Holstein Kiel wartet weiter auf den ersten Saisonsieg. Nach der langen Länderspielpause spricht Torhüter Timon Weiner offen über die unbefriedigende Situation, das Vertrauen in den eingeschlagenen Weg und darüber, warum die Störche gegen Eintracht Braunschweig cleverer werden müssen. An der grundsätzlichen Spielidee soll sich jedoch nichts ändern.
Die Länderspielpause ist vorbei, der Alltag kehrt bei Holstein Kiel zurück – und mit ihm eine Aufgabe, die inzwischen immer drängender wird: endlich den ersten Sieg einzufahren. Beim öffentlichen Training am Dienstag machte Torhüter Timon Weiner in der anschließenden Medienrunde keinen Versuch, die aktuelle Situation kleinzureden. „Ich glaube, sie nervt erst einmal alle“, sagte Weiner. Gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Saison habe sich die Mannschaft vorgenommen, nicht erneut in eine solche Situation zu geraten. Nun wartet Holstein trotzdem weiterhin auf den ersten Sieg. Weiner formuliert daraus einen klaren Auftrag: „Wir sind jetzt auch einfach in der Bringschuld.“
Weiner: „Wir wollen diese drei Punkte endlich holen“
Dabei trennt der 27-Jährige durchaus zwischen Ergebnissen und Leistungen. Parallelen zur vergangenen Saison sieht er spielerisch nicht: „Wenn ich unser Spiel jetzt mit letzter Saison vergleiche, dann ist das nicht mehr das Gleiche.“ Dass Holstein seiner Meinung nach aus einigen Partien mehr hätte mitnehmen können, ändert für ihn wenig an der Realität. Entscheidend sei die Tabelle – und dort fehlen die Siege.
Der Blick richtet sich deshalb ausschließlich auf die Auswärtspartie bei Eintracht Braunschweig: „Wir wollen diese drei Punkte endlich holen.“ Besonders die Unterstützung der Fans hebt Weiner hervor. Trotz der schwierigen vergangenen Saison und des sieglosen Starts sei die Stimmung weiterhin positiv. Das sei keineswegs selbstverständlich. „Da müssen wir jetzt einfach mal was zurückgeben.“
Kein Systemwechsel – aber mehr Cleverness
Die Länderspielpause wurde bei Holstein nicht genutzt, um die grundsätzliche Spielidee über Bord zu werfen. Im Gegenteil. „Ändern werden wir erst einmal nichts“, stellt Weiner klar. Mannschaft und Trainer seien vom eingeschlagenen Weg überzeugt. Gerade der Mut im eigenen Spiel dürfe aufgrund der Ergebnisse nicht verloren gehen.
Dennoch fordert der Torhüter eine bessere Einschätzung bestimmter Situationen. Holstein müsse erkennen, wann Risiko angebracht ist – und wann eine einfache Lösung notwendig wird. Besonders deutlich wird Weiner beim Verteidigen im eigenen Strafraum. Dort brauche es durchaus mehr Pragmatismus. Statt einen Ball unter Druck noch mehrfach spielerisch lösen zu wollen, müsse er im Zweifel schlicht aus der Gefahrenzone geschlagen werden. „In dem Moment ist es wirklich scheißegal. Hauptsache, wir kriegen kein Gegentor.“
Mit Ball will Weiner dagegen keinen Rückzug vom Kieler Ansatz. Lange Bälle auf Verdacht seien nicht die Lösung. Die Mannschaft müsse vielmehr weiter an den eigenen Fußball glauben.
„Vorne effizienter, hinten Fehler abstellen“
Für Weiner ist die entscheidende Stellschraube ohnehin relativ klar. Holstein müsse in beiden Strafräumen besser werden. „Wir müssen vorne effizienter sein und hinten einfach Fehler abstellen.“ Gelinge das, könne sich die Situation schnell verändern. „Wenn wir das hinbekommen, dann werden wir sehr ins Rollen kommen. Das kann ich mir wirklich gut vorstellen.“ Dafür müsse Holstein allerdings zunächst „den Bock umstoßen“.
Druck? „Druck ist ein Privileg“
Dass ausgerechnet das Duell mit ebenfalls im Tabellenkeller steckenden Braunschweig eine besondere Bedeutung besitzt, bestreitet Weiner nicht. Von einer außergewöhnlichen Drucksituation möchte er dennoch nichts wissen. Er verweist auf die vergangenen beiden Jahre, in denen Holstein ganz andere Druckmomente erlebt habe. Zudem greift er einen Satz seines Trainers auf: „Druck ist ein Privileg.“
Für Weiner gehören solche Phasen zum Profifußball. „Es geht leider nicht immer alles nur bergauf, sondern du musst dich auch mal dagegenstemmen.“ Entscheidend sei dabei auch der Kopf. Was ihm Hoffnung mache, seien die Eindrücke aus dem Training: „Alle haben einfach Bock. Jeder glaubt an das Team.“
Weiners Entwicklung: Vertrauen als entscheidender Faktor
Persönlich hat sich Weiner trotz der Kieler Ergebnisse zuletzt auf hohem Niveau präsentiert. Einen entscheidenden Grund für seine Entwicklung sieht er im Vertrauen seines Trainers. „Ab dem ersten Tag hat er gesagt: Du spielst bei mir.“ Gerade als Torhüter sei diese Rückendeckung enorm wichtig. Wer ständig befürchten müsse, nach einigen schwächeren Spielen seinen Platz zu verlieren, könne kaum dieselbe Sicherheit entwickeln.
Hinzu kommt die Arbeit mit dem Ball. Weiner räumt selbst ein, dass das Fußballerische früher nicht zu seinen größten Stärken gehörte. Durch Holsteins Spielweise sei er inzwischen deutlich stärker gefordert – und habe daran intensiv gearbeitet. Mit persönlichen Bewertungen kann er derzeit trotzdem wenig anfangen. Die Zahl der Gegentore und vor allem die fehlenden Punkte seien wichtiger.
Die Idee bleibt – jetzt müssen die Ergebnisse folgen
Damit passt Weiners Botschaft zu dem Kurs, den Holstein Kiel bereits vor der Länderspielpause eingeschlagen hatte. Die Störche wollen ihre Idee nicht aufgrund ausbleibender Ergebnisse verwerfen. Mut, Ballbesitz und spielerische Lösungen bleiben Teil der Identität.
Doch Weiner macht ebenso deutlich, dass Überzeugung allein nicht reicht. In entscheidenden Situationen braucht es Cleverness, weniger individuelle Fehler und mehr Konsequenz in beiden Strafräumen. „Wir müssen jetzt daran glauben, dass das immer noch der richtige Weg ist“, sagt der Torhüter.
Am Freitag soll dieser Weg endlich auch wieder zu dem führen, was Holstein momentan am dringendsten benötigt: drei Punkte.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

