„Am liebsten hätte ich elf Kapitäne“ – Steven Skrzybski über Chancen, Druck und Kapitänsfrage

Nach einigen Wochen Verletzungspause ist Steven Skrzybski zurück auf dem Platz – und direkt wieder mittendrin im Geschehen. Beim 2:3 gegen den 1. FC Nürnberg wurde der Offensivspieler nach einer Stunde eingewechselt, brachte spürbar Leben ins Spiel der Störche und hatte in der Nachspielzeit die große Chance zum Ausgleich.

Nach dem Training stellte sich der frühere Kapitän von Holstein Kiel den Fragen – und sprach offen über seine vergebene Chance, die fehlende Effizienz im Team, Trainer Tim Walter und auch über die weiterhin offene Kapitänsfrage.

„Die Nacht hat es mich schon beschäftigt“

Herr Skrzybski, wie lange haben Sie über Ihre Großchance in der Nachspielzeit nachgedacht?

„Vor allem die Nacht über hat mich das schon beschäftigt. Ich glaube, das ist auch völlig normal in unserer Situation. Dafür liebe ich den Sport zu sehr, als dass mich so etwas kalt lässt. Aber irgendwann musst du nach vorne schauen. Wir haben es analysiert, und jetzt geht es weiter.“

„Wir müssen die Chancen machen – ganz platt gesagt“

Ist die schwache Chancenverwertung aktuell eher ein technisches oder ein psychologisches Problem?

„Das ist schwer pauschal zu beantworten, weil jede Chance anders ist. Aber ich glaube schon: Wenn man unten drin steht, ist das Glück vielleicht nicht immer auf deiner Seite. Positiv ist erstmal, dass wir uns die Chancen erarbeiten. Aber klar – wir müssen sie auch machen. Sonst bringt dir das alles nichts.“

Training als Schlüssel: „Je öfter du schießt, desto höher die Wahrscheinlichkeit“

Was kann man konkret tun, um wieder effizienter zu werden?

„Wir haben heute wieder viel abgeschlossen im Training. Das ist der Weg – Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen. Jeder Stürmer auf der Welt kennt das: Du vergibst Chancen. Wichtig ist, dass du den Glauben an dich selbst nicht verlierst. Wenn du dir die Chancen erarbeitest, musst du irgendwann auch treffen. Klingt platt, ist aber so.“

Zurück auf dem Platz – und flexibel einsetzbar

Sie waren im Training auf verschiedenen offensiven Positionen unterwegs. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

„Ich bin erstmal einfach froh, dass ich nach sechs Wochen wieder auf dem Platz stehen kann. Die Gesundheit ist das Wichtigste. Klar, je näher du am Tor bist, desto wohler fühlst du dich als Offensivspieler. Aber ich nehme jede Rolle an, in der ich der Mannschaft helfen kann.“

Kapitänsfrage: „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht“

Sie waren vor Ihrer Verletzung Kapitän. Haben Sie sich Gedanken gemacht, ob Sie die Binde wieder übernehmen?

„Ehrlich gesagt: nein. Am liebsten hätte ich elf Kapitäne auf dem Platz. Es geht nicht um einzelne, sondern darum, dass wir als Team funktionieren.“

„Der Trainer kann den Ball nicht über die Linie drücken“

Wie bewerten Sie die Arbeit von Tim Walter in dieser schwierigen Phase?

„Wenn man die Ergebnisse mal ausklammert – was man im Sport eigentlich nicht darf – dann sind wir auf einem guten Weg. Der Trainer gibt uns klare Abläufe, gute Positionierungen und ein hohes Energielevel. Er hat einen sehr positiven Einfluss auf die Mannschaft.
Der Trainer kann den Ball aber nicht über die Linie drücken. Das müssen wir selbst machen. Wir müssen die Dinger reinmachen und hinten auch sauber verteidigen.“

Das große Problem: Rückschläge und individuelle Fehler

Auffällig ist, dass Kiel in den Spielen unter Walter oft gut startet, dann aber durch Rückschläge aus dem Rhythmus gerät. Woran liegt das?

„Ich glaube, es würde uns extrem helfen, wenn wir selbst mal in Führung gehen. Das gibt dir Selbstvertrauen und einen Push. Stattdessen rennen wir oft hinterher. Dann fehlt manchmal diese Selbstverständlichkeit in den Aktionen.“

Vergleich zur Vorsaison: „Abstieg ist immer scheiße“

Ist die Stimmung aktuell angespannter als im vergangenen Jahr?

„Ein Abstieg ist immer eine Kacksache – egal in welcher Liga. Und wenn du absteigst, bist du in dem Moment gescheitert, egal ob du Aufsteiger bist oder nicht. Letztes Jahr war die Situation auch angespannt. So etwas ist nie entspannt.“

Interview und Bild: Ole Jacobsen.