Es gibt Momente im Leben, in denen Worte schwerfallen, und dieser ist zweifellos einer davon. Bis jetzt habe ich bewusst darauf verzichtet in Absprache mit einigen Verantwortlichen der TSG Concoridia Schönkirchen, auf NordKick über den plötzlichen Tod von Jan Sell zu schreiben. Jan, den ich als Kapitän und anfänglichen Weggefährten in Schönkirchen und als späteren Trainerkonkurrenten kennenlernen durfte, ist im Alter von nur 36 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben. Zunächst war es mir wichtig, der Familie und den engen Freunden den Raum und die Privatsphäre zu lassen, ohne dass ich auf Nordkick daraus einen schnellen Artikel mache. Denn manchmal ist es wichtiger, einfach Mensch zu sein statt Journalist.
Der erste Kontakt zu Jan
Vielleicht passt es an dieser Stelle, kurz zu erzählen, wie ich Jan überhaupt kennengelernt habe: Noch bevor es NordKick gab, war ich einmal zu Gast in einem Podcast hier in Kiel bei Pascal Diouri. Jan und Stefan Köpke, der damalige Trainer von Schönkirchen und ein enger Freund von Jan haben diesen Podcast gehört. Sie saßen damals zusammen in der TSG-Kabine, blickten durchs Fenster auf den Kunstrasenplatz hinaus und riefen mich an. Und in diesem Gespräch erzählten sie mir von der Idee, dass ich doch vielleicht genau der Richtige wäre, um nach Schönkirchen zu kommen. Das war mein erster wirklicher Kontakt zu Jan – ein Anruf, der sozusagen die Tür in Richtung Schönkirchen geöffnet hat und letztlich meinen Weg dorthin mitgeprägt hat.
Darum schreibe ich nun doch
Nachdem nun aber der Verein, die TSG Concordia Schönkirchen, an mich herangetreten ist und darum gebeten hat, ein paar persönliche Worte zu verfassen, möchte ich dem natürlich nachkommen. Hier soll kein standardisierter Nachruf stehen, sondern ein sehr persönlicher Rückblick auf einen Menschen, der vielen von uns als Freund, Mitspieler, Kapitän, Trainer, Nationalspieler der dänischen Minderheit und engagierter Teil der Fußballfamilie in Erinnerung bleibt.
Die Stimmen der Freunde – und ein Spendenaufruf
Anschließend werdet ihr hier die Stimmen seiner Freunde und Weggefährten lesen, die Jan noch viel näher standen und deren Worte ihn vielleicht noch einmal aus ganz persönlicher Perspektive würdigen. Am Ende bleibt zu sagen, dass Jan nicht nur eine Lücke im Sport, sondern vor allem in den Herzen seiner Familie und Vertrauten hinterlässt. Er hinterlässt Frau und Hund, und es gibt einen von Schönkirchen organisierten Spendenaufruf, um die Familie in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Der Link dazu wird unter dem Artikel zu finden sein.
Matthias Hoop: „Als ich von Jans Tod erfahren habe, konnte ich es nicht glauben. Es ist einfach unfassbar. Ich habe Jan an der Seitenlinie, auf dem Feld und bei vielen Gesprächen als emphatischen, ruhigen und immer ausgeglichenen Menschen, der immer hilfsbereit war, kennenlernen dürfen. Für den Sport, den er und wir alle so lieben, hat Jan alles getan und ihm war keine Mühe oder Anstrengung zu groß. Jan, ich werde bei jedem Spiel im Kieler Fußball deine Anwesenheit und die anregenden Gespräche vermissen. Mein herzliches Beileid an alle Angehörigen und Freunde.“
Stefan Köpke: „Jan war ein toller, herzlicher und wirklich gerader Typ, der Prinzipien und Vorstellungen hatte, von dem was er wollte und das auch durchgezogen hat. Gerade das hat ihn auch so besonders stark gemacht und hat ihm viel Zuspruch gegeben. Darüber hinaus war er ein überragender Mensch, weil er eine ehrliche Haut war – offen, hilfsbereit und Menschen gegenüber sehr zugewandt. Jan galt als Kämpfer und war Vorbild für viele. Symptomatisch war dafür, wie er sich nach seinen Verletzungen immer wieder zurück gekämpft hat – das war sensationell. Er wird mir/uns an allen Ecken und Enden fehlen – ein ganz feiner Mensch, der jetzt nicht mehr unter uns ist.“
Jon Köpke: „Jan war nicht nur Trainer, er war vor allem ein besonderer Mensch. Mit seiner Art hat er weit über den Fußballplatz hinaus Spuren hinterlassen. Er war jemand, der Klarheit hatte. Er wusste, was er wollte, sprach Dinge offen an und blieb dabei immer ehrlich und direkt – aber nie verletzend. Gerade diese Mischung aus Entschlossenheit und Herzlichkeit machte ihn so besonders. Das machte es auch so verdammt schwer für mich, sich mit ihm zu streiten. Ich verbinde mit Jan so viel mehr, als die gemeinsame Zeit auf dem Platz. Er war interessiert, unterstützend und aufbauend. Jan war nicht nur mein Trainer, er war mein Freund, Ratgeber, meine Stimme der Klarheit, wenn ich mal wieder mit dem Kopf durch die Wand wollte. Mach‘s gut „Onkel“, wir werden dich vermissen!“
Nedeljko Veselinovic: „So einen Spielertyp, wie Jan es war, habe ich mir immer in der Mannschaft gewünscht und umso mehr haben wir uns gefreut, als wir ihn endlich für uns in Heikendorf gewinnen konnten. Nicht nur aufgrund seiner fußballerischen Qualitäten, sondern auch als Mensch, als Charakter war er mit seiner Ausstrahlung enorm wertvoll. Er war ein wichtiges Bindeglied zwischen Trainerteam und Mannschaft und hat alles zusammen gehalten und Verantwortung übernommen. Ich erinnere mich zu gerne an seine Traumtore per Volley nach einer Ecke.“
Alex Löwe: „Ich bin immer noch schockiert und kann es bis heute nicht begreifen. Als ich von Jans Tod erfahren habe, war ich im selben Moment wieder das Kind aus der Grundschule, das morgens bei den Sells klingelte, um seinen Bruder Torben zur Schule abzuholen. Jan war ein Teil meines Aufwachsens, später unser Trainer und immer ein Mensch, zu dem man aufgeschaut hat. Einer, der immer ein offenes Ohr hatte, der ehrlich war, herzlich, verlässlich. Jemand, der mit seiner ruhigen Art und seinem großen Herzen so viele von uns geprägt hat. Ein Vorbild. Wir verlieren nicht nur einen Trainer. Wir verlieren einen einzigartigen, gutherzigen Freund. Es macht unfassbar traurig, dass wir ihn viel zu früh gehen lassen mussten, aber ich bin unendlich dankbar für die Erinnerungen, für die gemeinsamen Jahre, dafür, dass ich ihn kennen durfte und noch einmal unter im Spielen konnte. Danke für alles Jan, du wirst mir fehlen!“
Fynn Krahl: „Als ich die Nachricht erhielt, dass Jan verstorben ist, blieb mir zunächst die Luft weg. Sofort gingen mir tausende Erinnerungen unserer gemeinsamen Zeit durch den Kopf. Jan und ich spielten in meinen ersten Herrenjahren in Schönkirchen zusammen. In dieser Zeit zeigte er mir, was wahren Herrenfußball ausmacht. In den darauffolgenden Jahren kreuzten sich unsere Wege immer wieder, sei es als Mitspieler, Trainer oder auch einfach neben dem Platz. Jan zeichnete sich stets durch seinen besonders herzlichen Charakter aus. Er fand immer die richtigen Wort – in wirklich jeder Situationen. Er half, motivierte, erklärte, feierte und belehrte uns, aber immer mit Feingefühl und einem offenen Herzen. Jan war wirklich ein wunderbarer Mensch. Du wirst uns ALLEN sehr fehlen“
Thomas Bohrmann: „Es ist mir eine Ehre ein paar Sätze zu Jan zu sagen: Der Verlust von Jan, sowohl als Sportler, Trainer aber auch als Weggefährte und Freund ist nicht in Worte zu fassen. Er hinterlässt in jeder Hinsicht eine riesige Lücke nicht nur bei mir sondern bei ALLEN die ihn kannten und ihm nah standen. Er war in jeder Hinsicht Vorbild, Anführer einfach jemand, auf den man sich in jeder Lage vollends verlassen konnte!!Ich kann das alles einfach noch nicht begreifen und bin extrem traurig. Mein tiefstes Mitgefühl gilt seiner Frau Jana, seinen Eltern, seinen Brüdern und allen anderen Familienmitgliedern.
Niklas Graucop: „Die Nachricht über den Tod von Jan hat uns alle schockiert und zutiefst erschüttert. Jan war für uns weit mehr als nur ein Trainer. Er war Freund, Ratgeber, Zuhörer und vor allem ein Mensch, der in jeder Lebenslage für einen da war. Jan war ein lebensfroher Mensch, voller Energie, Motivation, Begeisterung und Leidenschaft für das, was er tat und liebte. Er hat viel Zeit und Herzblut in unsere Mannschaft investiert. Dabei wollte er uns in jedem Training, in jedem Spiel besser machen – und das nicht nur als Fußballer, sondern auch als Menschen. Jan hat uns immer vermittelt, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten und füreinander einzustehen. Dadurch hat er es geschafft, aus uns eine echte Einheit zu formen. Sein Lachen, seine Energie, seine Liebe zum Fußball, seine klaren Worte an der Seitenlinie und in der Kabine – all das wird uns fehlen. Doch was bleibt, sind die Werte, die er uns mitgegeben hat. Der Zusammenhalt, den er geschaffen hat. Und die Erinnerungen, die uns niemand nehmen kann.“
Florian Pöhls: „Die Nachricht hat mich tief erschüttert. Sofort schossen mir Bilder der Vergangenheit in den Kopf. Ich hatte viele tolle Gespräche mit ihm. Er war ein toller Mensch und wird uns extrem fehlen.“
Semih Aydemir: „Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Weggefährten, liebe Mannschaft, wir stehen heute hier mit schwerem Herzen, um Abschied zu nehmen von Jan Robert Sell – einem Menschen, der viel zu früh von uns gegangen ist. Noch immer fällt es uns schwer, zu begreifen, dass er nicht mehr unter uns ist. Die Nachricht von seinem Tod hat uns tief erschüttert, sie hat uns schockiert, sie hat eine Lücke hinterlassen, die sich nicht so leicht schließen lässt.
Wir kennen Jan sehr, sehr, sehr lange. Und in all diesen Jahren haben wir nie etwas Falsches von ihm gehört oder gesehen. Kein böses Wort, kein falsches Spiel, keine Hintergedanken. Jan war aufrichtig, echt, verlässlich. Einer von denen, auf die man sich immer verlassen konnte.
Wenn es Probleme gab, ganz egal welcher Art, Jan war da. Er hat nicht weggeschaut. Er hat nicht gezögert. Er wollte reden, wollte vermitteln, wollte innerhalb der Mannschaft alles klären. Für ihn zählte der Zusammenhalt. Für ihn war wichtig, dass wir miteinander sprechen, dass wir füreinander einstehen. Er war nicht nur Teil der Mannschaft, er war ihr Herz.
Jan hatte immer ein offenes Ohr. Wirklich immer. Egal, ob jemand Sorgen hatte, ob es Streit gab oder ob man einfach jemanden brauchte, der zuhört, Jan war da. Und er war nicht nur körperlich da, sondern mit ganzem Herzen, mit ehrlichem Interesse, mit Verständnis, mit dieser ruhigen, warmen Art, die einem sofort das Gefühl gab: „Du bist nicht allein.“
Er war für jeden da: Für Freunde, für die Mannschaft, für seine Familie, für alle, die ihn kannten. Und genau das macht seinen Verlust so unbegreiflich schwer. Es fühlt sich falsch an, dass jemand, der so viel gegeben hat, so früh gehen musste.
Wir sind erschüttert. Wir sind traurig. Wir sind sprachlos. Aber wir sind auch dankbar. Dankbar für die Zeit, die wir mit ihm verbringen durften. Für die Gespräche, für die gemeinsamen Momente, für sein Lachen, für seine Loyalität, für seine Art, Dinge klären zu wollen, statt sie eskalieren zu lassen.
Jan, du hast Spuren hinterlassen: In unseren Herzen, in unserer Mannschaft, in unserem Leben. Und diese Spuren werden bleiben. Auch wenn du viel zu früh von uns gegangen bist – das, was du uns gegeben hast, bleibt: Dein Zusammenhalt, dein Wille, Probleme zu lösen, dein offenes Ohr, deine Freundschaft. Wir werden dich vermissen – unendlich!
Aber wir werden dich auch in Ehren halten. Und vielleicht ist es jetzt an uns, das weiterzuführen, was dir so wichtig war: Füreinander da zu sein, miteinander zu sprechen und zusammenzuhalten.
Mach es gut, Jan! Wir tragen dich in unseren Herzen. Für immer TSG Liga!„
Der Link zum Spendenaufruf: Spendenaktion von Felix Wagner: For evigt – „Für immer“, YNWA!
Artikel: Ole Jacobsen, Bild: TSG Concordia Schönkirchen.
