
Noch vor wenigen Wochen schien die sportliche Zukunft von Timon Weiner bei Holstein Kiel offen. Hinter Jonas Krumrey nur die Nummer zwei, Einsätze meist auf den DFB-Pokal beschränkt, kursierten bereits Wechselgedanken für den Sommer. Doch mit dem Trainerwechsel hat sich die Situation komplett gedreht: Unter Tim Walter ist Weiner plötzlich die klare Nummer eins – und mittendrin im Abstiegskampf der 2. Bundesliga.
Beim öffentlichen Training stellte sich der Keeper nun den Medien – und machte dabei deutlich: Vergangenheit ist kein Thema mehr, der Fokus liegt voll auf dem Hier und Jetzt.
„Keine Wahl“: Münster abgehakt, Düsseldorf im Fokus
Das enttäuschende 0:0 gegen Preußen Münster steckt zwar noch in den Köpfen, doch lange Zeit zum Grübeln bleibt nicht. „Ich glaube, in so einer kurzen Woche hat man keine richtige Wahl“, sagt Weiner. „Es ist jetzt schon wieder drei Tage her – auch wenn es nicht einfach war, das so schnell abzuhaken.“
Die Marschroute ist klar: Blick nach vorn. Bereits am Freitag wartet mit Fortuna Düsseldorf das nächste Schlüsselspiel. „Wir haben wieder die Chance, drei Punkte zu holen. Darauf liegt jetzt der volle Fokus.“ Dabei will Weiner das Münster-Spiel weder schönreden noch komplett zerreißen: „Es war auf jeden Fall nicht unser bestes Spiel. Aber man darf auch nicht alles zu schlecht reden. Es war ein Punkt – und den können wir in unserer Situation gebrauchen.“
Abstiegskampf? „Am Ende gibt es immer nur drei Punkte“
Im Tabellenkeller spitzt sich die Lage weiter zu, die Spiele werden immer mehr zu direkten Duellen. Begriffe wie „Sechs-Punkte-Spiel“ sind allgegenwärtig – doch Weiner hält wenig davon. „Wenn man das so sieht, haben wir jetzt noch vier solcher Spiele“, sagt er mit einem leichten Schmunzeln. „Aber am Ende gibt es immer nur drei Punkte.“
Viel wichtiger sei die Herangehensweise: „Natürlich ist jedes Spiel jetzt eine riesige Chance, da unten rauszukommen. Aber wir müssen es Spiel für Spiel angehen – auch wenn sich das immer so abgedroschen anhört.“
Der Blick auf Düsseldorf: „Sehr, sehr gute Einzelspieler“
Mit Fortuna Düsseldorf wartet nun ein Gegner, der tabellarisch ebenfalls unter Druck steht – aber laut Weiner deutlich mehr Qualität besitzt, als es die Tabelle vermuten lässt. „Wenn man sich den Kader anschaut, haben die sehr, sehr gute Einzelspieler“, sagt der Keeper. „Ich glaube eigentlich bessere, als es die Situation widerspiegelt.“ Für Kiel bedeutet das: Ein schweres Auswärtsspiel, aber auch eine große Chance. „Das wird eine coole Kulisse, darauf freuen die sich – und wir uns auch.“
Abstiegskampf im Kopf: „So eng ist diese Liga“
Wie eng die Liga ist, zeigt ein einfacher Vergleich, den Weiner selbst zieht: „Hätten wir gegen Münster gewonnen, wären wir Zwölfter gewesen.“ Stattdessen steckt Kiel weiter tief unten drin. Für ihn ist das ein klarer Hinweis: „Die Situation ändert sich extrem schnell. Es sind so viele enge Spiele – und das wird auch so bleiben.“
Relegation als Mindestziel? Für Weiner aktuell kein Thema. „Wir denken jetzt nicht an die Relegation. Wir haben noch genug Spiele vor uns. Wenn es am Ende so kommt, dann kommt es. Aber beeinflussen können wir nur das nächste Spiel.“
Persönliche Situation: Angekommen in Kiel
Neben der sportlichen Entwicklung ist auch Weiners persönliche Situation ein klares Signal. Trotz der schwierigen Monate zuvor denkt er nicht an einen Abschied. „Ich habe noch ein Jahr Vertrag und sehe keinen Grund, den Verein zu verlassen“, sagt er offen. „Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl – auch mit meiner Familie.“ Ein Satz, der zeigt: Aus der vermeintlichen Nummer zwei ist nicht nur sportlich, sondern auch mental eine feste Größe geworden.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
