Von Überfall zur Insolvenz: Dieser Brief erschüttert den regionalen Sport

Offene Stellungnahme zur Insolvenz der Teamsport Friedrichsort GmbH

Liebe Freunde, Vereine, Kunden, Geschäftspartner und Sportler,

heute, am 21.04.2026, finde ich die Kraft, euch zu erklären, was überhaupt passiert ist.
Bitte glaubt mir: Es ist wichtig, dass ihr alles lest, um die gesamte Situation zu verstehen.

Seit 2020 hatten wir mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen: Corona, die Sperrung der Hochbrücke – wodurch wir kaum erreichbar waren –, die Zerstörung unserer Geschäftsräume samt Buchhaltung durch einen Brand sowie die Nichterreichbarkeit unseres Onlineshops für fünf Monate aufgrund einer fehlerhaften Umstellung auf eine neue Version.

All das haben wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern sowie durch die finanzielle Unterstützung von Familie und Freunden bewältigt. So konnten wir weiterhin stationär und online für euch da sein und ein verlässlicher Partner bleiben. Zu keinem Zeitpunkt befand sich die Firma in finanzieller Schieflage, und es war auch nicht absehbar, was nun geschehen ist.
Es gab nie Vereine, Sportler oder Geschäftspartner, die auf ihre Ware oder den Ausgleich von Rechnungen warten mussten oder befürchten mussten, dass dies passieren könnte.

Am 03.12.2025 geschah dann etwas, das niemand vorhersehen konnte und das unser gesamtes Leben verändert – wenn nicht sogar zerstört – hat.
In den Abendstunden drangen maskierte Männer in unser Haus ein. Unter Waffengewalt zwangen sie uns zur Herausgabe unserer Wertgegenstände sowie unserer privaten und geschäftlichen Geldrücklagen und verwüsteten unser Zuhause bis zur Unkenntlichkeit.

Ich wurde dabei schwer mit einem Messer verletzt, und Marlies leidet bis heute unter Angstzuständen und ist weiterhin arbeitsunfähig.
Ich selbst hatte nie die Zeit, meine eigenen Ängste oder meine körperliche Verfassung zu verarbeiten – ich musste stark sein und die Firma am Laufen halten.

Wieder sprangen Freunde und Familie ein und unterstützten uns finanziell, damit der Betrieb weitergehen konnte. Selbst unsere Hausbank konnte uns aufgrund fehlender Unterlagen – bedingt durch den Brand und die zerstörte Buchhaltung – nicht helfen.

In den Monaten Januar bis März, in denen Eis und Schnee den Sportbetrieb ohnehin stark einschränkten, fehlten uns zudem die dafür vorgesehenen Rücklagen. Trotzdem haben wir es geschafft, mit den rückläufigen Umsätzen umzugehen und allen Verpflichtungen nachzukommen.

Am 14.04. kam es schließlich zu einer Gerichtsverhandlung mit der Firma Hummel. Diese forderte von uns Geld, das wir nachweislich bereits bezahlt hatten – sogar in einem hohen sechsstelligen Bereich zu viel.
Monatelang hatten wir auf diesen Termin hingearbeitet, in der Hoffnung, das zu viel gezahlte Geld zurückzuerhalten und endlich wieder ohne finanzielle Sorgen leben zu können.

Unser Rechtsanwalt hatte uns noch eine Woche vor dem Termin versichert, dass wir uns keine Sorgen machen müssten, da die Sachlage eindeutig sei und wir alles belegen könnten.
Doch der Gerichtstermin verlief völlig anders: Unser Anwalt brachte weder die entscheidenden Fakten noch unsere Beweise in den Prozess ein. Eine Eingabe, die sieben Tage vor Prozessbeginn erfolgt war, wurde nicht mehr zugelassen.

Schließlich erklärte er mir außerhalb des Gerichtssaals, dass wir den Prozess verlieren würden und die Firma Hummel die geforderte Summe sofort vollstrecken könne. Er riet mir, einen Vergleich anzubieten.

Zu diesem Zeitpunkt war ich kaum noch in der Lage, klar zu denken. Mir war bewusst, dass jede weitere Zahlung zwangsläufig zur Insolvenz führen würde, da keinerlei finanzieller Spielraum mehr vorhanden war.
Ein Vergleich wurde geschlossen, das Urteil war vollstreckbar – und wurde vollstreckt. Die Teamsport Friedrichsort GmbH ist damit zahlungsunfähig geworden.

Als Geschäftsführer war ich verpflichtet, Insolvenz anzumelden. Dies habe ich am 16.04.2026 getan.
Der Insolvenzverwalter wird unseren Rechtsanwalt vermutlich wegen Beratungs- und Verfahrensfehlern zur Rechenschaft ziehen – doch das hilft uns jetzt leider nicht mehr.

Für Marlies und mich bedeutet das einen kompletten Neuanfang. Aufgrund meiner persönlichen Haftung als Gesellschafter und Geschäftsführer bleibt uns nichts anderes übrig, als ebenfalls in die Privatinsolvenz zu gehen und mit dem auszukommen, was uns dann noch bleibt.

Doch in diesem Moment geht es nicht nur um uns.
Es geht um unseren Sohn, seine Familie und vor allem um unsere Mitarbeiter – Menschen, die für uns wie Familie sind. Sie alle haben es verdient, ihre Arbeitsplätze zu behalten und weiterhin Teil dieser Firma zu sein, die seit 30 Jahren ein verlässlicher Partner war.

Daher meine große Bitte: Unterstützt den Betrieb weiterhin und tätigt eure Bestellungen.
Ein Insolvenzverwalter steht jetzt für alle Aufträge ein, und an ihn erfolgen auch die Zahlungen. Dadurch ist sichergestellt, dass ihr eure Waren erhaltet.

Gleichzeitig suchen wir dringend nach einem Investor oder Geldgeber, um unserem Sohn die Möglichkeit zu geben, dieses Lebenswerk vielleicht weiterzuführen – und auch in Zukunft für euch da zu sein.
Wenn sich jemand angesprochen fühlt und helfen möchte, würden wir uns sehr über eine Kontaktaufnahme bei Daniel oder mir freuen.

An alle, die verständlicherweise enttäuscht oder verärgert sind, weil sie ihre bereits bezahlte Ware nicht mehr erhalten haben:
Sollte es für Teamsport Friedrichsort und Daniel weitergehen, wird es unser erstes Ziel sein, genau diese Bestellungen zu erfüllen – selbstverständlich ohne eine erneute Zahlung.

Ich hoffe, ihr habt bis hierhin alles gelesen und könnt euch nun ein Bild von der Situation machen.
Am Ende entscheidet ihr, was ihr von uns denkt und ob ihr dieser Firma und ihren großartigen Mitarbeitern noch eine Chance geben möchtet.

Um eines möchte ich euch jedoch von Herzen bitten:
Vergesst mich und Marlies nicht. Wir sind keine schlechten Menschen.

Euer
Michael

Text:Michael Buchwald, Bild: privat, hfr.