Am Sonntag steht für Holstein Kiel nicht nur das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal an, sondern auch eine besondere Rückkehr: Phil Harres läuft mit den Störchen ausgerechnet im Stadion seines Ex-Vereins FC Homburg auf. Viele KSV-Fans fordern schon länger einen echten Mittelstürmer im Angriffsspiel – und sehen in Harres genau diesen Spielertypen. Die Chancen auf seinen ersten Startelfeinsatz in dieser Saison stehen so gut wie noch nie.
„Die Freude ist groß – aber wir müssen gewinnen“
Für Harres ist es ein Wiedersehen mit vielen vertrauten Gesichtern. „Ich freue mich einfach, die Leute wiederzusehen, mit denen ich früher jeden Tag zusammen war – und natürlich auch auf das Stadion. Die Freude ist groß, aber ich weiß auch, dass wir gewinnen müssen“, sagt der 23-Jährige.
Ob er von Beginn an auflaufen wird, weiß er nicht. „Die Freude ist nicht größer als sonst. Natürlich spielt man am liebsten von Anfang an, aber am Ende stellt der Trainer auf. Wenn ich nicht starte, dann werde ich eben eingewechselt und gebe Gas. Ich bin dankbar für jede Minute, die ich bekomme – gerade weil ich vor einem Jahr noch Regionalliga gespielt habe.“
Vom Traumstart zum Geduldsspiel
Harres’ Entwicklung in Kiel verlief ungewöhnlich: In der vergangenen Hinrunde schlug er als Neuzugang aus Homburg sofort ein, erzielte in den ersten zehn Spielen sieben Tore – eine Quote, die kaum zu halten war. „Das war wie ein Fiebertraum, ich hätte nie gedacht, dass es so läuft“, blickt er zurück. In der Rückrunde saß er häufiger auf der Bank, und auch in den ersten beiden Spielen dieser Saison kam er nur als Joker.
Seinen Marktwert verfolgt Harres nur am Rande. „Man kriegt es mal mit, wenn ein Update kommt und in der Kabine ein paar Späße gemacht werden. Aber ich schaue da nicht täglich drauf. Das ändert ja nichts an meiner Leistung auf dem Platz.“
Mehr Zielspieler-Präsenz im Sturm?
Kiels Offensive wirkte in der bisherigen Saison oft harmlos. Gegen Bielefeld brachte Rapp Harres nach einer schwachen ersten Halbzeit – gemeinsam mit Jonas Therkelsen und Robert Wagner. Die Folge: deutlich mehr Offensivdruck, viele Chancen, wenn auch kein Tor.
Ist ein klassischer Stoßstürmer wie Harres also der fehlende Puzzleteil? „Es kann auf jeden Fall hilfreich sein, wenn man jemanden hat, der Bälle vorne festmacht, ablegt und so Angriffe weiterträgt. Gerade wenn man vom eigenen Drittel ins letzte Drittel kommt, kann das eine wichtige Option sein. Aber es ist nicht der einzige Weg, um nach vorne zu spielen“, sagt Harres.
Erinnerungen an den Pokal mit Homburg
Das Homburger Waldstadion kennt Harres gut – auch aus besonderen Momenten. Im DFB-Pokal wurde er dort eingewechselt und erzielte wichtige Tore. „Vorletzte Saison beim FC Homburg war es oft so, dass ich von der Bank kam und traf – in der Liga und im Pokal. Der Trainer hat da auch mal Späße gemacht: Wenn du von Anfang an spielst, triffst du nicht“, erzählt er schmunzelnd.
Seinen Ex-Verein beschreibt Harres als ambitionierten Regionalligisten mit guter Infrastruktur: „Die wollen seit Jahren aufsteigen, haben ein schönes Stadion und die Bedingungen sind da. Es hat aus verschiedenen Gründen noch nicht geklappt, aber sie haben immer individuelle Qualität, auf die man aufpassen muss.“
„Man freut sich, die Jungs wiederzusehen“
Fünf ehemalige Mitspieler stehen noch im Homburger Kader, der Kontakt ist zu ein, zwei von ihnen enger geblieben. „Nach der Auslosung haben wir kurz geschrieben und ein bisschen gestichelt. Das macht das Spiel natürlich noch spezieller“, sagt Harres. Auch seine Familie wird vor Ort sein, wenn er in „seinem“ alten Stadion antritt.
Ausblick: Ob Phil Harres am Sonntag von Beginn an stürmt oder wieder als Joker kommt – für ihn wird es ein besonderes Spiel. Für Holstein Kiel ist es zugleich eine Chance, im Pokal Selbstvertrauen zu tanken und die Diskussion um fehlende Durchschlagskraft im Sturm vielleicht schon an der alten Wirkungsstätte von Harres zu beenden.
Bericht und Bilder: Ole Jacobsen.
