Walter fordert mehr Konsequenz im Strafraum und bekommt einen neuen Co-Trainer

Die sportliche Situation bei Holstein Kiel bleibt angespannt – mit Tabellenplatz 17 vielleicht angespannter den je – und genau darüber wollte Trainer Tim Walter in der Medienrunde nach dem öffentlichen Training möglichst wenig sprechen. Stattdessen lenkte der Coach den Fokus konsequent auf Trainingsarbeit, Entwicklung und Energie innerhalb der Mannschaft.

„Bei mir geht es darum, den Jungs Leben einzuhauchen und Energie zu geben“, erklärte Walter. „Die Jungs haben das verdient, sie machen das wirklich sehr gut und bringen eine Menge Power mit.“

Videoanalyse statt Tabellenrechner

Die Aufarbeitung der 0:2-Niederlage zuletzt bei SV Darmstadt 98 fiel ausführlich aus. Die Videoanalyse dauerte ungewöhnlich lange – aus gutem Grund, wie Walter erklärte. „Es geht darum, dass die Jungs lernen, Dinge besser zu machen und zu sehen, was sie schon richtig gut machen“, sagte der Trainer. „Wir visualisieren das aktuell sehr intensiv. Es geht nicht nur darum, alles auf dem Platz zu trainieren.“

Dabei gehe es nicht nur um einzelne Spielphasen, sondern um das Gesamtbild: „Du kannst auch zu zehnt Dinge raussuchen. Am Ende hatten wir auch noch eine riesige Chance. Wichtig ist, dass wir weiter Chancen erarbeiten.“

Das Dauerthema Chancenverwertung

Dass Holstein über die gesamte Saison hinweg Schwierigkeiten hat, seine Möglichkeiten konsequent zu nutzen, ist kein Geheimnis. Walter bleibt dennoch ruhig. „Wir können nicht mehr machen als trainieren und die Jungs immer wieder in diese Situationen bringen“, sagte er. „Am Ende müssen die Spieler auf dem Platz entscheiden.“

Der Schlüssel liege für ihn in der Konsequenz – in beiden Strafräumen: „Wenn ich hinten alles reinhaue und vorne konsequent bin, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, Spiele zu gewinnen. Nur Konsequenz bringt uns zum Erfolg.“

Torwartfrage bleibt offen

Auch auf der Torwartposition will Walter weiterhin keine feste Hierarchie ausrufen. Nach Timon Weiners Einsatz in Darmstadt, der von vielen als nicht optimal eingestuft wurde, bleibt offen, wer gegen den 1. FC Nürnberg im Tor stehen wird.

„Das werde ich sehen, wenn ich die Trainingswoche beobachtet habe“, erklärte Walter. „Bei mir wird ein Torwart genauso bewertet wie ein Feldspieler“, betonte er erneut. Damit bleibt theoretisch alles möglich: „Die Wahrscheinlichkeit ist immer gegeben, dass gewechselt wird – oder auch nicht.“ Er brachte sogar die Namen Marcel Engelhardt und Lio Rothenhagen ins Spiel, die bisher noch keine einzige Minute bekommen haben.

Knorrige Reaktion auf Tabellenfragen

Über die Wichtigkeit des kommenden Spieles oder den aktuellen Tabellenstand wollte der neue Coach gar nicht reden: „Wenn ihr ständig mit der Tabelle anfangt, könnt ihr euch die Antworten bald selbst geben“, sagte er sichtlich genervt. Für ihn zählt ausschließlich der nächste Schritt: „Wir spielen am Samstag, um drei Punkte zu holen. Mehr können wir nicht holen.“

Lob für Teamgeist und Intensität

Trotz der Niederlagenserie sieht Walter in der Mannschaft viele positive Ansätze. Besonders der Zusammenhalt habe ihn zuletzt beeindruckt. „Die Intensität und der Zusammenhalt haben mir sehr gefallen“, erklärte er. „Der Charakter der Truppe passt einfach.“

Marcel Wimmer kommt als weiterer Co-Trainer hinzu

Heute gab die KSV die Verpflichtung eines weiteren Co-Trainers bekannt – Marcel Wimmer. „Michael bringt sehr viel Fachwissen und Energie mit und ist auch menschlich ein Zugewinn für das gesamte Team“, erklärte Cheftrainer Walter diesen Schritt. „Ich schätze seine akribische Arbeit auf dem Trainingsplatz und seine Qualitäten in der Gegneranalyse“, fügte er über Wimmer hinzu, den er aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart kennt.

Mit zusätzlichen Kräften im Trainerstab will Walter nun weitere Impulse setzen. Die Aufgaben seien dabei klar verteilt, würden aber immer gemeinsam entschieden. „Die Jungs passen charakterlich sehr gut zusammen“, sagte Walter über seinen Staff. „Wir entscheiden alles zusammen.“ Dabei bringe jeder seine Stärken ein – von Standardarbeit bis Gegneranalyse. Oder, wie Walter es formulierte: „Es geht um viele Dinge, die man individuell forcieren kann.“

Für Holstein Kiel bleibt die Aufgabe klar: Punkte sammeln – und die positiven Ansätze endlich auch in Ergebnisse ummünzen.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.