3:2 gegen Union – Königsdörffer-Doppelpack krönt wilden HSV-Nachmittag

Der Hamburger SV hat sich im direkten Duell gegen 1. FC Union Berlin mit 3:2 durchgesetzt – und das in einem Spiel, das alles bot: einen umstrittenen Elfmeter, einen haarsträubenden Torwartfehler, einen vergebenen Hochkaräter am leeren Tor vorbei – und einen Matchwinner, der lange als Chancentod galt.

Am Ende war es ein verdienter Heimsieg – analytisch erklärbar, emotional verdient.

Mutiger Beginn – und ein Elfmeter aus dem Nichts

Der HSV begann mit viel Ballbesitz, viel Geduld – und vor allem mit klarer Idee. Über die rechte Seite sorgten Fabio Vieira und Otele immer wieder für Druck, Standards wurden kurz ausgeführt, Union hatte Mühe, die zweiten Bälle sauber zu klären.

Das Spiel nahm den erwarteten Verlauf: Hamburg mit Kontrolle, Union tief, lauernd auf Umschaltmomente. Dann – aus dem Nichts – der Elfmeterpfiff in der 28. Minute. Capaldo soll Ilic im Strafraum mit zu hohem Bein getroffen haben. Eine harte Entscheidung.

Capaldo selbst sagte nach dem Spiel: „Ich habe die Szene noch nicht einmal gesehen, aber ich bin komplett sicher, dass das kein Elfmeter war. Ich habe den Ball gespielt. Er sagt, das Bein war zu hoch – aber ich habe es von unten nach oben geführt. Ich war mir auf dem Platz hundertprozentig sicher.“ Querfeld verwandelte sicher – 0:1.

Reaktion mit Struktur – nicht mit Hektik

Was dem HSV in früheren Wochen noch fehlte, zeigte sich nun deutlich: Ruhe. Fabio Vieira trieb den Ball durchs Zentrum, fand Glatzel, der klug nach rechts auf Randsford Königsdörffer weiterleitete. Der Angreifer blieb eiskalt und schob zum 1:1 ein (35.).

Merlin Polzin analysierte: „Wir wussten, was auf uns zukommt. Union hat enorme Wucht und Power. Aber das 1:1 war überragend herausgespielt – Umschalten, Fabio, Bobby, Ransi. Astrein ausgespielt.“

Die Szene des Spiels: Ilic verpasst – Capaldo trifft

Die Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde zur dramatischen Wendung. Heuer Fernandes unterlief ein schwerer Fehler, Ilic hatte das leere Tor vor sich – und schob vorbei.  Torunarigha störte dabei minimal.

Direkt im Gegenzug: Konter über rechts. Capaldo rückt auf – 2:1 (45.+3). Baumgart ordnete es später nüchtern ein: „Wir müssen 2:1 führen. Klarer wird es nicht. Stattdessen liegen wir 1:2 hinten. Und das spielt dem HSV in die Karten.“ Spielentscheidend? Absolut.

Taktische Phase – Union aktiver, HSV effizienter

Nach der Pause blieb Hamburg zunächst dominant, zog sich dann aber etwas zurück. Union übernahm mehr Spielanteile, wurde aber selten wirklich zwingend. Ein Freistoß von Köhn an die Latte (71.) war die gefährlichste Szene.

Nicolai Remberg beschrieb die defensive Arbeit so: „Wir wussten vorher, dass viele lange Bälle kommen, zweite Bälle. Das haben wir gut gemacht. Wenn Union führt, ist es nicht einfach. Aber wir können beides – kämpfen und kicken.“ Genau das zeigte der HSV.

Königsdörffer vom Chancentod zum Matchwinner

In der 82. Minute dann die Entscheidung – zumindest vermeintlich. Königsdörffer setzte sich im Laufduell durch und traf eiskalt zum 3:1. Polzin über seinen Doppelpacker:
„Ransi ist extrem wertvoll – auch wenn er nicht trifft. Seine Art, Überzahlsituationen herzustellen, ist für uns enorm wichtig. Dass er sich jetzt belohnt, ist das Ergebnis eines Prozesses – keine Überraschung.“

Capaldo ergänzte: „Wir haben nie an ihm gezweifelt. Wir kennen seine Qualität. Jetzt hat er das Selbstvertrauen.“ Der frühere Chancentod – jetzt Matchwinner.

Zittern bis zum Schluss

Ilic traf in der 89. Minute per Kopf zum 3:2. Noch einmal wurde es wild. Noch einmal flogen lange Bälle in den Strafraum. Doch der HSV verteidigte es – diesmal kollektiv. Baumgart musste anerkennen: „Wir gehen als verdienter Verlierer vom Platz.“

Remberg brachte es auf den Punkt: „Wir haben neun Punkte aus den letzten fünf Spielen. Sechs Punkte Vorsprung auf Platz 16. Wir müssen auf uns schauen – aber das fühlt sich gut an.“

Tabellen-Signal und psychologischer Effekt

Der HSV zieht punktgleich an Union vorbei. Während Berlin von einer „Spirale nach unten“ spricht, zeigt Hamburg klar nach oben. Capaldo: „Wir hatten einen schwierigen Saisonstart. Jetzt ist wichtig, dass wir gute Spiele mit Punkten belohnen. Zwei Siege in Folge sind enorm wichtig.“ Die Mannschaft wirkt stabiler, klarer, gefestigter. Und im Volkspark entsteht gerade etwas – Selbstvertrauen.

Fazit:
Ein wildes 3:2, ein Matchwinner mit Doppelpack, ein Wendepunkt in der Nachspielzeit – und ein HSV, der in dieser Bundesliga angekommen scheint. Verdient. Analytisch erklärbar. Emotional wichtig.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.