
War es ein verdienter Sieg? Diese Frage stellte sich nach dem 3:2-Auswärtserfolg von Holstein Kiel beim VfL Bochum durchaus. Die ehrliche Antwort: wahrscheinlich nicht zwingend. Aber vielleicht ist genau das diesmal völlig egal.
Diesmal fällt das Pendel auf Kiels Seite
In den vergangenen Wochen war es oft andersherum: Kiel spielte ordentlich, war phasenweise sogar das bessere Team – und stand am Ende dennoch mit leeren Händen da. Bestes Beispiel: die knappe 2:3-Niederlage gegen Nürnberg.
In Bochum drehte sich dieses Bild. Diesmal war der Gegner über weite Strecken aktiver, hatte mehr Abschlüsse und wirkte gefährlicher. Doch Holstein hatte etwas, das zuletzt oft fehlte: das richtige Timing.
Die entscheidenden Momente gehörten Kiel
Zwei Szenen stehen sinnbildlich für diesen Sieg: Das 2:1 durch Phil Harres kurz vor der Pause – ein psychologisch enorm wichtiger Treffer und das 3:2 durch Jonas Therkelsen direkt nach dem Bochumer Ausgleich. Immer dann, wenn das Spiel zu kippen drohte, fand Kiel die passende Antwort.
Effizienz und endlich auch Spielglück
Natürlich gehörte auch das nötige Quäntchen Glück dazu – Bochum ließ zahlreiche Chancen liegen. Die Gastgeber spielten die letzte halbe Stunde in Unterzahl, was Holstein natürlich nummerisch entgegen kam, auch wenn man es auf dem Feld kaum wahr nahm. Zudem überstand die KSV eine lange Nachspielzeit mit viel Kampf, Zeitspiel und mit dem Glück des Tüchtigen. Doch genau dieses Spielglück hatte den Störchen in den Wochen zuvor gefehlt.
Weiner: „Die Punkte haben wir uns erarbeitet“
Torhüter Timon Weiner ordnete den Sieg entsprechend ein: „Wir strotzen trotz allem nicht vor Selbstvertrauen, auch wenn wir führen, das hat man gesehen. Trotzdem finde ich, dass wir insgesamt über 90 Minuten ein vernünftiges Spiel gemacht haben und dann auch verdient gewonnen haben. Wir haben uns die drei Punkte nicht nur heute, sondern in den letzten Wochen erarbeitet.“
Harres: „Wir wollten den Sieg unbedingt“
Torschütze Phil Harres hob vor allem den Teamgedanken hervor: „Bochum hat es uns sehr schwer gemacht, aber wir sind als Team aufgetreten und haben heute die Tore gemacht. Wir haben gezeigt, dass wir unbedingt den Sieg holen wollten.“
Auch das Zusammenspiel funktionierte: „Wir haben hinten mutig herausgespielt, auch die Ecke war top ausgespielt – und Therki darf den gerne öfter so machen.“
Skrzybski: „Eine Art Feuertaufe“
Rückkehrer und Kapitän Steven Skrzybski sprach von einem wichtigen Schritt: „Es war ein Kampf bis zur letzten Minute. Ich bin unfassbar stolz, aber wir wissen, dass es nur ein Schritt war.“ Und weiter: „Wir wussten, was hier auf uns zukommt. Und dann hier zu gewinnen, ist ein Stück weit eine Feuertaufe.“
Tim Walter bestätigte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel übrigens, dass Skrzybski Holstein-Kapitän bleibt und Jonas Meffert die Binde nur übernehmen wird, wenn Skrzybski mal wieder ausfallen sollte.
Therkelsen: „Unglaublich mit den Fans“
Matchwinner Jonas Therkelsen schilderte die Szene nach seinem Treffer: „Nach dem Ausgleich dachte ich mir, wenn wir einfach so weiterspielen, ist die Chance hoch, zu gewinnen.“ Der Jubel danach war besonders: „Mit unseren Fans zu feiern, fühlte sich unglaublich an. Sie sind so einen langen Weg gekommen – der Sieg war auch für sie.“
Fazit: Endlich zahlt sich etwas zurück
Vielleicht war Bochum die bessere Mannschaft. Vielleicht hatte Kiel auch das nötige Glück. Aber nach Wochen, in denen vieles gegen die Störche lief, dreht sich das Momentum endlich. Und am Ende gilt im Abstiegskampf ohnehin nur eines: Punkte.
Oder anders gesagt: Wen interessiert schon, ob es „verdient“ war?
Artikel und Archivbild: Ole Jacobsen.
