„So darfst du gegen Bayern keine Geschenke verteilen“ – Alexander Blessin im Interview

Nach der deutlichen 0:5-Niederlage gegen den FC Bayern München stellte sich St. Paulis Trainer Alexander Blessin den Fragen der Medien. Dabei sprach er offen über individuelle Fehler, verpasste Chancen – und die entscheidende Phase im Abstiegskampf.

„Diese Fehler waren in der Form nicht zu sehen“

Herr Blessin, waren es am Ende zu viele Geschenke an den Gegner?

„Ja, absolut. Das waren Geschenke – und zwar in einer Häufung, wie ich sie selten gesehen habe. Du kannst Spiele verlieren, dann verlierst du vielleicht 0:2. Aber die Art und Weise, wie die Tore gefallen sind, war einfach zu viel. Das erste Gegentor kann passieren, das war Unaufmerksamkeit. Aber die anderen Treffer entstehen aus Ballverlusten und fehlender Konsequenz – das tut dann richtig weh.“

„Nach acht Minuten schon so ein Gegentor – das schmerzt“

Dennoch – gerade das frühe 0:1 nach einer Flanke war ärgerlich…

„Ja, extrem. Wir hatten uns genau darauf vorbereitet. Wir wussten, wie Bayern über die Außen kommt und dann in die Box spielt. Und dann verteidigst du das nicht sauber – der Abstand ist zu groß, wir schlafen in der Situation. Nach acht Minuten so ein Tor zu kassieren, ist natürlich besonders bitter.“

„Wir haben die richtige Höhe nicht gefunden“

Wo lagen die größten Probleme im Spiel?

„Wir haben nicht die richtige Höhe gefunden. In der ersten Halbzeit war das noch ordentlich, da hatten wir auch Ballgewinne im Zentrum. Aber in der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr konsequent genug – weder im Pressing noch im Aufbau. Und dann verlierst du die Bälle und wirst sofort bestraft. Gegen Bayern reicht das eben.“

„Andere Gegner bestrafen das vielleicht nicht so“

War es auch ein Qualitätsunterschied?

„Natürlich. Gegen andere Gegner hast du vielleicht Glück und wirst nicht sofort bestraft. Aber Bayern spielt das dann eben perfekt aus. Die Qualität bei den Pässen, die Präzision – das ist einfach auf einem anderen Niveau. Trotzdem sind die Fehler vermeidbar, und genau das ärgert mich.“

„Das 1:0 so lange wie möglich halten“

Was war der Plan zur Halbzeit?

„Wir wollten das 1:0 so lange wie möglich halten und hoffen, dass uns vielleicht eine Situation zum Ausgleich reinrutscht. So ein Spiel kann kippen. Aber dann kassieren wir direkt nach der Pause zwei schnelle Tore – und das bricht uns dann komplett.“

„Die zweite Halbzeit war das große Problem“

Ist das ein wiederkehrendes Thema?

„Ja, leider. Wenn ich auf die letzten Spiele schaue, haben wir in den zweiten Halbzeiten nachgelassen. Gegen Freiburg haben wir Punkte verschenkt, heute wieder. Das müssen wir dringend aufarbeiten. Es sind oft individuelle Fehler, aber auch das Gefühl für die Situationen fehlt dann.“

„Die Frustration ist ein gutes Zeichen“

Die Spieler wirkten nach dem Spiel sehr frustriert…

„Das ist auch richtig so. Die Jungs wissen selbst, dass wir uns besser präsentieren können. Die erste Halbzeit war in Ordnung, aber die zweite eben nicht. Diese Wut kann aber auch positiv sein – weil wir wissen, dass wir es besser können. So viele Gegentore sind auch fürs Torverhältnis im Abstiegskampf schlecht – das wollten wir unbedingt vermeiden.“

„Jetzt kommt die Crunch-Time“

Wie wichtig wird das nächste Spiel?

„Extrem wichtig. Jetzt kommen die direkten Duelle, das ist die entscheidende Phase. Das Spiel gegen Köln ist kein klassisches Sechs-Punkte-Spiel, aber es geht genau in diese Richtung. Da müssen wir da sein.“

„Gelbsperre tut weh – aber das darf nicht passieren“

Joel Chima Fujita fehlt nun gesperrt…

„Das ist ärgerlich. Gerade in so einer Situation darfst du dir so eine Gelbe Karte nicht holen. Wenn es ein taktisches Foul ist – okay. Aber so? Da müssen wir drüber sprechen.“

„So dürfen wir uns nicht präsentieren“

Warum kam es zu personellen Reaktionen während des Spiels?

„Mir hat in einigen Situationen das Verhalten nicht gefallen. Es ging um fehlende Aktivität, falsche Entscheidungen – das entspricht nicht dem, was wir uns vorstellen. Deshalb mussten wir reagieren.“

Fazit

Alexander Blessin fand nach dem Spiel klare Worte. Nicht die Niederlage an sich, sondern die Art und Weise schmerzt den St.-Pauli-Coach besonders. Mit Blick auf die kommenden Wochen ist jedoch klar: Jetzt beginnt die entscheidende Phase im Abstiegskampf – und genau dort will St. Pauli ein anderes Gesicht zeigen.

Interview und Bild: Ole Jacobsen.