Der Hamburger SV könnte in diesem Sommer nicht nur Spieler verpflichten, sondern auch einen seiner prägenden Akteure der vergangenen Jahre verlieren. Nach übereinstimmenden Medienberichten verdichten sich die Anzeichen, dass Robert Glatzel den Bundesliga-Aufsteiger verlassen und zum VfL Wolfsburg wechseln könnte. Noch ist nichts unterschrieben, doch die Entwicklung scheint klar in eine Richtung zu gehen.
Glatzel soll sich bereits entschieden haben
Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass sich der 32-Jährige einen Wechsel nach Wolfsburg vorstellen kann und die Gespräche mit den Niedersachsen weit fortgeschritten sind. Demnach winkt dem HSV-Stürmer ein Vertrag bis 2028 beim Bundesliga-Absteiger. Während zwischen Spieler und möglichem neuem Arbeitgeber offenbar bereits weitgehend Einigkeit herrscht, müssen sich die Vereine noch über die Ablöse verständigen. Da Glatzels Vertrag in Hamburg noch bis 2027 läuft, würde der HSV für seinen Torjäger eine Ablösesumme erhalten. Diese könnte nach verschiedenen Medienberichten zwischen einer und 1,5 Millionen Euro liegen.
Vom Publikumsliebling zur Rotationsrolle
Für viele HSV-Fans wäre ein Abschied des Angreifers emotional. Seit seinem Wechsel von Cardiff City im Sommer 2021 entwickelte sich Glatzel zu einem der erfolgreichsten Stürmer der Vereinsgeschichte der jüngeren Vergangenheit. In 150 Pflichtspielen erzielte er 84 Tore und bereitete weitere 22 Treffer vor. Mit seinen Toren hatte er entscheidenden Anteil am Bundesliga-Aufstieg.
Dennoch veränderte sich seine Situation zuletzt spürbar. Verletzungen warfen den Angreifer immer wieder zurück. Zudem setzte Trainer Merlin Polzin zunehmend auf andere Profile im Angriff. Zwar spielte Glatzel besonders in der Schlussphase der Saison wieder häufiger eine Rolle, als unumstrittener Stammspieler galt er allerdings nicht mehr. Bereits im Frühjahr hatte der Münchner öffentlich angedeutet, dass er eine ähnliche sportliche Situation nicht noch einmal erleben möchte.
Wolfsburg baut für die 2. Liga um
Beim VfL Wolfsburg läuft nach dem überraschenden Abstieg der Neuaufbau für die Zweitliga-Saison auf Hochtouren. Mit Tobias Strobl wurde bereits ein neuer Cheftrainer vorgestellt. Zudem verpflichteten die Niedersachsen zuletzt Fraser Hornby von Darmstadt 98. Glatzel soll nun als erfahrener Torjäger ein wichtiger Baustein für das Projekt Wiederaufstieg werden.
Nach den Abgängen und möglichen weiteren Veränderungen im Wolfsburger Angriff sucht der VfL nach Erfahrung, Führungsqualität und nachgewiesener Zweitliga-Torgefahr – Eigenschaften, die Glatzel zweifellos mitbringt.
Was bedeutet das für den HSV?
Sportlich wäre der Verlust durchaus verkraftbar, auch wenn Glatzel weiterhin seine Qualitäten besitzt. Die Verantwortlichen um Claus Costa und Merlin Polzin arbeiten bereits an einer Verjüngung und Veränderung der Offensive. Mit den eingesparten Gehaltskosten und einer möglichen Ablösesumme könnte zusätzlicher Spielraum für neue Verpflichtungen entstehen.
Gleichzeitig würde der HSV aber nicht nur einen Torjäger verlieren, sondern auch eine Identifikationsfigur. Glatzel gehörte in den vergangenen Jahren zu den Gesichtern des Aufstiegsprojekts und genoss bei den Fans große Anerkennung.
Noch ist nichts entschieden
Stand jetzt fehlt weiterhin die Einigung zwischen den Vereinen. Solange keine Unterschriften gesetzt sind, bleibt ein Verbleib in Hamburg theoretisch möglich. Die Gesamtlage deutet allerdings darauf hin, dass sich die Wege von Robert Glatzel und dem HSV nach fünf gemeinsamen Jahren im Sommer trennen könnten. Für viele Fans wäre das ein emotionaler Abschied – sportlich aber womöglich ein Schritt, mit dem beide Seiten leben können.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
