Ehemaliger Holstein- und Werder-Coach verliert nach internem Machtkampf seinen Posten – Philosophische Differenzen mit Jürgen Klopp sollen ausschlaggebend gewesen sein
Die Entscheidung kommt überraschend – zumindest auf den ersten Blick. RB Leipzig hat sich von Cheftrainer Ole Werner getrennt. Der ehemalige Trainer von Holstein Kiel und Werder Bremen muss den Bundesligisten trotz einer sportlich erfolgreichen Saison verlassen. Nach übereinstimmenden Medienberichten sollen vor allem unterschiedliche Auffassungen über die sportliche Ausrichtung des Klubs sowie ein tiefgreifender Konflikt mit Red Bulls Fußballchef Jürgen Klopp zur Trennung geführt haben.
Dabei hatte Werner Leipzig erst im vergangenen Sommer übernommen und den XXL-Umbruch nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Xavi Simons, Šeško und Openda gemeistert. Trotz dieser personellen Veränderungen führte er RB zurück in die Champions League – sportlich eine beachtliche Leistung.
Philosophien prallten offenbar aufeinander
Laut mehreren Medienberichten soll es hinter den Kulissen jedoch schon seit Monaten geknirscht haben. Während Klopp auf die klassische Red-Bull-DNA mit aggressivem Pressing, maximaler Intensität und Viererkette setzte, verfolgte Werner offenbar einen flexibleren Ansatz und hielt unter anderem an einer Dreierkette als taktischer Variante fest.
Aus den unterschiedlichen Ansichten entwickelte sich demnach ein grundlegender Konflikt über die zukünftige Spielphilosophie des Vereins. Die Zusammenarbeit zwischen Klopp und Werner soll seit dem vergangenen Herbst zunehmend belastet gewesen sein.
Vereinsführung hielt offenbar zunächst an Werner fest
Bemerkenswert ist dabei, dass Werner offenbar schon deutlich früher hätte gehen können. Berichten zufolge drängte Klopp intern bereits in der Winterpause sowie erneut im Frühjahr auf eine sofortige Trennung.
Doch Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer und Red-Bull-CEO Oliver Mintzlaff sollen sich zunächst gegen diesen Schritt gestellt und Werner das Vertrauen ausgesprochen haben. Sie wollten den Trainer die Saison zu Ende führen lassen – eine Entscheidung, die angesichts der erfolgreichen Qualifikation für die Champions League durchaus nachvollziehbar erscheint. Am Ende setzte sich jedoch offenbar die sportliche Linie Klopps und seines Kompetenzteams durch.
Nachfolger steht wohl bereits bereit
Als Nachfolger gilt Martin Demichelis als Favorit. Der ehemalige Bayern-Profi soll RB Leipzig übernehmen. Medienberichten zufolge müsste Leipzig für den Argentinier rund 2,5 Millionen Euro Ablöse an dessen bisherigen Verein RCD Mallorca zahlen.
Für Ole Werner dürfte sich schnell eine neue Tür öffnen
Für Ole Werner ist die Entlassung sicherlich ein bitterer Moment. Noch vor wenigen Tagen befand sich der 38-Jährige im wohlverdienten Sommerurlaub. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland erreichte ihn nun die Nachricht, dass seine Zeit bei RB Leipzig beendet ist.
Seinem Ruf dürfte diese Entscheidung allerdings kaum schaden. Werner gilt weiterhin als eines der spannendsten deutschen Trainertalente, als akribischer Arbeiter und ausgewiesener Fußballfachmann. Seine Stationen bei Holstein Kiel, Werder Bremen und zuletzt RB Leipzig haben gezeigt, dass er Mannschaften entwickeln und schwierige Situationen erfolgreich meistern kann.
Deshalb dürfte es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sich für den ehemaligen Kieler eine neue Tür öffnet – sofern Werner selbst zeitnah wieder an die Seitenlinie zurückkehren möchte.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
