Der Hamburger SV steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Beim Drittligisten SC Verl setzte sich der Bundesligist mit 3:0 (1:0) durch. Das Ergebnis klingt nach einer klaren Angelegenheit – der Spielverlauf war es lange Zeit allerdings nicht. Dem HSV reichten letztlich zwei kurze starke Phasen rund um die Halbzeitpause. Albert Grønbæk traf doppelt, ehe der erst 16 Jahre alte Louis Lemke einen besonderen Abend erlebte.
Verl mutig – HSV lange ohne Ideen
Vor 5.207 Zuschauern versteckte sich der Außenseiter keineswegs. Verl, nach zwei Niederlagen zum Start noch ohne Punkt in der 3. Liga, begegnete dem HSV in der Anfangsphase auf Augenhöhe und hatte durch Mika Clausen per Distanzschuss sogar die erste nennenswerte Möglichkeit (13.). Beim Bundesligisten lief dagegen wenig zusammen. Die Mannschaft von Merlin Polzin hatte zwar ihre Spielanteile, wirkte offensiv aber lange wenig eingespielt. Erst nach rund 40 Minuten wurde der Favorit erstmals wirklich gefährlich. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell.
Grønbæk schlägt doppelt zu
Albert Grønbæk eroberte zunächst selbst den Ball, über Patson Daka kam die Kugel zurück zum Dänen. Dessen Abschluss wurde noch leicht abgefälscht und landete zum schmeichelhaften 1:0 im Verler Tor (41.). Nach der Pause benötigte der HSV dann nicht einmal eine Minute für den nächsten Treffer. Wieder war es Grønbæk, der diesmal von links in Richtung Strafraum zog, seinen Gegenspieler stehen ließ und zum 2:0 vollendete (46.). Damit war der Widerstand des Drittligisten weitgehend gebrochen.
16-jähriger Lemke krönt Startelf-Debüt
Nur vier Minuten später folgte die schönste Geschichte des Abends aus Hamburger Sicht: Der gerade einmal 16 Jahre alte Louis Lemke traf nach Vorarbeit von Nicolai Remberg zum 3:0 (50.). Polzin hatte dem Youngster von Beginn an das Vertrauen auf der linken Seite geschenkt. Auch der erst 19-jährige Shafiq Nandja stand in der Dreierkette in der Startformation. Mit Lemke und Nandja setzte der HSV damit bewusst auf zwei sehr junge Eigengewächse. Auch Neuzugang Sebastian Bornauw feierte direkt sein Startelf-Debüt. Im Tor erhielt Sander Tangvik als vermeintlicher „Pokal-Torwart“ den Vorzug vor Daniel Heuer Fernandes.
Pflicht erfüllt – ohne großes Spektakel
Nach dem 3:0 nahm die Partie wieder deutlich an Fahrt heraus. Verl bemühte sich um den Ehrentreffer, während der HSV das Ergebnis weitgehend kontrolliert über die Zeit brachte. In der Schlussphase bekam unter anderem Eigengewächs Otto Stange noch eine Möglichkeit, scheiterte jedoch am Verler Keeper. So standen am Ende ein ungefährdeter 3:0-Erfolg und der Einzug in die zweite Pokalrunde – obwohl der HSV keineswegs über 90 Minuten überzeugte.
Im Grunde lässt sich der Abend auf zehn entscheidende Minuten reduzieren: Fünf Minuten unmittelbar vor und fünf Minuten nach der Halbzeit genügten dem Bundesligisten, um aus einer lange ausgeglichenen Partie eine klare Angelegenheit zu machen. Überschattet wurde der Pokalabend aus Hamburger Sicht vom gestrigen Tod Klaus-Michael Kühnes. Der HSV lief in Verl mit Trauerflor auf.
Artikel und Archivbild: Ole Jacobsen.
