Der Traum von der 2. Frauen-Bundesliga hat für die Holstein Women im Hinspiel der Aufstiegsrelegation einen schweren Dämpfer erhalten. Beim Nachwuchs des 1. FC Köln unterlagen die Kielerinnen deutlich mit 0:4 (0:2) und stehen vor dem Rückspiel auf der ausverkauften Waldwiese vor einer Mammutaufgabe.
Gegen die spielstarken Gastgeberinnen wurden die Unterschiede über weite Strecken deutlich sichtbar. Köln präsentierte sich technisch stärker, taktisch reifer und agierte mit einem Tempo, das die Gäste immer wieder vor Probleme stellte.
Köln übernimmt früh die Kontrolle
Bereits in den ersten Minuten wurde deutlich, dass die Holstein Women vor allem defensiv gefordert sein würden. Die Kölnerinnen ließen den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen und drängten die Gäste immer weiter in die eigene Hälfte.
Nach 21 Minuten fiel die verdiente Führung. Kapitänin Antonia Langshausen setzte sich stark durch, ließ mehrere Gegenspielerinnen stehen und bediente Emily Tichelkamp, die Holstein-Torhüterin Lela-Celin Naward mit einem Lupfer keine Chance ließ. Nur fünf Minuten später erhöhte erneut Tichelkamp. Nach einer Flanke von der rechten Seite stand die Angreiferin im Zentrum völlig frei und vollendete zum 2:0.
Fischer ärgert sich über vermeidbare Gegentore
Trotz der Überlegenheit der Gastgeberinnen sieht Holstein-Trainer Stefan Fischer die Partie differenziert. „Für mich ist es ärgerlich, dass wir zwei Tore bekommen haben, wo wir einfach nicht aufgepasst haben. Die hätten wir verhindern können“, erklärte der Coach nach dem Spiel.
Vor allem die Entstehung einzelner Treffer missfiel dem Trainer. „In der ersten Halbzeit sind wir nicht richtig zum Ball gegangen. In der zweiten Halbzeit kassieren wir nach einer Ecke ein Gegentor, das man eigentlich gut verteidigen kann.“ Gerade diese Situationen seien aus seiner Sicht die Knackpunkte der Partie gewesen.
Palm und Reifing sorgen für die Entscheidung
Auch nach dem Seitenwechsel blieb Köln die tonangebende Mannschaft. In der 72. Minute sorgte Leni Carla Palm nach einer Ecke für das 3:0. Aus kurzer Distanz kam sie frei zum Kopfball und ließ Naward keine Abwehrchance.
Den Schlusspunkt setzte Lea-Lina Reifing vier Minuten vor dem Ende. Nach einem langen Ball lief sie allein auf das Kieler Tor zu und schob souverän zum 4:0-Endstand ins lange Eck ein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Holstein Women für das Rückspiel ein kleines Fußballwunder benötigen würden.
„Auf dem Papier ein ordentliches Brett“
Trotz des klaren Ergebnisses will Fischer die Hoffnung noch nicht aufgeben. „Ein 0:2 geht noch. Ein 0:4 ist machbar, aber es ist schwer“, sagte der Trainer. Vor allem mental gelte es nun, die Niederlage schnell zu verarbeiten. „Ich habe den Eindruck, dass die Mädels ganz schön niedergeschlagen sind, was verständlich ist. Aber wir haben noch ein Spiel. Das muss erst einmal gespielt werden.“ Dabei setzt Fischer auf die besondere Atmosphäre in Kiel. „Wir sind zu Hause. Wir sind auf der Waldwiese. Unsere Fans sind da. Köln hat eine lange Anreise. Da ist noch eine Chance.“
Ausverkaufte Waldwiese soll Hoffnung geben
Das Rückspiel am kommenden Samstag ist bereits ausverkauft. Mehrere Hundert Zuschauer werden die Holstein Women unterstützen und für einen würdigen Rahmen sorgen. Für Fischer beginnt die Hoffnung mit einem frühen Treffer. „Wenn wir in den ersten zehn Minuten das 1:0 machen und die Kölnerinnen vielleicht etwas Muffensausen bekommen, dann kann sich ein Spiel auch entwickeln.“ Dafür müsse seine Mannschaft allerdings deutlich zulegen. „Wir müssen wahnsinnig viel Arbeit verrichten, die Zweikämpfe gewinnen und vorne präziser spielen. Daran werden wir diese Woche arbeiten.“
Noch einmal alles versuchen
Die Ausgangslage könnte schwieriger kaum sein. Vier Tore Rückstand gegen einen Gegner, der auf dem Kölner Kunstrasen am Geißbockheim über weite Strecken eine Klasse besser wirkte, sprechen eine deutliche Sprache.
Doch die Holstein Women wollen sich ihre starke Saison nicht kampflos nehmen lassen. „Wir haben uns dieses Spiel hart erarbeitet. Es ist etwas Besonderes. Jetzt müssen wir die Niederlage möglichst schnell abhaken und schauen, ob wir nächsten Samstag noch einmal etwas auf den Platz zaubern können“, sagt Fischer. Die Wahrscheinlichkeit spricht klar für Köln. Die Hoffnung lebt in Kiel trotzdem noch.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
