„Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein“ – Trainer spricht offen über Druck, Zweifel und neuen Mut
Der 1:0-Sieg von Inter Türkspor Kiel gegen den MTSV Hohenwestedt war mehr als nur ein dreifacher Punktgewinn. Für Trainer Karim Youssef war es ein emotionaler Befreiungsschlag – und vielleicht der Moment, in dem eine Mannschaft wieder anfängt zu glauben.
Zwischen Frust und Glaube
Über weite Strecken dominierte Inter die Partie, ließ jedoch – wie so oft in dieser Saison – beste Chancen liegen. Drei Aluminiumtreffer hätten das Spiel früh entscheiden können. Stattdessen wuchs der Druck – auf dem Platz und im Kopf.
„Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein. Irgendwie spielt alles gegen uns“, beschreibt Youssef die Gefühlslage während der Partie. Ein Satz, der sinnbildlich für die Saison der Kieler steht.
„Eigentlich war es unsere letzte Chance“
Die Bedeutung dieses Spiels war allen bewusst – allen voran dem Trainer selbst. „Ganz ehrlich: Für mich war das heute die letzte Chance“, gibt Youssef offen zu. Bei einer Niederlage wäre der Abstand auf die Nichtabstiegsplätze wohl zu groß geworden. Der Glaube – ohnehin schon angeschlagen – hätte endgültig zu bröckeln gedroht. „Du kannst als Trainer viel sagen. Aber wenn die Spieler selbst nicht mehr glauben, wird es schwierig.“
Mentaler Kampf statt spielerischer Leichtigkeit
Youssef beschreibt eine Mannschaft, die nicht an fehlender Qualität leidet – sondern an der Last der Situation. „Jeder schaut auf die Tabelle. Der Glaube fängt an zu schwinden. Das ist nervenaufreibend.“ Trotzdem lobt er seine Spieler ausdrücklich: „Die Jungs haben bis zum Schluss daran geglaubt. Sie haben Gas gegeben – immer.“ Gerade dieser Wille sei es gewesen, der am Ende den Unterschied gemacht habe.
Ein Tor – und plötzlich lebt alles wieder
Dass der Siegtreffer erst spät fiel, passte zur Dramaturgie dieses Spiels – und vielleicht auch zur bisherigen Saison. „Umso schöner, dass der Ball dann doch noch reingeht.“ Mit dem 1:0 in der Schlussphase wandelte sich die Stimmung schlagartig: Aus Frust wurde Erleichterung, aus Zweifel wieder Hoffnung.
Der fehlende Knipser – und die Hoffnung auf Entwicklung
Ein Problem bleibt jedoch bestehen: die Chancenverwertung. „Uns fehlt manchmal dieser eine Knipser, der die Dinger einfach reinmacht.“ Dennoch setzt Youssef auf Entwicklung statt Resignation: „Ich hoffe, dass die Jungs sich steigern und mit mehr Selbstvertrauen die Chancen nutzen.“
Ein Sieg für den Glauben
Mit dem Erfolg gegen Hohenwestedt hat Inter nicht nur Punkte gesammelt – sondern vor allem eines zurückgewonnen: den Glauben an sich selbst. „Jetzt glauben alle wieder daran – so wie ich auch.“ Ein Satz, der zeigt, wie eng im Abstiegskampf alles beieinanderliegt: Hoffnung und Angst, Zweifel und Mut.
Und genau in diesem Spannungsfeld muss sich Inter Türkspor Kiel nun weiter behaupten.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
