Malte Petersen trug beim 3:5 im Oberliga-Spitzenspiel die Kapitänsbinde der Holstein-U23 – gegen seinen Ex-Klub FC Kilia Kiel. Für den 26-Jährigen war es ein besonderes Derby mit vielen vertrauten Gesichtern. Die Freude über das Wiedersehen hielt sich nach Abpfiff allerdings in Grenzen.
Manchmal bringt der Fußball Geschichten hervor, für die es gar keine große Inszenierung braucht. Malte Petersen führte Holstein Kiel II am Wochenende als Kapitän auf den Platz. Auf der anderen Seite stand mit dem FC Kilia Kiel ausgerechnet jener Verein, dessen Trikot der Innenverteidiger in der Saison 2023/24 getragen hatte.
Petersens Verbindung zu Holstein reicht allerdings noch deutlich weiter zurück. Bereits in der U17 und U19 spielte er für die Störche. Nach seinem Jahr bei Kilia und der anschließenden Station bei Weiche Flensburg kehrte er schließlich nach Kiel zurück. Holstein ist sein Heimatverein. Und trotzdem ist auch Kilia für Petersen mehr als irgendein ehemaliger „Arbeitgeber“.
„Es ist immer ein Stück Heimat“
„Gerade weil es mir da sehr gut gefallen hat, weil ich den Trainer und viele Jungs auch gerne mag, ist es immer ein Stück Heimat und wird es auch bleiben“, sagte Petersen nach dem 3:5 im Gespräch mit NordKick. Viele vertraute Gesichter, dazu eine Spielphilosophie, in der er noch einiges aus seiner eigenen Kilia-Zeit wiedererkennt: „Deswegen ist es immer etwas Besonderes.“
Dass Petersen in diesem Spiel auch noch die Kapitänsbinde trug, machte die Geschichte von außen betrachtet noch etwas spezieller. Er selbst wollte daraus allerdings kein großes Ding machen. „In erster Linie ist es etwas Besonderes, weil ich mit meinem Heimatverein gegen den anderen spiele. Ob Kapitänsbinde oder nicht, hat für mich gar nicht so viel Bedeutung.“
Natürlich sei die Rolle als zweiter Kapitän eine schöne Auszeichnung. Entscheidend sei für ihn aber etwas anderes: „Ich will gerne auf dem Platz stehen. Ich will mit meiner Mannschaft ein gutes Spiel machen.“ Und genau daran haperte es im Spitzenspiel zumindest in den entscheidenden Momenten.
„Kilia war verdammt gut eingestellt“
Denn ein 0:3 zur Halbzeit erzählte nur bedingt, was zuvor auf dem Platz passiert war. Holstein hatte durchaus seine Phasen, kam immer wieder in gute Räume und versuchte, das Spiel zu bestimmen. Doch während die Störche ihre Möglichkeiten nicht konsequent zu Ende spielten, bestrafte Kilia die Fehler der Gastgeber eiskalt.
Petersen hatte schon früh gemerkt, dass dieses Derby eine andere Intensität entwickeln würde. „Man hat direkt gemerkt, dass eine hohe Spielintensität da war. Auch die Pumpe ging schneller als in anderen Spielen vielleicht.“ Das eigentliche Problem sah der Innenverteidiger in den eigenen Ballverlusten. „Wir waren oft in guten Räumen, aber noch nicht zielstrebig genug Richtung Tor. Stattdessen haben wir ein paar Bälle verloren und dann hatte Kilia die Qualität, umzuschalten.“
Sein Lob für den ehemaligen Verein fiel entsprechend deutlich aus: „Sie waren einfach verdammt gut eingestellt, verdammt heiß. Wir haben lange gebraucht, um uns darauf einzustellen und ins Spiel zu kommen.“ Als Holstein das geschafft hatte, war der Schaden bereits beträchtlich. Trotz einer Aufholjagd nach der Pause reichte es nicht mehr. Kilia gewann 5:3 und verdrängte die U23 der Störche von der Tabellenspitze.
Die Tabellenführung ist weg – der Titel noch lange nicht
Vor dem Derby war die Ausgangslage reizvoll gewesen. Beide Mannschaften lagen punktgleich an der Spitze. Mit einem Sieg hätte sich Holstein nicht nur den direkten Konkurrenten vom Leib halten, sondern auch ein kleines Ausrufezeichen im Titelrennen setzen können. Stattdessen ist nun Kilia der Gejagte.
Petersen lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Die Saison ist am Ende lang. Allen, die auf dem Platz standen, ist bewusst, dass sich das heute nicht entscheidet, sondern über konstante Leistungen über viele Spiele.“ Natürlich hätte Holstein gerne ein Signal gesendet: „Wir hätten gerne gewonnen und allen gezeigt: Wir sind nicht schlagbar, man kann uns auch in den Topspielen nicht schlagen.“ Diesen Nachweis haben die Störche verpasst. Eine Vorentscheidung sieht Petersen darin allerdings keineswegs. „Wer heute gewinnt oder nicht – das entscheidet noch nichts.“
Kein Bier mit den alten Kollegen
Und dann gibt es da noch die andere Seite eines solchen Derbys. Auf der einen Seite stehen ehemalige Mannschaftskollegen und Menschen, die Petersen weiterhin gerne mag. Auf der anderen steht eine 3:5-Niederlage, die ihm ganz offensichtlich gewaltig gegen den Strich ging.
Also anschließend zusammensetzen, Kilia gratulieren und gemeinsam etwas trinken? Petersen musste nicht lange überlegen. „Das eher nicht, weil wir morgen früh Training haben. Ich sitze eher da und denke: Scheiße, hätten wir mal lieber gewonnen.“ Und spätestens bei seinem letzten Satz war von alter Verbundenheit für diesen Abend nicht mehr viel zu spüren: „Ich ärgere mich. Ich nehme das auch mit nach Hause. Ich werde mich auch bis morgen früh ärgern.“
Vielleicht beschreibt gerade das ziemlich gut, was dieses Spiel für Malte Petersen war. Kilia ist für ihn ein Stück Heimat geblieben. Aber verlieren möchte er dort trotzdem nicht.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
