Nicolai Remberg spricht erstmals ausführlich über seine schwere Knieverletzung. Der HSV-Kapitän erlaubt sich eine Nacht zum Trauern – danach richtet er den Blick nach vorn. Auch während seiner langen Ausfallzeit will er Verantwortung übernehmen und für seine Mannschaft präsent bleiben.
Es sind erst wenige Tage vergangen. Entsprechend frisch ist das, was Nicolai Remberg am vergangenen Wochenende erlebt hat. Die schwere Kreuzbandverletzung wird den Kapitän des Hamburger SV für lange Zeit außer Gefecht setzen. Nun stellte sich Remberg erstmals nach der Diagnose den Fragen der Journalisten. Und natürlich versucht auch ein Fußballprofi nicht so zu tun, als würde eine solche Nachricht spurlos an ihm vorbeigehen. „Natürlich ist es scheiße“, sagt Remberg. „Wenn ich nach so einer Verletzung nicht traurig wäre, wäre auch etwas falsch.“
Für die erste Nacht nach der Diagnose hatte er deshalb einen ganz bewussten Plan. „Ich habe mir vorgenommen, die erste Nacht, als die Diagnose kam, zu trauern und wirklich auch viel rauszulassen.“ Danach habe er versucht, den Schalter umzulegen. Vollständig gelingt das verständlicherweise nicht immer. „Es kommen auch immer Momente, wo du im Bett liegst und nachdenkst und dann nach dem Schlafen wieder wach bist und realisierst, was passiert ist. Dann tut es schon noch einmal weh.“
„Ich bin unfassbar stolz auf meinen Körper“
Bemerkenswert ist, dass Remberg nicht nur darüber spricht, was sein Körper ihm momentan nicht ermöglicht. Er richtet den Blick auch auf all das, was dieser Körper in den vergangenen Jahren ausgehalten hat. Fast 300 Spiele seien es unter Einbeziehung seiner Zeit bei Preußen Münster inzwischen gewesen, dazu unzählige Trainingseinheiten.
Die Bewegung, die nun zur schweren Verletzung führte, sei schlicht unglücklich gewesen. Seinen grundsätzlich positiven Blick möchte Remberg dadurch nicht verlieren. „Ich bin trotzdem sehr stolz und glaube auch, dass ich das gut wegstecken werde.“ Dabei weiß der Kapitän selbst, dass die Rehabilitation nicht nur aus positiven Momenten bestehen wird. „Da werden sicherlich noch viele Tiefen und hoffentlich auch ganz schnell ein paar Höhen kommen.“
Remberg will Kapitän bleiben – auch ohne Einsatz
Dass Remberg auf dem Platz lange fehlen wird, bedeutet für ihn nicht, seine Rolle innerhalb der Mannschaft abzugeben. Natürlich werde es während der Rehabilitation Zeiten geben, in denen er für sich arbeiten müsse. Wann immer es möglich ist, möchte er aber bei seinen Mitspielern sein. „Ich werde versuchen, so oft wie möglich da zu sein.“
Vor allem die jüngeren Spieler sollen auch während seiner Abwesenheit mit ihrem Kapitän rechnen müssen. Remberg erzählt mit einem Lächeln von einer besonderen Idee. „Ich möchte, dass von mir ein bearbeitetes Bild, wie ich blöd gucke, im Gym hängt, damit die jungen Spieler wissen: Da ist er, der nervt mich. Der ist nicht hier, aber ich muss was tun.“
Ganz scherzhaft ist die Botschaft dahinter allerdings nicht. Remberg erwartet, dass andere nun zusätzliche Verantwortung übernehmen. „Ich habe den Jungs gesagt, dass ich möchte, dass sie Verantwortung übernehmen für das, was ich versucht habe reinzubringen.“ Auch mit dem Trainerteam könne er sich vorstellen, während seiner Rehabilitation Aufgaben zu übernehmen. „Vielleicht gibt es auch ein, zwei Aufgaben, die das Trainerteam für mich bereithält, wo ich merke: Ich bin Teil von dem Team. Was ich auf jeden Fall bin, egal wie lange ich raus bin.“
Remberg nimmt Amoako in die Pflicht
Einen seiner Mitspieler sprach Remberg bereits ganz konkret an: Kofi Amoako. Beide seien ähnliche Spielertypen. Deshalb hat der Kapitän dem jüngeren Kollegen eine klare Botschaft mitgegeben. „Ich habe ihm gesagt: Unabhängig davon, ob du jetzt spielst oder nicht – auch wenn du noch jung bist, übernimm jetzt Verantwortung. Reiß die Jungs mit, so wie ich es immer versucht habe.“
Wer Remberg auf dem Platz letztlich ersetzen wird, sei natürlich Sache des Trainers. Seine Energie soll aber möglichst nicht mit ihm aus der Mannschaft verschwinden. „Die Energie, die ich versucht habe tagtäglich reinzubringen, soll vielleicht auf mehrere Schultern verteilt werden.“ Sorgen macht sich Remberg deshalb nicht: „Ich hoffe einfach, dass die Jungs das wuppen. Aber da mache ich mir gar keinen Kopf.“
Zeitpunkt der Operation noch offen
Wie es medizinisch konkret weitergeht, ist derzeit noch nicht abschließend entschieden. Das verletzte Knie sei weiterhin geschwollen. „Wir sind tagtäglich im Austausch. Wir schauen, was das Beste ist – wann, wie und wo.“ Einen konkreten Termin für die Operation nannte Remberg deshalb noch nicht. Er fühle sich beim HSV jedoch bestens betreut. „Ich bin hier, glaube ich, in den besten Händen. Und da werden wir die richtige Entscheidung treffen.“
Remberg wird emotional
Besonders emotional wird Remberg, als er über die Reaktion seiner Mannschaft auf seine Verletzung spricht. Nach seinem Ausscheiden hatte der HSV das Spiel in Hoffenheim noch gedreht und mit 3:2 gewonnen. Anschließend widmeten Mitspieler den Erfolg ihrem verletzten Kapitän. „Das bedeutet mir unfassbar viel, weil ich einfach weiß, dass sie das nicht einfach nur sagen, sondern mit Überzeugung auch meinen.“
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
