Müde Beine – alte Schwächen: Holstein Kiel unterliegt FC Fredericia im Testspiel

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Holstein Kiels neuer Mittelstürmer Giorgi Kvilitaia wird von zwei Gegnern in die Zange genommen

Im ersten Testspiel der Sommervorbereitung zeigt Holstein Kiel über weite Strecken bereits die Handschrift von Tim Walter. Gegen den dänischen Zweitligisten FC Fredericia offenbaren die Störche beim 1:3 allerdings auch die Baustellen des neuen Systems und in der Kontersicherung.

Fredericia nutzt Kieler Fehler eiskalt

Keine vier Minuten waren gespielt, da erwischte der dänische Zweitligist den Gastgeber eiskalt. Nach einem Ballgewinn schaltete Fredericia blitzschnell um, Eskild Dall ließ Timon Weiner keine Chance und brachte die Gäste früh mit 1:0 in Führung. Nur wenige Minuten später musste Weiner erneut alles riskieren. Beim Versuch, einen langen Ball außerhalb seines Strafraums zu klären, kam der Kieler Schlussmann einen Tick zu spät. Eine Notbremse wäre durchaus diskutabel gewesen, der Schiedsrichter ließ die Partie jedoch weiterlaufen. Holstein bemühte sich zwar um Spielkontrolle, wirkte im Spielaufbau aber noch sehr fehleranfällig. Immer wieder luden einfache Ballverluste die Dänen zu gefährlichen Kontern ein.

Walter-Fußball ist bereits deutlich erkennbar

Mit zunehmender Spielzeit erhöhte die KSV das Pressing deutlich. Besonders ab der zehnten Minute schob die Mannschaft weit nach vorne und versuchte den Gegner früh unter Druck zu setzen. Allerdings gelang es Fredericia immer wieder, sich mit technisch sauberem Kombinationsspiel aus den Drucksituationen zu befreien.

Auffälligster Akteur der Gäste war dabei Sechser Andreas Pyndt, der mit seiner Ruhe am Ball und präzisen Pässen das dänische Aufbauspiel immer wieder ordnete. Offensiv blieb Holstein zunächst harmlos. Erst nach 35 Minuten sorgte Giorgi Kvilitaia mit einem wuchtigen Distanzschuss für den ersten Abschluss auf das Tor der Gäste.

Statt des Ausgleichs fiel kurz vor der Pause das 0:2. Nach einem weiteren Kieler Ballverlust scheiterte Elias Hansberg zunächst noch an Weiner, verwandelte den Nachschuss aber problemlos.

Nach der Pause übernimmt Holstein die Kontrolle

Tim Walter wechselte zur Halbzeit gleich mehrfach und seine Mannschaft trat nun deutlich aktiver auf. Bereits kurz nach Wiederbeginn hätte Fredericia nach einer Niehoff-Hereingabe beinahe ins eigene Tor getroffen, der Ball landete aber auf der Querlatte. Wenig später prüfte Phil Harres den Torwart mit einem direkten Freistoß.

In der 59. Minute belohnte sich Holstein schließlich. Der eingewechselte Harres setzte sich stark im Eins-gegen-eins durch und verkürzte auf 1:2. Nun entwickelte sich die beste Phase der Gastgeber. Markus Müller vergab gleich mehrfach den möglichen Ausgleich, nachdem vor allem Niklas Niehoff über die rechte Seite immer wieder für Gefahr sorgte und zahlreiche Flanken schlug. Auch Hamza Muqaj hatte nach einer sehenswerten Kombination über Therkelsen einen Treffer auf dem Fuß, scheiterte jedoch am Schlussmann der Gäste.

Konter bleiben das große Problem

Während Holstein im zweiten Durchgang das Spiel bestimmte, blieb ein Problem bestehen: die Restverteidigung. Ein weiterer Ballverlust genügte Fredericia, um erneut eiskalt zuzuschlagen. Felix Winther (72.) stellte nach einem schnellen Gegenstoß auf 3:1.

Auch danach geriet die Kieler Defensive bei nahezu jedem Konter in Schwierigkeiten. Leon Parduzi verhinderte mit einer starken Rettungsaktion sogar noch einen weiteren Gegentreffer. Die Schlussoffensive der Störche brachte trotz eines Kopfballs von David Zec an die Latte keinen weiteren Treffer mehr.

Dass nach einer intensiven ersten Trainingswoche noch nicht alles funktioniert, überraschte auch Torschütze Phil Harres nicht. „Ich muss sagen, die Woche hat man schon gemerkt. Sie steckt uns ein bisschen in den Knochen. Trotzdem hat es wieder Spaß gemacht, mit den Jungs auf dem Platz zu stehen. Dass noch nicht alles geklappt hat, ist erstmal nebensächlich.“

Der Angreifer wollte den Fokus deshalb weniger auf das Ergebnis als auf die Entwicklung der Mannschaft legen. „Unter der Woche hatten wir wirklich eine super Energie. Die Neuen haben sich gut eingebracht, es macht einfach Spaß, mit ihnen auf dem Platz zu stehen. Das müssen wir mitnehmen.“

Das Ergebnis ist zweitrangig

Die Niederlage dürfte Tim Walter nur bedingt ärgern. Seine Mannschaft ließ bereits viele Elemente seiner Spielidee erkennen: hohes Pressing, viel Positionsrotation und mutigen Spielaufbau. Allerdings zeigte sich ebenso deutlich, woran in den kommenden Wochen gearbeitet werden muss. Die Fehlerquote im Aufbau war noch hoch, die Konterabsicherung häufig unzureichend.

Nicht ohne Grund präsentierte Holstein unmittelbar vor der Partie mit Sebastian Schonlau einen erfahrenen Innenverteidiger, der genau in diesem Bereich künftig mehr Stabilität und Ordnung bringen soll. Das Ergebnis geriet deshalb fast zur Nebensache. Viel wichtiger war die Erkenntnis, dass Walters Handschrift bereits sichtbar ist – auch wenn ihre Umsetzung noch Zeit braucht.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

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