Holstein-Keeper Timon Weiner: „Natürlich habe ich über Abschied nachgedacht“

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Timon Weiner dachte im Winter über einen möglichen Abgang von Holstein Kiel nach

Die Stimmung rund um Holstein Kiel könnte aktuell kaum besser sein. Beim öffentlichen Training am Mittwoch herrschte auf dem Trainingsgelände eine spürbar lockere und gelöste Atmosphäre. Nach dem vorzeitig gesicherten Klassenerhalt nahmen sich die Profis noch mehr Zeit als sonst für ihre Fans.

Autogramme schreiben gehört bei den Störchen zwar ohnehin dazu, doch dieses Mal war es anders. Deutlich mehr Zuschauer als sonst waren gekommen – und nahezu jeder Spieler blieb geduldig bei jedem einzelnen Fan stehen. Selbst Cheftrainer Tim Walter schrieb fleißig Autogramme und posierte für Fotos.

Die Mannschaft wirkte gelöst. Gleichzeitig aber auch fokussiert. Denn obwohl der Klassenerhalt geschafft ist, wollen die Kieler die Saison mit maximal möglicher Punktzahl beenden. Im Mittelpunkt der anschließenden Medienrunde stand Stammkeeper Timon Weiner. Für den 27-Jährigen ist die aktuelle Phase nämlich weit mehr als nur ein sportlicher Erfolg – es ist die späte Belohnung für ein extrem schwieriges Jahr.

Vom Bankdrücker zurück zur Nummer eins

Weiner hatte es zuletzt alles andere als leicht. Ende der vergangenen Saison verlor er seinen Stammplatz, saß danach häufig nur noch auf der Bank. Auch in dieser Spielzeit musste er lange hinter Jonas Krumrey zurückstecken.

Erst mit dem Trainerwechsel zu Tim Walter änderte sich plötzlich alles. Walter machte Weiner wieder zur Nummer eins – und der zahlte das Vertrauen eindrucksvoll zurück. „Ich habe lange auf diese Chance gewartet“, sagt Weiner offen. „Viele andere hätten da wahrscheinlich längst aufgegeben.“

Der Torwart spricht erstaunlich reflektiert über die vergangenen Monate. „Es war echt kein einfaches Jahr für mich“, gibt er zu. „Aber ich habe trotzdem weiter Gas gegeben. Ich wusste: Wenn die Chance irgendwann kommt, dann möchte ich bereit sein.“ Genau das sei nun passiert.

Die Jagd nach der weißen Weste

Aktuell wirkt Weiner so stabil wie lange nicht mehr. Mehrere Spiele in Folge ohne Gegentor sprechen für sich. Noch elf Minuten fehlen ihm bis zur Marke von 300 Minuten ohne Gegentor. „Natürlich freue ich mich über jedes Zu-Null-Spiel“, sagt der Keeper. „Dann hat man erstmal nicht so viel falsch gemacht.“

Besonders hebt er dabei die Arbeit der gesamten Mannschaft hervor. „Wenn ich sehe, wie sich die Jungs aktuell in jeden Ball reinschmeißen, dann ist das einfach ein riesiges Kompliment an die ganze Mannschaft.“ Trotzdem merkt man: Die aktuelle Serie bedeutet ihm persönlich viel. „Der Trainer hat mir extrem den Rücken gestärkt“, erklärt Weiner. „Wenn du dieses Vertrauen spürst, dann gehst du auch anders in Spiele rein.“

Gedanken an Abschied waren real

Dass Weiner heute wieder fest zwischen den Pfosten steht, war vor einigen Monaten keineswegs selbstverständlich. Der gebürtige Essener gibt offen zu, dass er im Winter intensiv über einen Abschied nachgedacht hatte. „Natürlich habe ich darüber nachgedacht“, sagt er ehrlich. „Ich bin 27 Jahre alt – das ist ein gutes Fußballalter für einen Torwart.“

Die Situation nagte an ihm. Schließlich hatte er schon früher jahrelang auf seine Chance hingearbeitet. „Ich saß lange auf der Tribüne und auf der Bank. Ich musste mir meinen Platz hart erkämpfen.“ Doch aufgeben wollte er nie. „Ich identifiziere mich extrem mit dem Verein und der Region“, betont Weiner. „Deshalb habe ich einfach weiter alles gegeben.“ – Damals wie heute.

Tim Walter als Schlüsselfigur

Dass Weiner nun wieder Stammkeeper ist, führt er klar auf Tim Walter zurück. Der Trainer habe ihm nicht nur sportlich geholfen, sondern ihm vor allem das entscheidende Vertrauen geschenkt. „Ich bin Tim einfach sehr dankbar“, sagt Weiner mehrfach während des Gesprächs.

Auch deshalb beobachtet er die aktuelle Trainerdiskussion mit besonderem Interesse. Noch ist offen, wie es mit Walter nach der Saison weitergeht. „Ich würde mich freuen, wenn er über die Saison hinaus bleibt“, sagt Weiner. „Aber das liegt leider nicht in unseren Händen.“

Jetzt soll noch mehr kommen

Trotz des bereits gesicherten Klassenerhalts ist bei den Störchen keine Sättigung zu spüren. Im Gegenteil. „Wir haben diese Saison genug verloren“, sagt Weiner deutlich. „Jetzt läuft es – warum sollten wir den Flow nicht weiter mitnehmen?“ Auch die mögliche beste Saisonplatzierung seit Monaten reizt die Mannschaft weiterhin. „Natürlich hat die Endplatzierung Bedeutung“, sagt Weiner. „Da geht es ja auch um TV-Gelder und Gelder für jeden einzelnen.“

Vor allem aber spürt man: Die Kieler wollen diese positive Phase genießen. Nach monatelanger Kritik, schwierigen Wochen und sportlichen Rückschlägen scheint die Mannschaft endlich wieder bei sich angekommen zu sein. Und mittendrin steht plötzlich wieder Timon Weiner – der Mann, der fast ein Jahr auf genau diesen Moment warten musste.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

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