Punkt in Unterzahl – HSV zeigt zwei Gesichter gegen Augsburg im Abstiegskampf

Der Hamburger SV hat im so wichtigen Heimspiel gegen den FC Augsburg einen Sieg verpasst – und dennoch Moral bewiesen. Beim 1:1 (0:1) im Volksparkstadion zeigte die Mannschaft von Merlin Polzin zwei völlig unterschiedliche Gesichter und erkämpfte sich nach einer Leistungssteigerung und langer Unterzahl zumindest einen Punkt. Angesichts des extrem schweren Restprogramms bleibt die Ausgangslage jedoch brisant.

Schwieriger Start – Augsburg nutzt erste Chance

Die Partie begann zäh. Augsburg stand tief, überließ dem HSV den Ball – doch die Hausherren fanden zunächst überhaupt keinen Rhythmus. Im Spielaufbau fehlte es an Tempo, Präzision und klaren Lösungen.

So entwickelte sich eine fehlerhafte Anfangsphase auf beiden Seiten, ehe die Gäste in der 22. Minute eiskalt zuschlugen: Nach einer Flanke von Marius Wolf fiel der Ball unglücklich von William Mikelbrencis´ Rücken im Strafraum vor die Füße von Arthur Chaves, der aus kurzer Distanz zum 0:1 einschob. Ein Treffer aus dem Nichts – passend zu einer insgesamt niveauarmen ersten Hälfte.

HSV ideenlos – nur wenige Lichtblicke vor der Pause

Der HSV tat sich gegen die kompakt verteidigenden Augsburger weiterhin schwer. Chancen blieben Mangelware. Die beste Möglichkeit hatte noch Philip Otele (39.), der nach einer starken Einzelaktion an Finn Dahmen scheiterte.

Kurz vor der Pause zeigte sich Robert Glatzel, überraschend nach Suspendierung direkt wieder in der Startelf, erstmals gefährlich. Sein Abschluss aus 14 Metern ging jedoch knapp vorbei.

Deutliche Leistungssteigerung nach der Pause

Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich der HSV wie verwandelt. Plötzlich war Tempo im Spiel, die Aktionen zielstrebiger, die Durchschlagskraft größer. Die Belohnung folgte in der 60. Minute: Nach Vorarbeit von Robert Glatzel traf Ransford-Yeboah Königsdörffer mit einem satten Abschluss aus 16 Metern zum verdienten 1:1-Ausgleich. Das Stadion war da – und der HSV plötzlich voll im Spiel.

Spiel kippt nach Platzverweis von Muheim

Nur wenige Minuten später folgte jedoch der nächste Rückschlag: In der 64. Minute sah Miro Muheim nach einer Notbremse die Rote Karte. Eine unglückliche Aktion, die der Schweizer später selbst als „Unfall“ bezeichnete.

Die Partie kippte – Augsburg übernahm nun die Kontrolle, drängte auf die Führung und kam mehrfach gefährlich vor das Tor. Besonders Michael Gregoritsch, bei seiner Rückkehr in den Volkspark, hatte zwei große Chancen.

HSV zeigt Moral in Unterzahl

Doch anstatt nur zu verteidigen, setzte der HSV in Unterzahl eigene Akzente. Immer wieder gelang es, nach Ballgewinnen schnell umzuschalten. Vor allem Fábio Vieira wurde zum Dreh- und Angelpunkt in der Offensive. In der Schlussphase erspielte sich der HSV trotz Unterzahl mehrere gute Möglichkeiten – unter anderem durch den eingewechselten Albert Grönbaek sowie Vieira selbst. Sogar ein möglicher Elfmeter wurde nach VAR-Überprüfung zurückgenommen.

Stimmen zum Spiel: „Unglaubliche Leistung in Unterzahl“

Miro Muheim zeigte sich nach dem Spiel erleichtert, dass seine Aktion keine Niederlage zur Folge hatte: „Unglücklich, ein Unfall – aber was die Mannschaft danach gezeigt hat, war unglaublich.“
Auch Robert Glatzel ordnete das Spiel realistisch ein: „Erste Halbzeit geht an Augsburg, zweite an uns. Mit etwas Glück gewinnen wir das noch – insgesamt ist es ein verdienter Punkt.“

Punkt mit zwei Gesichtern

Am Ende steht ein 1:1, das sich schwer einordnen lässt. Für den HSV ist es einerseits ein gewonnener Punkt nach knapp einer halben Stunde in Unterzahl und starker zweiter Halbzeit. Andererseits bleibt das Gefühl, eine große Chance verpasst zu haben – gerade mit Blick auf das anspruchsvolle Restprogramm. Der Kampf um den Klassenerhalt bleibt damit völlig offen.

Artikel und Archivbild: Ole Jacobsen.