Wer am Freitagabend die Ergebnisse der Kreisliga Ost auf fussball.de überflog, dürfte beim Ergebnis des VfB Kiel zweimal hingeschaut haben: 17:0 gegen die zweite Mannschaft des TSV Altenholz. Kein Tippfehler. Allerdings war es auch kein gewöhnliches Fußballspiel: Die Gäste waren lediglich mit neun Spielern nach Kiel gereist. VfB-Trainer Tim Spirgatis fand anschließend bemerkenswerte Worte – und sprach dem hoffnungslos unterlegenen Gegner ausdrücklich seinen Respekt aus.
Altenholz tritt mit neun Spielern an
Schon die Ausgangslage erklärte zumindest einen Teil des außergewöhnlichen Resultats. Altenholz begann die Partie mit lediglich neun Akteuren. Überraschenderweise benötigte der VfB zunächst etwas Zeit, um sich auf die doppelte Überzahl einzustellen. Nach 23 Minuten stand es durch zwei Treffer von Niels Harneid erst 2:0, Tanathorn Rermsoongnern erhöhte unmittelbar danach auf 3:0. „Meine Jungs wussten natürlich erst einmal gar nicht, damit umzugehen“, berichtet Spirgatis.
Danach gab es allerdings kein Halten mehr. Harneid traf noch zweimal vor der Pause, Alexander Frank erhöhte in der 42. Minute auf 6:0. Damit war bereits zur Halbzeit alles entschieden.
VfB zieht bis zum Schluss durch
Wer erwartet hatte, dass die Kieler nach dem Seitenwechsel mehrere Gänge zurückschalten würden, sah sich getäuscht. Frank komplettierte innerhalb weniger Minuten seinen Hattrick und traf später noch ein viertes Mal. Harneid kam insgesamt sogar auf fünf Treffer. Hinzu kamen Tore von Daniel Pagel, Finn Grunwald und Yannis Schwertfeger sowie ein Dreierpack von Jesko Köhler. Ein Eigentor von Mulham Matar machte die 17 Treffer komplett.
Für Spirgatis hätte das Resultat angesichts der zahlreichen Möglichkeiten sogar noch deutlicher ausfallen können. „Wenn ich dir jetzt erzähle, dass das am Ende eigentlich noch zu wenig ist, dann wird das noch suspekter“, sagt der VfB-Coach mit einem Augenzwinkern.
Gerade als beim dezimierten Gegner zunehmend die Kräfte schwanden, erspielte sich der VfB Chance um Chance. Entscheidend war für Spirgatis dabei, dass seine Mannschaft trotz des längst entschiedenen Spiels konsequent blieb. „Ich bin natürlich stolz auf meine Mannschaft, dass sie das über einen langen Zeitraum so konsequent bis zum Ende durchgespielt hat.“
Großer Respekt für neun Altenholzer
Die vielleicht bemerkenswerteste Geschichte des Abends schrieb aber der Verlierer. Trotz hoffnungsloser Unterlegenheit brachte Altenholz die Partie mit neun Spielern zu Ende. Keine Frustaktionen, keine provozierten Spielabbrüche – stattdessen akzeptierten die Gäste ihre schwierige Situation und spielten die 90 Minuten fair herunter.
Das wollte Spirgatis ausdrücklich gewürdigt wissen. „Großen Respekt dafür an die Mannschaft“, sagte der VfB-Trainer. „Die haben es sauber und ordentlich zu Ende gebracht.“ Auch dem Altenholzer Trainer zollte er Anerkennung, weil dieser immer wieder darauf geachtet habe, dass seine Mannschaft trotz des Spielverlaufs fair blieb.
So bleibt am Ende ein Ergebnis stehen, das man im Herrenfußball nicht allzu häufig sieht. Für den VfB Kiel bedeutete das 17:0 zugleich den fünften Sieg im sechsten Saisonspiel. Mit 15 Punkten und inzwischen 40:6 Toren führt der VfB die Kreisliga Ost an.
Und Altenholz? Das kassierte zwar eine historische Packung – verdiente sich für die Art und Weise, wie neun Spieler diesen äußerst undankbaren Abend zu Ende brachten, zumindest den Respekt des Gegners.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
