„Energie ist der Schlüssel“ – Tim Walter vor Elversberg

Die erste offizielle Spieltags-Pressekonferenz von Tim Walter ist Geschichte. Am Samstag (Anstoß 13 Uhr) empfängt Holstein Kiel die SV Elversberg, rund 10.500 Tickets sind bislang verkauft, die Tageskassen öffnen regulär. Doch sportlich war vor allem eines spürbar: Walter setzt auf Energie – und Pragmatismus. „Es geht nicht um mich, es geht um den Verein“, sagte der neue Cheftrainer mehrfach. Und das Wort „Energie“ fiel auffallend oft.

„Sehr positiver erster Eindruck“

Walter wirkte offen, klar und zugleich kontrolliert optimistisch. Der erste Eindruck von Mannschaft und Umfeld? „Sehr positiv. Es hat sich viel verändert – nicht nur ich selber, auch die Begebenheiten im Umfeld. Aber viele Verantwortliche kenne ich noch sehr gut. Das hat es mir erleichtert.“ Von der Mannschaft zeigte er sich angetan: „Die Jungs bringen Elan und Engagement mit. Das sind sehr gute Voraussetzungen.“

Drei Tage – keine Revolution

Walter dämpfte zugleich Erwartungen an schnelle Wunderheilung. „In drei Tagen kann man nicht alles verändern. Man kann keine Wunderdinge erwarten.“ Stattdessen formulierte er konkrete Ansatzpunkte: geringere Abstände im Stellungsspiel, mehr Kompaktheit, bessere Distanzen im Gegenpressing, klarere Abläufe im Defensivverhalten.

„Wir liegen bei der Balleroberung im unteren Drittel. Da müssen wir ansetzen. Meine Mannschaften waren immer die besten im Gegenpressing – also können sie defensiv nicht so schlecht gewesen sein.“ Auffällig: Walter betonte immer wieder, dass sein Fußball nicht nur aus Ballbesitz bestehe. „Ballbesitz funktioniert ohne Gegenpressing und defensive Arbeit überhaupt gar nicht.“

Mut statt Risiko – Pragmatismus statt Dogma

Auf die Frage, ob nun das „typische Tim-Walter-Spiel“ und ein Offensivspektakel zu erwarten sei, reagierte er differenziert. „Ich nenne meine Spielweise eher mutig – das kann man so oder so auslegen. Aber es geht nicht um mich. Es geht darum, es so einfach wie möglich für die Jungs zu halten.“

Er sprach von Prinzipien – aber auch davon, dass Prinzipien Zeit brauchen. „Mit Sicherheit wird es Elemente geben. Aber wir denken pragmatisch. Wir wollen den Jungs kurze Schlüssel an die Hand geben, wie sie besser das Schloss aufschließen.“ Ein klarer Hinweis: Walters Spielidee wird nicht dogmatisch übergestülpt.

Energie, Freude, Überzeugung

Ein zentraler Punkt war für ihn die mentale Ebene. „Wir wollen positive Energie ausstrahlen und den Jungs Freude am Spiel vermitteln. Sie müssen den Mut aus dem Training auf den Platz bringen.“

Er sprach von „Ruhe ins Fahrwasser bringen“ – nicht von radikalem Umbruch. Erfolg definiert er dabei nüchtern: „Erfolg ist am Ende immer am Ergebnis messbar. Kleine Kinder spielen Fußball, weil sie gewinnen wollen. Wir wollen auch immer gewinnen.“

Personal: Alle verfügbar – Torwartfrage offen

Personell gibt es keine neuen Ausfälle. Steven Skrzybski ist auf dem Weg der Besserung, ansonsten stehen – bis auf die bekannten Langzeitverletzten – alle zur Verfügung. Zur Startelf wollte Walter naturgemäß nichts Konkretes sagen. „Die Jungs mit der meisten Energie werden auf dem Platz stehen.“

Interessant wurde es bei der Torwartfrage. Jonas Krumrey ist aktuell die Nummer eins – doch Walter kennt Timon Weiner aus früherer Zeit. Er hatte ihn damals als jungen Keeper nach Kiel geholt. „Bevor ich etwas entscheide, rede ich zuerst mit den Jungs. Dann werdet ihr sehen, wer am Samstag im Tor steht“, ließ er die Entscheidung völlig offen, lobte aber auch die fußballerischen Qualitäten vom aktuellen Stammtorwart Jonas Krumrey.

Elversberg: „Sehr beeindruckt“

Mit der SV Elversberg wartet direkt ein spielstarker Gegner. „Eine sehr gute Mannschaft, sehr ballbesitzorientiert. Der Trainer hat eine klare Handschrift.“ Walter sieht darin sogar einen Vorteil: „Wenn ein Gegner eine klare Idee hat, kann man darauf etwas legen.“ Er lobte die Arbeit in Elversberg ausdrücklich – stellte aber klar: „Für uns geht es darum, die Überzeugung zu haben, solche Spiele zu gewinnen.“

Keine Panik, kein Drama – sondern Klarheit

Was auffiel: Walter spricht viel über Einheit. „Wir müssen als Verein, als Team und Staff als Einheit auftreten.“ Keine Hektik. Keine Revolution. Sondern Struktur. Die Tabelle? Kennt er. Aber sie bestimmt nicht die Sprache. „Wir leben im Hier und Jetzt.“

Fazit: Klarer Kurs, kontrollierte Aufbruchsstimmung

Tim Walter wirkt nicht wie ein Feuerwehrmann, der hektisch löscht. Sondern wie jemand, der Struktur in ein nervöses Umfeld bringen will. Energie – ja! Mut – definitiv! Kompaktheit – unbedingt!

Am Samstag gegen Elversberg wird sich erstmals zeigen, wie viel von dieser neuen Energie schon auf dem Platz ankommt.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.