Nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Fredericia hat Holstein Kiel im zweiten Testspiel der Sommervorbereitung den ersten Sieg eingefahren. Gegen den dänischen Erstligisten Sønderjyske Fodbold setzte sich die Mannschaft von Tim Walter auf dem Trainingsgelände in Projensdorf unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit 2:1 (1:1) durch. Trotz des Erfolgs gab es allerdings auch einen kleinen Schreckmoment: Neuzugang Sebastian Schonlau musste bereits nach einer Viertelstunde mit muskulären Problemen ausgewechselt werden.
Traumstart für die Dänen nach Kieler Patzer
Die Partie begann denkbar unglücklich für die Gastgeber. Noch keine zwei Minuten waren gespielt, als Torhüter Lio Rothenhagen einen Pass auf Sebastian Schonlau zu ungenau spielte. Der Ball landete direkt bei Sønderjyskes Olti Hyseni, der die Situation erkannte und den Ball aus rund 35 Metern sehenswert ins verwaiste Tor zum frühen 0:1 schoss.
Holstein benötigte einige Minuten, um den Schock abzuschütteln. Die erste gute Möglichkeit vergab Steven Skrzybski, der in aussichtsreicher Position auf dem nassen Rasen wegrutschte (6.). Überraschend trug dabei nicht der Routinier, sondern Jonas Meffert die Kapitänsbinde.
Kurz darauf zog Marcus Müller nach einem starken Dribbling von der linken Seite nach innen, verzog seinen Abschluss jedoch deutlich (10.). Mit zunehmender Spieldauer übernahm Holstein zwar die Kontrolle, blieb im Spielaufbau aber fehleranfällig und lud die Dänen immer wieder zu gefährlichen Kontern ein.
Verletzungsschreck um Sebastian Schonlau
Nach einer Viertelstunde folgte die nächste Hiobsbotschaft. Sebastian Schonlau musste sein erstes Spiel im Holstein-Trikot vorzeitig beenden. Der Innenverteidiger, der in den vergangenen Monaten immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, verließ mit muskulären Problemen das Feld. Für ihn kam David Zec in die Partie.
Tim Walter gab nach dem Spiel jedoch leichte Entwarnung: „Vorsichtsmaßnahme einfach. Er hatte muskuläre Probleme, hat die ganze Woche durchtrainiert und wollte unbedingt spielen. Wir wollten kein Risiko eingehen. Bis jetzt ist das nichts, wo die Alarmglocken angehen.“
Auch danach blieben die Gäste gefährlich. Adrian Kaprálik vergab zunächst freistehend aus acht Metern (16.), ehe Sønderjyske nach einem weiteren schnellen Umschaltmoment beinahe erhöhte. Erst ließ Hyseni Hiroki Sekine alt aussehen, anschließend lenkte die Kieler Defensive den Abschluss von Mohamed Cherif gerade noch über die Latte (18.).
In der 39. Spielminute hätte der Ausgleich für Holstein fallen müssen: Nach einem langen Ball von Ivan Nekic, steuerte Adrian Kapralik allein aufs dänische Tor zu, überlupfte den herausstürzenden Keeper und brachte den Ball anschließend nicht im leeren Tor unter, da Ebube Duru den Ball von der Linie kratze. Ein wenig später war es dann aber so weit. Nach einer Flanke aus dem rechten Halbfeld, köpfte Phil Harres den Ball Richtung Tor und Kapralik (41.) drückte das Spielgerät über die Linie zum 1:1 Pausenstand.
Frische Kräfte bringen mehr Schwung
Zur Pause wechselte Walter nahezu die komplette Mannschaft durch. Lediglich Lio Rothenhagen, David Zec und Außenverteidiger Hiroki Sekine blieben auf dem Feld. Erstmals kam dabei auch Neuzugang Faride Alidou im Holstein-Trikot zum Einsatz und übernahm den linken Flügel. Marko Ivezic rückte überraschend auf die Sechserposition, während Ikem Ugoh erneut als rechter Außenverteidiger getestet wurde.
Mit den frischen Kräften gewann Holstein deutlich an Dynamik. Giorgi Kvilitaia und Jonas Therkelsen vergaben zunächst gute Möglichkeiten (49.), ehe Marco Ivezic wenig später ebenfalls scheiterte (51.). Die bis dahin größte Chance hatte Kasper Davidsen nach einer Flanke, als Sønderjyskes Schlussmann Nicolai Flø seinen Kopfball mit einer starken Parade über die Latte lenkte (60.).
Davidsen trifft zum Sieg
Die verdiente Führung fiel schließlich in der 70. Minute. Nach einer Hereingabe von Niklas Niehoff schraubte sich Kasper Davidsen am höchsten und köpfte den Ball an die Unterkante der Latte. Von dort sprang das Spielgerät auf die Torlinie, an den Pfosten und schließlich ins Netz – 2:1 für Holstein.
Der Däne entwickelte sich mit zunehmender Spielzeit zum auffälligsten Spieler auf dem Platz. Wenige Minuten später setzte er einen weiteren Abschluss nur knapp über das Tor (76.). Sønderjyske kam durch einen abgefälschten Distanzschuss von Alexander Lyng noch einmal zu einer Gelegenheit, doch Rothenhagen parierte sicher (74.). Auf der Gegenseite verpasste Faride Alidou (87.) nach einer Hereingabe von Ikem Ugoh bei seinem Debüt seinen ersten Treffer für die Störche. So blieb es beim 2:1-Erfolg für Holstein.
Walter: „Nur aus Fehlern lernt man“
Trotz des Sieges stellte Tim Walter anschließend weniger das Ergebnis als vielmehr die Trainingsarbeit in den Vordergrund. „Die Jungs haben viel investiert. Wir haben in den letzten zwei Wochen extrem intensiv gearbeitet. Allein in der ersten Woche sind wir rund 50 Kilometer gelaufen. Die Spieler sind müde und halten dem Druck trotzdem stand. Damit bin ich sehr zufrieden.“
Auch den folgenschweren Fehler von Rothenhagen wollte der Trainer nicht überbewerten. „Das war einfach ein Fehlpass. Lio spielt heute zum ersten Mal von Beginn an bei den Profis. Er hat eine super Einstellung und versucht alles umzusetzen. Ich gewähre jedem jungen Spieler Fehler, weil man nur daraus lernt.“
Überhaupt sieht Walter die Vorbereitung als ideale Phase, um Fehler zu machen. „Nur aus Fehlern lernt man. Die Jungs sollen mutig Fußball spielen. Mir ist wichtig, dass sie die Überzeugung haben, unsere Art Fußball zu spielen.“ Positiv bewertete der Holstein-Coach vor allem die Vielzahl an herausgespielten Chancen. „Für mich ist entscheidend, dass wir Torchancen kreieren. Ob wir sie heute alle verwerten oder nicht, ist zweitrangig. Wenn die Beine wieder frischer werden, fallen diese Tore auch.“
Nächster Halt: Trainingslager in Österreich
Mit dem ersten Testspielsieg im Rücken reist Holstein Kiel nun am Sonntag ins Trainingslager nach Österreich. Dort will Tim Walter weiter intensiv an seiner Spielidee arbeiten und die Grundlagen für den Saisonstart in der 2. Bundesliga legen. Nach den ersten beiden Testspielen zeichnet sich bereits deutlich ab, worauf der neue Trainer besonderen Wert legt: mutiger Spielaufbau, hohes Pressing, intensives Gegenpressing, konsequente Restfeldverteidigung und maximale Intensität – auch wenn dabei in der Vorbereitung noch Fehler dazugehören.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

