Tim Walter: „Der Weg ist steinig – und diese Steine wollen wir aus dem Weg räumen“

Drei Tage nach dem 1:1 gegen die SV Elversberg hat Holstein Kiel unter Tim Walter die nächste Trainingseinheit deutlich verlängert – inklusive Videoarbeit in mehreren Blöcken. Der neue Cheftrainer setzte nach seinem Debüt bewusst auf Tiefe statt Aktionismus: „Wir haben eine ausführliche Videoanalyse erst zur Offenvive, dann zur Defensive gemacht“, erklärte Walter nach dem Training.

Der Plan: Inhalte erhöhen – aber die Mannschaft nicht überladen. „Wir versuchen die Inhalte zu steigern, versuchen da mehr reinzubekommen, versuchen sie nicht zu überfrachten. Ich glaube, das wäre der falsche Weg.“

Viel Zeit, klare Struktur – aber ohne Überforderung

Dass Holstein heute auffällig lange auf dem Platz stand, war für Walter kein Zufall. „Es geht nur darum, viel Zeit miteinander zu verbringen. Darum waren wir heute auch lange auf dem Platz“, sagte er. Heute bleibt es dafür bei dieser einen Einheit – morgen geht es zwei Mal auf den Rasen.

Walter machte dabei keinen Hehl daraus, wie er die Aufgabe einschätzt: „Es ist noch ein harter Weg zu gehen. Ein langer Weg – der ist steinig. Und diese Steine wollen wir aus dem Weg räumen. Deswegen müssen wir auch was dafür tun.“

„Intensität und Energie“ stimmen – jetzt fehlt der „Benefit“ im letzten Drittel

Trotz der weiter angespannten Lage sah Walter viele positive Ansätze. „Die Intensität und die Energie war von jedem einzelnen auf dem Platz zu spüren“, lobte er. Gleichzeitig benannte er das zentrale Thema sehr konkret: „Jetzt brauchen wir noch mehr Benefit, gerade in der Offensive: den letzten Ball zu spielen und die richtige Entscheidung zu treffen.“

Dass genau dieser Punch schon länger fehlt, wollte Walter nicht als Rückblick diskutieren. Seine Haltung bleibt strikt gegen das „Gestern“: „Was war, interessiert mich nicht. Es geht nur darum, was jetzt ist. Wir leben im Hier und Jetzt.“

Mehr Torchancen – mehr Treffer: „Es geht nicht darum, sie einmal zu haben“

Wie Holstein aus ordentlichen Phasen mehr Torgefahr erzeugt, beschreibt Walter pragmatisch: Wiederholung, Frequenz, Selbstvertrauen. „Dieser letzte Pass – immer wieder trainieren. Einfach immer wieder“, betonte er. Und vor allem: Chancen erzwingen, nicht erhoffen. „Es geht nicht darum, dass du sie einmal hast im Spiel und dann versagen dir vielleicht die Nerven. Es geht darum, sie fünfmal vors Tor zu bekommen. Durch die höhere Wahrscheinlichkeit der Vielzahl der Torchancen triffst du dann auch.“

Prinzipien nach Zonen – und Geduld gegen tiefe Gegner

Über taktische „Prinzipien“ sprach Walter erneut – dabei teile er das Feld gedanklich „nicht in Drittel, sondern eher in Zonen“ auf, erklärte er. Hinten gelten andere Regeln als vorne – und gerade im letzten Drittel fordert Walter mehr Geduld und besseres Timing: „Wenn der Gegner tief steht, dann bringt es nichts, eine Flanke reinzuschlagen. Dann musst du vielleicht noch mal ein paar Querpässe spielen, den Gegner zu einer Verschiebebewegung bringen und erst dann flanken.“

Tabellenblick? „Meine Tabelle hat ja erst jetzt begonnen“

Dass sich Holsteins Lage nach dem Remis nicht entspannt hat, ist allen bewusst – Walter allerdings lässt sich davon nicht treiben. „Meine Tabelle hat ja erst jetzt begonnen“, sagte er mit Blick auf sein erstes Spiel. Klar ist für ihn nur: Ein Punkt und eine ordentliche Leistung reichen nicht als Maßstab. „Es geht nicht darum, sich zufrieden zu geben. Vom Ergebnis wollen wir mehr. Wir wollen Spiele gewinnen. Die Jungs sollen auch nicht damit zufrieden sein, wenn man einen Punkt holt und gut spielt – sondern wir wollen gut spielen und gewinnen.“

Entscheidend für Chancen und Tore sei die Besetzung der gefährlichen Räume: „Noch breiter zu sein, mehr zu investieren, gerade am zweiten Pfosten zu lauern. Wenn der Flankenball kommt, muss ich drin sein. Wenn ich den Lauf nicht mache, kann ich auch kein Tor schießen.“ Walters Logik ist einfach: Investition erzeugt Chancen – Chancen erzeugen Tore.

Personal: Harres angeschlagen, Skrzybski im Aufbau

Phil Harres musste das Training heute vorzeitig abbrechen, ob er morgen wieder auf dem Platz stehen kann muss noch geklärt werden. Alexander Bernhardsson trainierte wieder voll mit, ist für Walter aber noch keine Option für die Startelf. Steven Skrzybski drehte abseits des Mannschaftstrainings immerhin schon wieder Runden mit Athletiktrainer Timm Sörensen.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.