geben. Nach der Roten Karte ist das Spiel komplett gekippt. Wir haben nichts mehr mit dem Ball gemacht und uns nur noch hinten reindrücken lassen.“
Trotzdem versucht er, den Punkt einzuordnen: „Wenn vorher jemand gesagt hätte, wir nehmen einen Punkt mit, hätten wir vielleicht gesagt: okay. Aber nach dem Spiel ist man erst einmal enttäuscht.“
Fokus klar auf Klassenerhalt
Tabellarisch gehe es für Kiel weiter darum, Abstand nach unten zu schaffen. Niehoff zieht Parallelen zu seiner Zeit in Osnabrück: „Da waren wir auch lange unten drin und haben in der Rückrunde einen Lauf bekommen. Aber erst einmal müssen wir vom Tabellenkeller wegkommen. Die Tabelle ist extrem eng.“
Das Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart schwingt im Hinterkopf mit, steht aber nicht im Mittelpunkt. „Klar denkt man daran, das ist ein Highlight-Spiel. Aber erstmal zählt das Wochenende in der Liga.“ Vom Traum Berlin will er noch nichts wissen: „Darüber reden wir erst, wenn wir wirklich da sind.“
Bodenständig trotz Aufschwung
Auch abseits des Platzes bleibt Niehoff locker – etwa beim Thema Padel-Tennis, das intern offenbar für kleine Duelle sorgt. „In der Winterpause habe ich viel gespielt, da habe ich mich schon verbessert. Aber ich sage nicht, dass ich der Beste aus der Mannschaft bin.“ Dabei verweist er ganz klar auf Routinier Stefan Schwab.
Sein eigenes Standing sieht er unverändert: „Ich versuche einfach, ich selbst zu bleiben. Ich habe vorher schon viel geredet in der Kabine. Da hat sich nicht viel verändert.“
Vom Herausforderer zum Startelfspieler – Niehoff hat sich seinen Platz erarbeitet. Leise, aber wirkungsvoll. Und vielleicht steht er am kommenden Wochenende durch die Sperre von Ivan Nekic sogar mit WG-Kumpel Rosenboom zusammen in der Startelf.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
