Giorgi Kvilitaia ist nach langer Verletzung zurück – und könnte für Holstein Kiel gerade jetzt besonders wichtig werden. Der 33-jährige Mittelstürmer spricht über den schwierigen Saisonstart, das Zusammenspiel mit Phil Harres, seine Rolle als erfahrener Spieler und darüber, warum er trotz der jüngsten Niederlage in Fürth positiv bleibt. Gegen Arminia Bielefeld hat der Georgier ein klares Ziel: drei Punkte.
Die vergangenen Tage spiegeln ziemlich gut wider, wie wechselhaft die bisherige Saison von Holstein Kiel verläuft. Erst gelang den Störchen mit dem 3:0 gegen Dynamo Dresden der langersehnte erste Zweitligasieg, anschließend folgte im DFB-Pokal das emotionale Weiterkommen im Elfmeterschießen gegen Hoffenheim – ehe beim 0:1 in Fürth wieder Ernüchterung eintrat. Am Samstag kommt nun Arminia Bielefeld ins Holstein-Stadion, in dem die Störche ja diese Saison noch ungeschlagen sind.
Mittendrin: Giorgi Kvilitaia. Der 33 Jahre alte Georgier kam im Sommer vom FC Metz nach Kiel, wurde zunächst allerdings durch eine Verletzung ausgebremst. Inzwischen ist „Kvili“ zurück. Und ausgerechnet bei seinem ersten Startelfeinsatz in der 2. Bundesliga zeigte der Mittelstürmer, warum Holstein ihn verpflichtet hat.
Ein Startelfeinsatz – und sofort ein Tor
Gegen Dynamo Dresden durfte Kvilitaia erstmals von Beginn an ran. Gerade einmal neun Minuten benötigte er für sein erstes Zweitligator. Nach Zuspiel von Phil Harres zog der Georgier aus halbrechter Position ab und traf zum 1:0. Es war der Auftakt zum 3:0 und damit zum ersten Kieler Saisonsieg.
Dass ausgerechnet dieser Treffer inzwischen zusätzliche Aufmerksamkeit erhält, freut den Angreifer. Sein Tor wurde für die Wahl zum Tor des Monats nominiert. Großes Aufheben macht Kvilitaia darum allerdings nicht. „Wenn ich gewinnen würde, wäre es natürlich schön. Aber es ist nichts Besonderes.“ Überhaupt wirkt der Routinier wenig daran interessiert, seine eigene Situation in den Mittelpunkt zu stellen. Viel wichtiger ist ihm die Mannschaft – gerade jetzt.
„Man muss jeden Tag hart arbeiten“
Kvilitaia kennt schwierige Phasen aus seiner langen Karriere. Und genau diese Erfahrung könnte für eine Kieler Mannschaft wertvoll werden, die erneut einen schwachen Start in die Zweitliga-Saison erwischte. Seine Botschaft ist einfach: „Das Einzige, was hilft, ist positiv zu bleiben. Man muss jeden Tag hart arbeiten.“ Und manchmal, sagt Kvilitaia, reicht selbst das zunächst nicht. „Man muss sich bewusst sein, dass das, was man tut, manchmal nicht genug ist. Dann muss man noch einen Schritt weitergehen.“
Eine Aussage, die ziemlich gut zur aktuellen Situation der Störche passt. Nach dem Befreiungsschlag gegen Dresden und dem Pokalabend gegen Hoffenheim brachte die Partie in Fürth den nächsten Rückschlag. Nun geht es darum, nicht wieder in eine Negativspirale zu geraten.
Harres Konkurrent – und gleichzeitig Partner
Besonders interessant ist dabei Kvilitaias Verhältnis zu Phil Harres. Der 24-Jährige und der erfahrene Georgier konkurrieren einerseits um Einsatzzeiten im Kieler Sturm, können andererseits aber auch gemeinsam auflaufen. Schon gegen Dresden funktionierte die Kombination: Harres bereitete Kvilitaias Führungstreffer vor und erzielte später selbst das 3:0.
Kvilitaia sieht durchaus Vorteile in einer Doppelspitze. „Wir sind nicht sehr ähnlich. Phil spielt viel mit dem Ball und ich denke, dass es passt. Wir fordern die Bälle nicht in den gleichen Positionen.“ Ob ein oder zwei Angreifer, sei für ihn allerdings zweitrangig. Er habe in seiner Karriere häufig als alleinige Spitze gespielt und ebenso wenig Probleme mit einem zweiten Stürmer an seiner Seite.
Und Konkurrenzkampf? Kvilitaia winkt ab. „Wir geben uns keine schlechten Gefühle.“ Vielmehr sieht der 33-Jährige sich auch in der Verantwortung, den jüngeren Harres zu unterstützen. „Ich bin alt genug, um zu verstehen, was es für einen jungen Spieler bedeutet und wie man ihn unterstützen kann.“ Auf dem Platz kämpfen beide um ihre Position – miteinander aber offenbar nicht gegeneinander.
„Es ist eine Familie“
Dass Holstein trotz der sportlich schwierigen Situation nicht auseinanderfällt, führt Kvilitaia vor allem auf das Innenleben der Mannschaft zurück. „Wir können uns gegenseitig unterstützen. Es ist nicht nur die Mannschaft auf dem Platz. Es ist eine Familie. Jeder unterstützt jeden. Wir haben keine negative Energie.“
Auch persönlich fühlt sich der Georgier inzwischen in Kiel wohl. Nur mit einer Sache hatte er offenbar anders gerechnet: dem norddeutschen Wetter. Kvilitaia schmunzelnd: „Ich hatte erwartet, dass es noch kälter wird. Aber ich sehe das noch nicht. Ich warte.“
Gegen Bielefeld zählt der nächste Schritt
Am Samstag empfängt Holstein Kiel Arminia Bielefeld. Und nach dem Rückschlag in Fürth könnte Kvilitaias Einstellung ziemlich gut zu dem passen, was die Störche jetzt benötigen. Der Georgier erwartet einen schwierigen Gegner, formuliert sein Ziel aber unmissverständlich: „Sie sind eine gute Mannschaft. Aber ich bin positiv, was die drei Punkte angeht.“
Für Kvilitaia selbst könnten die kommenden Wochen ebenfalls wegweisend werden. Nach langer Verletzung ist er wieder eine echte Option. Sein erster Startelfeinsatz brachte unmittelbar sein erstes Tor – und sein Zusammenspiel mit Harres eröffnet Trainer Tim Walter eine zusätzliche Variante.
Vielleicht ist es genau jene Erfahrung, die Kvilitaia selbst aus schwierigen Phasen seiner Karriere mitgenommen hat, die Holstein momentan gebrauchen kann: Positiv bleiben. Weiterarbeiten. Und wenn das noch nicht reicht, eben noch einen Schritt weitergehen.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

