Der VfB Kiel steht im Rückspiel der Aufstiegsrelegation zur Verbandsliga unter Druck. Die Mannschaft von der Waldwiese unterlag im Hinspiel vor rund 350 Zuschauern dem TS Einfeld mit 1:3 und muss nun auswärts einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen, um den Traum von der Rückkehr in die Verbandsliga am Leben zu halten.
Dabei sah es lange Zeit nicht nach einer Heimniederlage für die Kieler aus. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit ging der VfB kurz nach dem Seitenwechsel in Führung und hatte die Partie scheinbar unter Kontrolle. Doch ein Doppelschlag der Gäste innerhalb weniger Minuten stellte den Spielverlauf völlig auf den Kopf.
Nervöse erste Halbzeit auf schwierigem Geläuf
Von Beginn an war beiden Mannschaften die Bedeutung dieser Partie anzumerken. Die erste Halbzeit verlief äußerst zerfahren und war von zahlreichen Zweikämpfen, Fehlpässen und Nervosität geprägt. Allerdings hatten die Spieler auf beiden Seiten auch mit den schwierigen Platzverhältnissen auf der Waldwiese zu kämpfen. Der holprige und schlecht gemähte Rasen machte geordnete Kombinationen nahezu unmöglich. Viele Bälle versprangen, sodass ansehnlicher Fußball nur selten zustande kam.
Die Zuschauer sahen deshalb vor allem ein intensives Kampfspiel, in dem beide Teams darauf bedacht waren, keinen entscheidenden Fehler zu machen. Torchancen blieben Mangelware. Für Diskussionen sorgte eine Szene im Kieler Strafraum, als ein Einfelder Angreifer nach einem Zweikampf zu Boden ging, der Pfiff des Schiedsrichters jedoch ausblieb. Auf der Gegenseite hatte der VfB seine beste Möglichkeit durch einen Lattentreffer. Weitere Höhepunkte gab es nicht, sodass es folgerichtig mit einem torlosen Unentschieden in die Kabinen ging.
Pagel bringt die Waldwiese zum Jubeln
Die zweite Halbzeit begann für den VfB Kiel nach Maß. Nur wenige Augenblicke nach Wiederanpfiff setzte sich Yannik Imm auf der linken Seite stark durch. Nach einem Haken gegen seinen Gegenspieler drang er in den Strafraum ein und brachte den Ball präzise an den langen Pfosten. Dort war Timo Pagel (46.) zur Stelle und köpfte den Ball zum umjubelten 1:0 ins Netz.
Der Führungstreffer verlieh den Gastgebern sichtbar Auftrieb. Kurz darauf kam der VfB nach einer Ecke zu einer weiteren guten Gelegenheit. Auch spielerisch wirkten die Kieler nun deutlich präsenter und konnten leichte Vorteile für sich verzeichnen.
Ausgleich aus dem Nichts
Während der VfB auf das zweite Tor drängte, hatte Einfeld eine große Chance zum Ausgleich. Nach einer gefährlichen Aktion der Gäste musste Felix Beeck auf der Torlinie retten und bewahrte seine Mannschaft zunächst vor dem Gegentreffer.
Doch nur wenig später fiel das 1:1. Nach einem langen Ball herrschte Unordnung in der Kieler Defensive. Begünstigt durch die schwierigen Platzverhältnisse sprang der Ball unglücklich durch die Hintermannschaft. Tim-Lucas Stegelmann (56.) reagierte am schnellsten und stocherte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Der Ausgleich kam zu einem Zeitpunkt, als die Gastgeber eigentlich das aktivere Team waren und insbesondere über die linke Seite immer wieder gefährlich wurden.
Einfelder Doppelschlag entscheidet das Spiel
Was anschließend geschah, überraschte viele der Zuschauer auf der Waldwiese. Statt eines offenen Schlagabtauschs übernahm plötzlich Einfeld die Kontrolle und schlug eiskalt zu. Innerhalb weniger Minuten trafen zunächst Luca Grammes (64.) zum 2:1 und anschließend Christoph Wegener (67.) zum 3:1 für die Gäste.
Aus einer vielversprechenden Ausgangslage wurde für den VfB damit ein bitterer Nachmittag. Die Kieler hatten das Spiel nach der Führung eigentlich in die richtige Richtung gelenkt, wurden durch den Ausgleich jedoch aus dem Konzept gebracht und mussten anschließend die entscheidenden Nackenschläge hinnehmen.
Noch ist alles möglich
Trotz der Heimniederlage ist die Aufstiegsfrage noch längst nicht entschieden. Im Rückspiel beim TS Einfeld benötigt der VfB Kiel nun allerdings eine deutliche Leistungssteigerung und muss einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen.
Die starke Rückrunde mit 13 Siegen aus 15 Spielen hat gezeigt, dass die Mannschaft von der Waldwiese dazu durchaus in der Lage ist. Nun gilt es, die Enttäuschung über das Hinspiel schnell abzuschütteln und in Einfeld noch einmal alles in die Waagschale zu werfen. Die Verbandsliga ist für den Traditionsverein weiterhin erreichbar – der Weg dorthin ist nach dem 1:3 jedoch deutlich steiniger geworden.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
