Trotz des Pokal-Aus gegen Eintracht Frankfurt wirkte Claus Costa keineswegs niedergeschlagen über das, was er vom HSV gesehen hatte. Der Direktor Profifußball sprach in der Mixed Zone über die außergewöhnliche Verletztenmisere, die Qualität des Kaders, strittige Schiedsrichterentscheidungen – und darüber, warum ihm gerade die Auftritte der jungen Hamburger Hoffnung machen.

NordKick: Claus, inzwischen fehlen euch eine ganze Reihe wichtiger Spieler. Hast du eine solche Häufung von Ausfällen schon einmal erlebt?
Claus Costa: Ehrlicherweise habe ich jetzt keine Recherche angestellt, ob das schon einmal vorgekommen ist. Natürlich trifft es uns gerade ein bisschen heftiger. Aber wer die Leistung der Mannschaft heute gesehen hat, kann den Worten unseres Trainers folgen: Wir arbeiten uns nicht daran ab, wer fehlt, sondern konzentrieren uns darauf, wer da ist. Die Mannschaft hat eine sehr energetische und gute Leistung gezeigt.
NordKick: Trotzdem ist die Situation gerade mit Blick auf die nächsten Wochen angespannt.
Costa: Natürlich. Aber der eine oder andere kommt vielleicht auch wieder. Wir können es nicht ändern und fokussieren uns deshalb auf das, was wir haben. Wenn ich sehe, wen wir heute auch noch von der Bank bringen konnten, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir bis Weihnachten immer eine schlagkräftige Truppe und elf gesunde und sehr motivierte Spieler auf den Platz bringen werden.
NordKick: Du sprichst eigentlich nicht gerne über Schiedsrichter. Beim möglichen Elfmeter in der ersten Halbzeit fällt das heute aber schwer. Wie hast du die Szene gesehen?
Costa: Wir nehmen uns fest vor, die Dinge zu bearbeiten, die in unserer Hand liegen. Schiedsrichterentscheidungen gehören nicht dazu. Ich habe die Szene nach dem Spiel bei Sky zum ersten Mal gesehen und weiß ehrlicherweise auch nicht, warum sie den Kollegen nicht klar genug war. Für mich ist es ein klarer Elfmeter.
NordKick: Trotzdem möchtest du die Niederlage nicht daran festmachen?
Costa: Nein. Wir hatten auch über diese Situation hinaus genügend klare Torchancen. Von uns wird es deshalb nicht den schwarzen Peter in Richtung Schiedsrichterkabine geben. Wir müssen unsere Chancen nutzen. Auf der Gegenseite haben wir gesehen, wie man effizient mit Großchancen umgeht.
NordKick: Auch Collins hätte nach seinem Einsteigen gegen Møller Wolfe durchaus Gelb-Rot sehen können.
Costa: Das hätte ich mir auch vorstellen können. Zumal es häufig so ist: Wenn die Gegenseite den Spieler unmittelbar nach der Aktion vom Platz nimmt, kann man schon sagen, dass man vielleicht noch einmal mit einem dunkelblauen Auge davongekommen ist. Natürlich schmeckt uns das nicht. Aber ihr werdet von mir jetzt keine Schiri-Schelte bekommen.
NordKick: Wie bewertest du eure Situation insgesamt? Die Liste der verletzten Spieler ist inzwischen enorm.
Costa: Die Situation ist angespannt. Aber wenn ich diese 90 Minuten sehe, wie leidenschaftlich die Mannschaft gespielt hat, wie viel Energie und Spielfreude auf dem Platz waren und welche Spieler in der Startelf standen und von der Bank kamen, dann sehe ich trotzdem 15, 18 oder 20 Spieler, denen wir komplett vertrauen. Wir haben heute nicht mit U17-Spielern aufgefüllt. Das waren alles Spieler, die vollumfänglich zu unserem Profikader gehören und denen wir vertrauen.
NordKick: Die Ausfälle gehen aber auch an diesem Kader nicht völlig spurlos vorbei.
Costa: Natürlich nicht. Wenn acht oder neun Spieler fehlen, die durchaus den Anspruch haben, Stammspieler oder Leistungsträger zu sein, geht das nicht spurlos an einem Kader vorbei. Trotzdem bin ich stolz darauf, wie beispielsweise Jason Bissi-Mouelle das gemacht hat. Jason hat gefühlt eine Minute vor Wiederanpfiff erfahren, dass er rein muss – und dann spielt er hier so. Da sehe ich die positiven Dinge.
NordKick: Ist es bei solch jungen Spielern nicht zwangsläufig, dass auch Fehler passieren?
Costa: Natürlich spielt jemand in seinem ersten oder zweiten Pokalspiel oder fünften Pflichtspiel noch nicht so souverän wie jemand, der 250 Pflichtspiele absolviert hat. Der löst vielleicht auch den einen oder anderen Zweikampf anders. Aber deswegen war ja keiner von ihnen schlecht.
NordKick: Mit Albert Grønbæk und Sambi Lokonga sind zumindest zwei wichtige Spieler zurückgekehrt. Wie wertvoll ist das momentan?
Costa: Wir sind glücklich, dass Sambi und Albert wieder gespielt haben. Gleichzeitig sind wir traurig darüber, dass uns andere Spieler wie Fabio oder Bilal weggebrochen sind, die vorher gute Leistungen gezeigt haben. Genau deshalb haben wir den Kader so zusammengestellt. Jetzt sieht man die Positionsflexibilität und auch, was wir uns gemeinsam mit dem Trainerteam bei der Kaderplanung gedacht haben.
NordKick: Was braucht es jetzt?
Costa: Einen langen Atem und eine gute Regeneration. Und dann werden am Sonntag wieder elf Jungs auf dem Platz stehen, die alles versuchen werden, um effektiver zu sein als heute.
Interview und Bild: Ole Jacobsen.
