Zwischen Aufbruch und Abschied: Interview mit ESV-Coach Maik Haberlag

Der Abstieg aus der Oberliga kam für viele überraschend, die Reaktion des Eckernförder SV danach aber nicht. Statt Hadern, Panik oder großem Umbruch folgte ein kontrollierter Neustart in der Landesliga Schleswig – mit klarer Struktur, viel Ballbesitz und dem festen Willen, wieder oben anzugreifen. Zur Winterpause steht der ESV auf Rang zwei, dem Relegationsplatz, auch wenn der direkte Wiederaufstieg angesichts der Dominanz des TSB Flensburg kaum realistisch erscheint.

Besonders: Diese Rückrunde ist nicht nur sportlich von Bedeutung, sondern auch emotional. Trainer Maik Haberlag, seit Sommer 2018 im Amt, wird den Verein nach der Saison verlassen. Acht Jahre, wenig Fluktuation, viele gemeinsame Schritte – nun soll ein sauberer Übergang folgen. Für Haberlag selbst kein Rückzug im Kopf, sondern ein bewusstes Finale mit voller Energie.

Im Gespräch mit NordKick spricht der 39-Jährige über die sportliche Einordnung, die schwierige Vorbereitung ohne Kunstrasen, klare Ziele für die Rückrunde – und darüber, warum gerade jetzt noch einmal alles möglich scheint.

„Platz zwei ist realistisch – aber wir müssen ihn uns verdienen“

Maik, lass uns mit der sportlichen Lage beginnen: Wie blickst du auf die Hinrunde zurück?
Wir stehen leistungsgerecht da, würde ich sagen. Natürlich gab es Spiele, in denen Inhalt und Ergebnis nicht ganz zusammengepasst haben – etwa gegen Eidertal oder auch zwischendurch Phasen, in denen wir uns schwergetan haben. Aber insgesamt haben wir uns stabilisiert, sind im Ballbesitz besser geworden, haben klare Umschaltmomente und stehen defensiv solide. Platz zwei ist möglich, aber nicht selbstverständlich. Dafür musst du Woche für Woche liefern.

„Platz eins ist für mich vergeben“

Du sprichst es an: Der Blick nach oben – wie realistisch ist der direkte Aufstieg noch?
Ganz ehrlich: Platz eins ist für mich vergeben. Der TSB Flensburg ist extrem konstant, sehr stabil und wird wieder in die Oberliga gehen. Unser Fokus liegt klar auf Platz zwei. Das sind Bonusspiele, das ist Relegation – und da kann alles passieren. Aber erst einmal müssen wir diesen Platz auch behaupten, da ist noch nichts entschieden.

„Wir haben keine Zu- oder Abgänge – unser Kader kommt aus der eigenen Arbeit“

Wie sieht es personell aus? Gibt es Veränderungen im Kader?
Nein. Wie eigentlich jedes Jahr haben wir keine Abgänge und keine Neuzugänge. Unser Fokus liegt darauf, verletzte Spieler wieder heranzuführen. Wir hoffen, dass David Wagner und auch Jonas Kessel schnell zurück kommen. Unser Kader ist breit, dazu nehmen wir Perspektivspieler aus der U23 und der U19 mit rein.

Schwierige Bedingungen, klare Struktur

Die Vorbereitung ist nicht ganz einfach – Stichwort Trainingsbedingungen. Wie geht ihr das an?
Wir haben keinen Kunstrasen, das ist ein Fakt. Je nach Wetter müssen wir kreativ sein. Entweder finden wir einen Partnerverein, gehen auf Naturrasen oder im schlimmsten Fall auf alternative Einheiten. Wichtig ist für uns, die Belastung gut zu steuern. Deshalb planen wir auch Testspiele so, dass wir an einem Tag zwei Spiele machen können, um allen Spielzeit zu geben.

„Wir bleiben unserer Spielidee treu – es geht um Feinjustierung“

Wird sich taktisch etwas ändern in der Rückrunde?
Grundsätzlich nein. Die Dinge, die uns stark gemacht haben, bleiben unsere Basis. Gute Defensive, sauberes Verteidigen, Standards, Effektivität. In der Vorbereitung geht es eher um Feinjustierung: Anlaufverhalten, Spielaufbau, Positionierungen im Detail. Dinge, die im Ligaalltag manchmal zu kurz kommen, können wir jetzt gezielt schärfen.

Abschied nach acht Jahren: „Es ist ein Gefühl – kein Bruch“

Inzwischen ist klar: Du wirst den ESV nach der Saison verlassen. Warum dieser Schritt?
Es ist eigentlich ganz simpel. Acht Jahre in einem Verein mit wenig Fluktuation – das ist eine lange Zeit. Es hat mega Spaß gemacht, jedes Training, jedes Spiel. Aber ich habe das Gefühl, dass ein Wechsel auch Chancen eröffnet – nicht nur für mich, sondern für den Verein. Das ist der Hauptgrund. Alles andere wäre zu verkopft erklärt.

„Ich arbeite bis zum letzten Tag genauso akribisch“

Hat diese Entscheidung Einfluss auf deine Arbeit in der Rückrunde?
Im Gegenteil. Wir haben als Mannschaft einen klaren Pakt: Wir wollen das wiedergutmachen, was letzte Saison passiert ist. Ich gehe davon aus, dass ich sogar noch mehr investieren werde. Jede Einheit, jedes Gespräch, jede Kleinigkeit. Ich genieße das gerade sehr bewusst.

Relegation, Pokal, Finale?

Welche Ziele habt ihr euch konkret gesetzt?
Ganz klar: Richtung Platz zwei gehen und Relegationsspiele bekommen. Dazu kommt der Kreispokal – wir wollen ins Finale, idealerweise mit einem Heimspiel. Das wäre die Kirsche auf der Torte. Dafür arbeiten wir, dafür lebt die Mannschaft. Und so, wie ich sie aktuell wahrnehme, ziehen alle voll mit.

„Ich freue mich einfach wieder auf den Wettkampf“

Zum Abschluss: Worauf freust du dich persönlich am meisten in den kommenden Monaten?
Ganz ehrlich: Auf die Jungs. Darauf, sie wieder regelmäßig zu sehen. Auf den Wettkampf. Auf die Spiele. Auf diese besondere Phase. Das ist kein Abschied im Stillen – das ist ein gemeinsamer Weg bis zum letzten Spieltag.

Interview und Bild: Ole Jacobsen.