Im Trainingslager von Holstein Kiel im spanischen Algorfa hat sich Torwart Timon Weiner erstmals offen zu seiner sportlichen Situation geäußert – und dabei deutlich gemacht, dass seine Zukunft bei den Störchen offen ist. Die Kollegen der SHZ veröffentlichten dazu mehrere Zitate des 26-Jährigen auf ihrem Instagram-Account, die zwischen den Zeilen viel Raum für Interpretation lassen.
„Im Fußball weiß man nie, was passiert. Aber im Sommer werden wir uns auf jeden Fall zusammensetzen. Und dann wird man sehen, wohin die Reise führen wird“, sagte Weiner gegenüber der SHZ. Ein Satz, der vor allem eines zeigt: Die Geduld des langjährigen Kieler Keepers ist endlich.
Vom Stammkeeper zur Nummer zwei
Dabei war Weiner in Kiel lange mehr als nur ein Mitläufer. In der Bundesliga-Saison der Störche war er über weite Strecken die klare Nummer eins. Allerdings häuften sich damals Unsicherheiten und Wackler, sodass er zur Rückrunde durch Thomas Dähne ersetzt wurde. Nach dem Abstieg verließ Dähne den Verein – viele Beobachter gingen davon aus, dass Weiner in der 2. Bundesliga wieder ins Tor zurückkehren würde.
Doch Holstein entschied sich anders. Mit Jonas Krumrey kam ein neuer Keeper, der sofort überzeugte und sich als klarer Stammspieler etablierte. Weiner blieb nur die Rolle des Pokaltorwarts – eine Rolle, die er zwar zuverlässig ausfüllte, die sportlich aber nicht seiner Ambition entspricht.
Der Nackenschlag
Wie sehr ihn diese Entwicklung getroffen hat, machte Weiner nun erstmals öffentlich. „Das war ein Nackenschlag, den ich erst mal verkraften musste. Ich hatte mir Hoffnungen gemacht, dass ich in die Zweitligasaison als Nummer eins gehe. Ich glaube, das war berechtigt, nachdem ich eine vernünftige Vorbereitung gespielt hatte“, erklärte er gegenüber der SHZ.
Diese Worte zeigen, dass Weiner nicht nur sportlich, sondern auch emotional mit der Situation kämpft. Er hatte fest damit gerechnet, nach dem Umbruch wieder das Vertrauen zu bekommen – stattdessen musste er zusehen, wie Krumrey Woche für Woche glänzt.
Familiär verwurzelt – sportlich blockiert
Dabei ist Weiner längst mehr als nur ein Spieler auf Zeit in Kiel. Seit 2018 trägt er das Holstein-Trikot, hat Höhen und Tiefen miterlebt und ist privat in der Stadt angekommen. „Ich möchte mit meiner Frau und den Kindern in dieser Stadt bleiben. Wir fühlen uns total wohl. Wenn ich mal meine sportlichen Ansprüche herausnehme, gäbe es für uns keinen Grund, in den nächsten Jahren dort wegzugehen. Aber die Situation ist, wie sie ist“, sagte Weiner laut SHZ.
Dieser Satz bringt das Dilemma auf den Punkt: Kiel ist Heimat – aber nicht mehr die sportliche Perspektive.
Die Realität im Tor
Und diese Realität ist eindeutig. Jonas Krumrey spielt eine starke Saison, ist einer der konstantesten Kieler und aktuell klar besser als Weiner. Ein Wechsel im Tor ist sportlich nicht zu rechtfertigen – daran wird sich auch in der Rückrunde nichts ändern. Weiner bleibt damit auf seine Pokalauftritte reduziert, während seine besten Jahre auf der Bank verstreichen. Für einen Torwart in diesem Alter ist das kaum akzeptabel.
Alles deutet auf Abschied im Sommer
Ein Wechsel im Winter scheint Weiner nicht anzustreben. Doch seine Aussagen lassen wenig Zweifel daran, dass im Sommer eine Entscheidung ansteht – wahrscheinlich eine Trennung. Nicht aus Groll, sondern aus sportlicher Notwendigkeit.
Weiner ist zu gut, um dauerhaft die Nummer zwei zu sein. Und Holstein Kiel hat mit Krumrey seine Nummer eins gefunden. Die Reise, von der Weiner spricht, dürfte ihn im Sommer sehr wahrscheinlich weg von der Förde führen.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
