Der FC Bayern München hat beim 5:0-Erfolg am Millerntor nicht nur einen souveränen Sieg eingefahren, sondern auch Bundesliga-Geschichte geschrieben. Mit dem Treffer von Leon Goretzka zum zwischenzeitlichen 2:0 knackte der Rekordmeister die historische Torbestmarke und stellte mit erst 102 und nun 105 Saisontoren einen neuen Liga-Rekord auf. Doch trotz dieses Meilensteins bleibt die Stimmung beim Tabellenführer bewusst kontrolliert.
Eberl: „Das ist genau die Geschichte unserer Mannschaft“
Sportvorstand Max Eberl hob nach der Partie vor allem den Teamgedanken hervor – und stellte Goretzka exemplarisch in den Mittelpunkt: „Er hat heute eine sehr gute Leistung gebracht und macht das Tor – das sind genau die Momente, die du brauchst, um wieder in den Flow zu kommen.“
Dass ausgerechnet Goretzka, der beim FC Bayern häufig nur eine Nebenrolle spielt und den Verein im Sommer wohl verlassen wird, den Rekordtreffer erzielt, passt für Eberl ins Gesamtbild: „Das ist eine schöne Geschichte. Er hat sich im Winter entschieden zu bleiben, das war richtig und wichtig für uns. Und jetzt belohnt er sich mit diesem Moment.“
„Emotionen gehören dazu“
Auch die Intensität der Partie – inklusive hitziger Duelle und emotionaler Szenen, speziell von Michael Olise ordnete Eberl ein: „Er ist ein unfassbar guter Fußballer, der auch mal einstecken muss. Die Zuschauer versuchen natürlich Einfluss zu nehmen. Aber solche Emotionen gehören zum Fußball dazu.“
Olise hatte nach seinem Tor sehr provokant in Richtung der Zuschauer gejubelt und klatschte auch bei seiner Auswechslung dem pfeifenden Publikum ironisch Beifall.
Rotation zahlt sich aus – Bayern bleiben flexibel
Mit Blick auf die personelle Situation zeigte sich Eberl zufrieden mit der Breite im Kader. Trotz Rotation präsentierten sich die Münchner dominant: „Wir haben einen kompakten, guten Kader. Jeder kann in jedem Spiel eine entscheidende Rolle spielen. Genau das brauchst du, um Titel zu gewinnen.“
Auch der 18-jährige Debütant Bara Sapoko Ndiaye fügte sich nahtlos ein und hinterließ einen stabilen Eindruck: „Er kam rein, hatte direkt Aktionen und wirkte überhaupt nicht nervös. Das hat uns sehr gefreut.“
Goretzka: „Spiegelt eine außergewöhnliche Saison wider“
Torschütze Leon Goretzka, der in der Kabine eine Rede halten musste wegen seines Rekordtores, selbst nahm den Rekord eher nüchtern zur Kenntnis – und stellte die Mannschaft in den Vordergrund: „Das ist eine schöne Sache, spiegelt aber vor allem wider, was für eine außergewöhnliche Saison wir spielen.“
Mit einem Augenzwinkern erinnerte er an einen weniger ruhmreichen Eintrag in die Geschichtsbücher: „Ich hatte ja auch mal das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte – vielleicht ist das jetzt eine ganz gute Korrektur.“
Offensivpower als Schlüssel zum Rekord
Die enorme Torausbeute erklärt sich für Goretzka aus mehreren Faktoren: „Harry Kane spielt natürlich eine große Rolle, unsere Flügelspieler haben enormen Zug zum Tor. Aber auch unser Pressing ist extrem stark – wir gewinnen viele Bälle hoch und kommen dadurch zu einfachen Chancen.“
Kompany: „Rekorde sind nicht selbstverständlich“
Trainer Vincent Kompany stellte klar, dass für ihn weiterhin die Punkte im Vordergrund stehen: „Für mich waren die drei Punkte das Wichtigste. Aber natürlich ist es schön, wenn man so einen Rekord erreicht.“
Dabei betonte er die historische Dimension: „Bei Bayern gibt es seit Jahrzehnten außergewöhnliche Generationen. Einen Rekord hier zu brechen, ist extrem schwierig – das zeigt die Qualität der Mannschaft.“
Fokus bleibt auf Real Madrid
Trotz aller Euphorie richtet sich der Blick sofort wieder nach vorne. Das Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid steht bevor – und dort wartet eine ganz andere Herausforderung.
Eberl formulierte es treffend: „Wir haben eine kontrollierte Euphorie. Das, was wir erreicht haben, kann uns keiner nehmen – aber wir wissen genau, dass wir noch nicht durch sind.“ Auch Goretzka warnte vor zu viel Selbstsicherheit: „Gegen Real darfst du dir keine Nachlässigkeiten erlauben. Wir sind selbstbewusst, aber wir wissen genau, was auf uns zukommt.“
Fazit
Der FC Bayern verbindet aktuell zwei Dinge nahezu perfekt: historische Offensivpower und mannschaftliche Geschlossenheit. Der Rekord ist gefallen – doch intern wird er nicht gefeiert wie ein Titel. Stattdessen gilt der Fokus bereits den entscheidenden Wochen der Saison.
Oder, wie es Kompany formuliert: „Jetzt setzen wir wieder auf null – und geben bis zum Saisonende Vollgas.“
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
