Win-Win unter der Woche: Lauritz Sievers als Positiv-Beispiel für Jedermann

Manchmal entstehen im Fußball Geschichten, die zeigen, wie unkompliziert, lösungsorientiert und vor allem partnerschaftlich Vereine zusammenarbeiten können. Die Geschichte von Lauritz Sievers (26), Torwart des Eckernförder SV in der Landesliga, ist genau so eine.

Unter der Woche trainiert Sievers regelmäßig bei der U23 von Holstein Kiel mit. Keine Leihe, kein Wechsel, kein Konkurrenzdenken – sondern eine Kooperation, von der alle profitieren. Und die vor allem eines zeigt: Wenn man miteinander spricht, kann Fußball ganz einfach sein.

Der Ursprung dieser Zusammenarbeit liegt ein paar Jahre zurück. Holsteins U23-Torwarttrainer Niklas Jakusch war einst auch beim Eckernförder SV tätig. Zwei Jahre arbeiteten Jakusch und Sievers zusammen. „Er hat mich damals extrem nach vorne gebracht. Ich habe sehr von ihm profitiert“, sagt Sievers. Der Kontakt blieb bestehen – auch nachdem sich die Wege sportlich trennten.

Als bei Holstein durch Verletzungen, unter anderem im U19-Bereich, personeller Bedarf für den Trainingsbetrieb entstand, kam die Anfrage. „Niklas hat bei meinem Trainer Maik Haberlag angefragt. Eine Woche oder zwei später war ich das erste Mal dabei.“ Seit Ende Oktober läuft die Kooperation nun.

Was bringt es ihm persönlich? „Deutlich höhere Frequenzen, deutlich höheres Niveau“, sagt Sievers offen. Natürlich bekomme er auch beim ESV sehr gutes Torwarttraining – „mit Peter Feies kann ich mich nicht beklagen“ – doch im Leistungsbereich der Regionalliga-U23 herrschen andere Intensitäten, andere Details.

„Das Torwartspiel ist so spezifisch. Es bringt unfassbar viel, noch mehr Zeit für detaillierte Abläufe zu haben – Schrittfolgen bei Flanken, Vororientierung beim Rückpass, kleine technische Feinheiten.“ Es sind genau diese Details, die im normalen Mannschaftstraining oft zu kurz kommen, weil Zeit und Trainingsrhythmus andere Schwerpunkte setzen müssen. Bei Holstein hingegen ist die Frequenz höher – und damit auch die Möglichkeit, an Nuancen zu arbeiten.

Der Nutzen für die U23 ist ebenso klar. Stammkeeper Lio Rothenhagen trainiert regelmäßig bei den Profis mit. Um dennoch im Trainingsbetrieb zwei Torhüter auf gutem Niveau zur Verfügung zu haben, braucht es flexible Lösungen. „Auf dem Niveau ist es unerlässlich, zwei qualitativ gute Torhüter dabei zu haben“, sagt Sievers. Mal ist es ein Keeper aus der U19, mal er selbst. Eine klassische Win-Win-Situation.

Wichtig war für Sievers eines: Die volle Rückendeckung seines Stammvereins. „Ohne die Zusage vom ESV hätte ich es nicht gemacht. Der Verein hat absolute Priorität für mich.“ Es wurde eng abgestimmt, transparent kommuniziert – und vor allem geprüft, ob sportliche Nachteile entstehen könnten. Doch das Gegenteil ist der Fall.

„Ich bin genauso oft beim Training in Eckernförde. Unsere Ziele leiden nicht darunter, die Jungs leiden nicht darunter.“ Im Gegenteil: Auch im Team wird die Kooperation positiv gesehen – nicht zuletzt, weil Niklas Jakusch in Eckernförde noch immer sehr geschätzt wird.

Neben der sportlichen Komponente gibt es auch eine emotionale. „Als kleiner Junge träumt man ja immer davon, im Leistungsbereich vielleicht noch einen Schritt zu machen“, sagt Sievers. „Umso schöner ist es, nochmal reinschnuppern zu dürfen.“ Die Bedingungen, das Tempo, die Professionalität – all das saugt er auf. „Es macht unfassbar viel Spaß.“

Dass das Ganze organisatorisch funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit. Sievers arbeitet im Familienbetrieb in der Baubranche. Vormittagstraining im Leistungszentrum? Für viele kaum machbar. „Da muss ich ein großes Dankeschön an meine Familie aussprechen“, betont er. „Ohne sie wäre das nicht möglich.“

Flexible Arbeitszeiten, gegenseitige Abstimmung, Verständnis – das Fundament ist familiär. „Meine Familie sagt: Nimm das mit, was du mitnehmen kannst.“

Diese Geschichte ist mehr als nur eine Trainingskooperation. Sie zeigt: Landesliga und Leistungszentrum müssen keine Gegensätze sein, Konkurrenzdenken ist nicht zwingend und vor allem Kommunikation schafft Lösungen.

Der Eckernförder SV zeigt Größe, Holstein Kiel U23 zeigt Offenheit – und Lauritz Sievers zeigt Ehrgeiz. Ein schönes Beispiel dafür, wie moderner Fußball funktionieren kann. Und vielleicht auch ein Vorbild für viele andere Vereine im Norden.

Artikel und Bilder: Ole Jacobsen.

Lauritz Sievers mutig im Herauslaufen gegen den Eidertaler Louis Schütt