Not gegen Elend – und am Ende bedankt sich Fürth

Sieben Spiele ohne Sieg, Tabellenletzter, zuletzt ein zähes 0:0 – und ausgerechnet an der Förde platzt der Knoten: Die SpVgg Greuther Fürth gewinnt bei Holstein Kiel mit 2:1. Fürth bleibt trotz des Dreiers Schlusslicht, aber der Sieg ist ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf. Für Holstein ist es dagegen ein bitterer Rückschlag – vor allem, weil man die Chance verpasst, sich unten Luft zu verschaffen und gleichzeitig den stillen Traum von „oben nochmal anklopfen“ am Leben zu halten.

Erste Halbzeit: Viel Ballbesitz, null Idee

Bei Minusgraden passte das Spiel zur Kulisse: wenig Tempo, kaum Tiefgang, praktisch keine Chancen. Holstein hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, fand gegen tief stehende und kompakte Fürther aber schlicht keine Mittel. Der Satz „Not gegen Elend“ trifft den ersten Durchgang leider ziemlich genau.

Ein Grund lag auch in der Umstellung: Marcel Rapp musste den gelb-rot-gesperrten Ivan Nekic ersetzen, brachte Lasse Rosenboom in die Startelf. Das veränderte den Aufbau spürbar – statt eines klareren Dreier-Aufbaus wirkte vieles statisch, die Verbindung ins Mittelfeld fehlte, die nächste Idee ebenso. Auch Keeper Jonas Krumrey blieb im Aufbau eher tief, Rückpässe bedeuteten dadurch häufig: Tempo raus, Raum verloren.

Nach der Pause: Patzer, Reaktion, Patzer – und der Elfmeter entscheidet

Mit Wiederanpfiff wurde es lebendiger – allerdings nicht, weil Holstein plötzlich durchkombinierte, sondern weil das Spiel kippte. Fürth ging praktisch aus dem Nichts in Führung: Ein böser Fehler von David Zec ermöglichte das 0:1 (50.).

Holstein reagierte, erhöhte die Schlagzahl, brachte frisches Personal – und kam durch Jonas Meffert zum Ausgleich. Der Mittelfeldmann traf aus spitzem Winkel wuchtig zum 1:1 (61.). Es war sein erstes Tor seit der Rückkehr vom HSV – doch die Freude verpuffte schnell.

Denn erneut half Holstein nach: Ein ungeschicktes Einsteigen von Umut Tohumcu im Strafraum führte zum Elfmeter, Noel Futkeu verwandelte sicher zum 1:2 (77.). Kiel rannte an, aber eine zwingende Ausgleichschance entstand trotz langer Nachspielzeit nicht mehr.

Rapp: „Wir entscheiden, wie das Spiel ausgeht – und machen zwei unnötige Fehler“

Marcel Rapp nahm nach Abpfiff kein Blatt vor den Mund. Für ihn war klar: Entscheidend war nicht Fürths Stärke, sondern Holsteins Fehlerquote – und die fehlende Durchschlagskraft vorne. „Die schießen zweimal das Tor – wir sind aber maßgeblich beteiligt. Wir machen zwei unnötige Fehler zu den Gegentoren und waren nicht in der Lage, mehr als ein Tor zu schießen.“

Rapp lobte zwar die defensive Arbeit der vergangenen Wochen, sah aber genau dort den Knackpunkt: vorne fehle es an Konsequenz, Mut – und Abschlüssen. „Gerade in der ersten Halbzeit haben wir zu oft quer gespielt, anstatt mal einen Risikoball zu spielen.“
„Das ist kein Playstation-Spiel – die Jungs müssen Entscheidungen treffen.

Skrzybski: „Dämlichste Niederlage. Wir brauchen Torabschlüsse – aber setzen es nicht um“

Kapitän Steven Skrzybski fand noch klarere Worte. Sein Frust richtete sich vor allem gegen das Offensivspiel – und gegen die Tatsache, dass die Probleme seit Wochen bekannt sind, aber zu selten im Spiel verändert werden. „Das war eine der dämlichsten Niederlage der Saison. Wir sprechen es immer an, dass wir Torabschlüsse brauchen. Da müssen wir halt einfach mehr schießen.“

Skrzybski beschrieb das Kieler Dilemma fast schon verzweifelt: Man sei nicht die Mannschaft, die Gegner „seziert“ und dann ins leere Tor einschiebt – man müsse es erzwingen. „Wir sind darauf angewiesen, einfach mal zu schießen, dass er abgefälscht wird und uns ins Tor kullert.

Und zur verpassten Chance in der Tabelle: „Jeder weiß, was für einen riesen Step wir heute hätten machen können. Aber wenn wir einen Step machen können, dann machen wir ihn nicht.“

Meffert: „Riesenchance nicht genutzt – und diese Fehler müssen wir abstellen“

Auch Torschütze Jonas Meffert sprach von einer „riesigen Chance“, die Kiel liegen ließ: „Es war eine riesige Chance heute – und ich habe es nicht genutzt.“ Er betonte, Fürth habe es defensiv gut gemacht – aber Holstein müsse aus Dominanz mehr machen: „Wir müssen uns mehr Chancen rausspielen, vor allem zu Hause im letzten Drittel genauer sein.“

Zu den wiederkehrenden individuellen Patzern fand Meffert deutliche Worte: „Das muss man jetzt schon ehrlich sagen: Das ist schon ziemlich dämlich im Moment. Wir sollten sehr schnell daraus lernen, dass so etwas wirklich nicht mehr passiert.“

Gleichzeitig nahm er seinen Teamkollegen Zec in Schutz: „Er ist ein überragender Spieler. Den Rest des Spiels hat er gefühlt jeden Zweikampf gewonnen. Wir sind ein Team – wir müssen zusammenhalten.“

Pokal im Kopf? Das wäre gefährlich

Am Mittwoch wartet das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den VfB Stuttgart (20:45 Uhr) – ein Highlight-Spiel, keine Frage. Und ja: Es liegt nahe, dass bei einigen im Hinterkopf bereits dieses Flutlicht-Event spukte. Beweisen lässt sich das nicht – aber die erste Halbzeit war so ideenarm, dass der Gedanke zumindest mitschwingt.

Rapp selbst trennte beides klar: „Mittwoch wird ein anderes Spiel. Ab morgen kommt die Vorfreude auf ein besonderes Spiel.“

Fazit: Punkt wäre okay gewesen – aber Holstein hat Fürth eingeladen

Holstein war nicht chancenlos. Aber in Summe war es zu wenig, zu langsam, zu ungefährlich – und am Ende auch zu fehlerhaft. Fürth musste kein Offensivfeuerwerk abbrennen. Die Kieler reichten die Geschenke, die Franken sagten zweimal Danke.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

Trainer Marcel Rapp (Kiel) war teilweise außer sich